• Januar 30, 2026
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Evelyn Schulz           
Rechtsanwältin | Life Sciences & Gesundheitsrecht

Vita

Evelyn Schulz ist seit 2002 als Rechtsanwältin tätig. Nach dem Jurastudium und dem Referendariat entschied sie sich bewusst gegen eine Laufbahn in der Justiz und für die beratende Tätigkeit in der Anwaltschaft. Heute berät sie Unternehmen, Institutionen und öffentliche Stellen im Gesundheitssektor – mit einem Schwerpunkt auf Healthcare und Life Sciences, regulatorischen Fragestellungen und komplexen, oft neuartigen Projekten.

 

Warum sind Sie Anwältin geworden?

Schulz: Ich habe mich schon früh für gesellschaftliche und politische Themen interessiert. Gleichzeitig wusste ich nach der Schule nicht genau, was ich studieren möchte – ich wollte mir möglichst viele berufliche Optionen offenhalten. Jura schien mir dafür ideal.
Während des Studiums und später im Referendariat habe ich dann gemerkt: Das ist wirklich mein Fach. Aber nicht die Justiz. Ich wollte beraten, gestalten, mit Mandanten zusammen Lösungen entwickeln.

 

Warum nicht die Justiz?

Schulz: Im Referendariat habe ich erlebt, dass Richter häufig sehr allein arbeiten. Man sitzt im sprichwörtlichen Kämmerchen, der Austausch ist begrenzt, die technische Ausstattung war damals nicht auf der Höhe der Zeit.      
Vor allem aber fehlt mir dort das Gestalterische. Als Richter bekommt man zwei Positionen vorgetragen und entscheidet nach Logik, Beweislastregeln und Gesetz. Das ist wichtig – aber es ist sehr schematisch.        
Als Anwältin arbeite ich fast ausschließlich mit Graubereichen. Genau das macht für mich den Reiz aus.

Was fasziniert Sie an Ihrer heutigen Arbeit besonders?

Schulz: Ich liebe das Sparring mit Mandanten. Gemeinsam mit Rechtsabteilungen, Management, Regulatory Affairs oder Operations entwickeln wir Lösungen – oft für völlig neue Fragestellungen.
Gerade im Life-Sciences-Bereich ist alles extrem schnelllebig: rechtlich, technologisch, gesellschaftlich. Das hat viel mit Kreativität zu tun. Und genau das habe ich beim Gericht nie gesehen.

Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?

Schulz: Dresden ist für mich Heimat und Inspiration zugleich – eine Stadt mit starker Geschichte, Wissenschaft und lebendiger Kulturszene. Ich habe hier studiert und wollte nach einigen Jahren außerhalb ganz bewusst zurück. Einmal aus familiären Gründen, um mich um meine Eltern zu kümmern, aber auch weil Dresden Tradition und Zukunft verbindet.

 

Lohnt es sich heute noch, Anwältin zu sein?

Schulz: Immer. Na klar.        
Es gibt zwar viele Anwälte, Stichwort „Anwaltschwemme“, aber der Beruf ist extrem unterschiedlich ausgestaltet. Was wir hier machen, nenne ich gern „juristisches Hochreck“.
Unsere Fälle sind entweder super komplex oder super neu. Für einfache Standardfragen braucht man uns nicht – die kann inzwischen oft auch KI beantworten. Aber bei hochspezialisierten, strategischen Themen wird es immer Bedarf geben.

Sehen Sie Alternativen für sich?

Schulz: Wenn ich nicht Anwältin wäre, könnte ich mir gut eine Rolle in der Kulturorganisation vorstellen – Kunst und Kultur spielen in meinem Leben eine große Rolle, unter anderem über mein Engagement im Kunstverein Dresden. Oder ich würde in einem Health‑Tech‑Unternehmen daran arbeiten, innovative Ideen regulatorisch „auf die Schiene“ zu setzen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?

Schulz: Ohne KI kann man diese Frage heute nicht mehr beantworten. Standardaufgaben werden zunehmend automatisiert – entweder durch KI oder durch Rechtsabteilungen in den Unternehmen selbst.  
Ich gehe davon aus, dass sich die Anwaltschaft insgesamt eher verkleinern wird. Für hochspezialisierte Anwälte wird es aber weiterhin sehr viel Arbeit geben. Entscheidend ist der Mehrwert, den man liefert.

