- Januar 27, 2026
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Carsten Fleischer über Digitalisierung, Freiheit im Anwaltsberuf und sachorientierte Lösungen
Vita:
Abitur 1996 in Dresden (Berufliches Schulzentrum für Wirtschaft). Studium der Rechtswissenschaften in Dresden. Erstes Staatsexamen 2010, Zweites Staatsexamen 2012. Erste anwaltliche Tätigkeit in einer Dresdner Kanzlei (Arnscheid und Kollegen). Anschließend Syndikusanwalt beim Unternehmerverband SACHSENMETALL und seit 2014 als Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Kucklick Dresdner Fachanwälte tätig.
Warum sind Sie Anwalt geworden?
Fleischer: Ursprünglich habe ich in der Immobilienbranche gearbeitet und hatte viel mit Anwälten und Notaren zu tun. Daraus entstand die Überlegung, noch einmal zu studieren – zunächst mit dem Ziel, Notar zu werden. Im Studium hat sich dann aber sehr früh mein großes Interesse für das Arbeitsrecht herauskristallisiert, so dass ich alle Wahlfächer im Studium und Referendariat gezielt in arbeits- und wirtschaftsrechtlichen Vorlesungen besucht habe. Arbeitsrecht ist ein Gebiet, das immer aktuell ist und gebraucht wird – diese Überlegung war von Anfang an ausschlaggebend.
Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?
Fleischer: Ich bin Dresdner. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier Abitur gemacht und studiert. Im Arbeitsrecht gibt es keinen zwingenden Grund, den Standort zu wechseln. Dresden bietet fachlich alles, was man braucht – und ist darüber hinaus einfach eine lebenswerte Stadt, mit einem sehr schönen Umland.
Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?
RA Fleischer: Es lohnt sich immer, Anwalt zu sein, wenn man wirklich Lust auf sein eigenes Fachgebiet hat. Wer bereit ist, sich inhaltlich reinzuhängen, immer auf aktuellem Stand zu sein wird mit einem niemals langweilig werdenden Job belohnt. Das war vor zehn Jahren so und wird auch künftig so bleiben.
Sehen Sie Alternativen für sich?
Fleischer: Nein. Der Anwaltsberuf ist für mich nahezu alternativlos. Er bietet sehr viele Freiheiten – im Wesentlichen bestimmen nur die zu erledigenden Fristen und Gerichtstermine den zeitlichen Rahmen der anwaltlichen Tätigkeit. Wo, wie und wann man arbeitet, ist ansonsten sehr frei gestaltbar, insbesondere mit der heutigen Kommunikationstechnik, sei es elektronisches diktieren oder Gerichtverhandlungen per Videokonferenz. Die Tage, in denen man für einen Gerichtstermin den ganzen Tag auf der Autobahn oder im Zug verbringt sind zum Glück (fast) vorbei.
Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?
Fleischer: Ganz klar: digital. Digitalisierung betrifft alle Bereiche unserer Arbeit – vom Diktat über Spracherkennung bis hin zu vollständig digitalen Akten. Wer das nicht konsequent umsetzt, wird mittelfristig Probleme bekommen. Auch Künstliche Intelligenz wird in Zukunft die Arbeit unterstützen, aber nicht ersetzen.
Wie wichtig sind Netzwerke?
Fleischer: Klassische Netzwerke oder Verbände spielen für mich persönlich keine große Rolle. Auch Social Media nutze ich nur sehr zurückhaltend, schon aus datenschutzrechtlichen Gründen. Als wichtig und zielführend erachte ich kollegiales Verhalten gegenüber gegnerischen Kollegen, schon um sachlich gute Lösungen in Rechtsstreitigkeiten zu finden, ohne die eigene Person in den Vordergrund zu stellen.
Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?
Fleischer: Im Arbeitsrecht geht es im Ergebnis selten um vollständiges Gewinnen oder Verlieren. Der Großteil der Verfahren endet im Vergleich. Ziel ist eine sachorientierte Lösung und Streitbelegung, mit der beide Seiten gut leben können – gerade angesichts sehr langer Verfahrensdauern.
Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?
Fleischer: Einen Ausstiegsplan habe ich derzeit nicht, dafür bin ich wohl auch noch etwas zu jung. Wichtig wäre mir eine aber eine ordentliche Übergabe der laufenden Verfahren: jemanden rechtzeitig einarbeiten, Fälle gemeinsam führen und dann schrittweise übergeben.
Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Fleischer: Digitalisierung, Digitalisierung, Digitalisierung. Elektronisches Diktat, digitale Akten und effiziente Abläufe im Sekretariat sind heute entscheidend für funktionierende Kanzleiarbeit.
Was war Ihr spektakulärster Fall?
Fleischer: unter Berücksichtigung der anwaltlichen Schweigepflicht kann ich hierzu nicht zu konkret werden, aber es gab schon den einen oder anderen Fall, der die Lokalpresse anzog, insbesondere wenn es um Arbeitnehmer in herausgehobenen Ämtern und deren Fortarbeit für die jeweilige Behörde ging.
Was würden Sie in Bezug auf die Justiz in Deutschland ändern?
Fleischer: Es braucht deutlich mehr Personal. Die Justiz arbeitet inhaltlich gut, aber Verfahren dauern viel zu lange. Außerdem sollte der Einsatz von Online-Verhandlungen weiter ausgebaut und verpflichtend werden.
Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?
Fleischer: Ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch wäre sinnvoll. Derzeit sind relevante Normen auf viele Gesetze verteilt, teils mit unterschiedlichen Begriffsverständnissen.
Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?
Fleischer: Wirklich Absurdes nicht. Es gibt eher kleinere Schönheitsfehler, etwa veraltete Bezugssysteme wie die Sechs-Tage-Woche im Bundesurlaubs- und Arbeitszeitgesetz, obwohl die überwältigende Mehrheit der Arbeitnehmenden in einer Fünf-Tage-Woche arbeitet.
Welche Art Mandanten passen zu Ihnen?
Fleischer: Mandanten, die eine klare und ehrliche Einschätzung wünschen. Ich analysiere nüchtern, benenne Chancen und Risiken und treffe eine juristisch und wirtschaftlich sinnvolle Bewertung.
Was sind Sie für eine Anwalts-Persönlichkeit?
Fleischer: Ruhig und analytisch. Sachlichkeit hat meist mehr Wirkung als Lautstärke.
Kontaktdaten
Carsten Fleischer
Fachanwalt für Arbeitsrecht
KUCKLICK dresdner-fachanwaelte.de
Palaisplatz 3, 01097 Dresden
Telefon: 0351 80718-80
E-Mail: fleischer@dresdner-fachanwaelte.de
Profillink: https://www.dresdner-fachanwaelte.de/anwaelte/carsten-fleischer-fachanwalt-arbeitsrecht-kuendigung-abmahnung/