 

Wie wichtig sind Netzwerke für Ihren Beruf?

Schulz: Extrem wichtig. Netzwerke dienen nicht nur der Mandatsakquise, sondern vor allem dem Informations- und Erfahrungsaustausch.  
Wir arbeiten international, häufig europaweit, und sind für Mandanten zentrale Ansprechpartner. Dafür braucht es verlässliche Partnerkanzleien, Verbände, politische Kontakte.
Gerade bei strategischen Mandaten gilt: Je höher der Fall aufgehängt ist, desto weniger geht es nur um Jura – und desto mehr um Networking, Politik und Kommunikation.

Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?

Schulz: Wenn ich vor Gericht bin, will ich gewinnen. Punkt.
Allerdings bin ich selten im Streitigen tätig. Meine Arbeit ist überwiegend beratend und gestaltend. Wenn ein Mandant sich aber bewusst für den Streit entscheidet, ist die Richtung klar.

Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?

Schulz: Noch gar nicht konkret. Ich weiß nicht, ob ein schleichender Ausstieg sinnvoll ist oder ob ein klarer Schnitt besser wäre.      
Vorstellen könnte ich mir später Mentoring-Tätigkeiten, vielleicht einen Aufsichtsratsposten oder Engagement im Kunst- und Kulturbereich. Wichtig ist mir, etwas zu machen, das von Erfahrung lebt – und nicht halb dabei zu sein.

Was braucht ein gut funktionierendes Backoffice?

Schulz: Gute, eigenverantwortliche Mitarbeiter und eine Kultur der Wertschätzung.
Dazu kommen funktionierende digitale Tools, die organisatorische Arbeit erleichtern. Wir arbeiten mit digitaler Aktenführung – das ist für mich selbstverständlich. Technik soll entlasten, damit man kreativ und gestaltend arbeiten kann.

Was war Ihr spektakulärster Fall?

Schulz: Viele darf ich nicht nennen. Aber besonders beeindruckend war ein Projekt in Hamburg: der Rückkauf einer Kette von elf Pflegeheimen durch die öffentliche Hand.
Das war fachlich komplex, standortübergreifend organisiert und hatte echten gesellschaftlichen Impact – die Sicherung der Pflege für die Menschen vor Ort.

Was würden Sie an der Justiz in Deutschland ändern?

Schulz: Mehr Digitalisierung. Die Justiz ist oft langsam, träge und papierlastig. Auch das besondere elektronische Anwaltspostfach dürfte deutlich benutzerfreundlicher sein.

Was genau umfasst Ihr Fachgebiet?

Schulz: Ich berate Unternehmen, Institutionen und teilweise auch die öffentliche Hand im Gesundheitssektor: Krankenhäuser, Arzneimittel- und Medizinproduktehersteller, Apotheken, Online-Plattformen.
Es geht um regulatorische Fragen, Marktzugang, Zulassungen, Verträge, Kooperationen. Wenn steuer-, kartell- oder datenschutzrechtliche Aspekte hinzukommen, arbeite ich eng mit Kollegen zusammen. Ich bin sozusagen die Schnittstelle im Gesundheitsrecht.

Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?

Schulz: Ganz ohne ein Augenzwinkern geht es nicht. Viele erinnern sich etwa an die viel zitierte EU „Gurkenkrümmungsverordnung“, die zum Symbol für vermeintlichen EU‑Regelungswahn geworden ist – obwohl sie streng genommen gar kein Lebensmittelrecht, sondern Marktordnungsrecht war.

Welche Mandanten passen zu Ihnen?

Schulz: Mandanten, die offen für Neues sind, aber verantwortungsvoll handeln wollen.
Anwalt und Mandant finden sich. Wenn es nicht passt, merkt man das früh – und dann ist eine Trennung für beide Seiten besser.

Was sind Sie für einen Anwalts-Persönlichkeit?

Schulz:
Ich bin strukturiert, direkt und zuversichtlich. Mandanten sagen mir, dass sie meine klare Sprache und meinen Sinn für Pragmatismus schätzen, ebenso wie die Bereitschaft, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, aber immer mit dem Ziel klar vor Augen. Gleichzeitig arbeite ich sehr gern – auch standortübergreifend – im Team und habe Freude daran, junge Anwaltstalente zu fördern.

 

Kontakt

Evelyn Schulz
Rechtsanwältin | Partnerin

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