Was Sie schon immer über Roséwein wissen sollten

Fragen über Fragen sind bis heute die ständigen Begleiter eines der gerade in den Sommermonaten wundervollsten Trinkgenüsse – des Roséweines. Gepanscht oder nicht gepanscht oder gefärbt oder verdünnt oder was? Nichts von alledem. Rosé ist eine eigenständige Weinart, hergestellt mit den selben hohen Anforderungen an Können, Wissen und Gefühl des Winzers und des Kellermeisters.

 

Kolumne von Hartmut Richter

 

Wie wird der Rosé denn nun hergestellt?

Das Prinzip der Roséwein Herstellung selbst ist dabei kein Hexenwerk. Da die Farbstoffe bei Rotweintrauben bis auf wenige Ausnahmen nur in der Beerenschale sitzen, bekommt man, wenn man die Beeren, als Traube wird im eigentlichen Sinne das gesamte Beeren- und Stielgerüst bezeichnet, sanft und schnell abpresst einen ebenso grünlich weißlichen Most wie bei Weißwein. Wird der Most nun wie Weißwein weiterverarbeitet, also vergoren, entsteht ein nahezu farbloser Wein. Solche Weine werden seit einigen Jahren gern als „blanc de noir„ bezeichnet. Lässt man den Most nur ganz langsam beim Pressen ablaufen, wie z.B. bei „blanc de noir“ von Ronald Nüssler oder ihn einige Zeit mit den Beerenschalen als Maische stehen, zieht der Most Farbe aus der Beerenschale und wird von Stunde zu Stunde immer dunkler. So wird’s dann ein Rosé. Beispiel: „Rosarot“ von Martin Schwarz (kraftvoll und langlebig) oder „Besonnen“ von Ronald Nüssler (strukturiert und Beeren fruchtig).

 

Wer´s erfunden hat?

Nicht die Schweizer. Einige Angaben dazu legen das auf das Mittelalter und Frankreich fest, andere Fachleute jedoch, und das ist  die Geschichte, stellen fest, dass die alten Ägypter schon vor mehr als 3000 Jahren rote Trauben mit den Füßen zur Maische stampften - was auch eine vereinzelt noch heute stattfindende Methode zur Gewinnung von Portweinmaische ist, sanfter pressen als so geht nämlich nicht, und durch dieses sanfte Pressen und die überschaubare Maischestandzeit (das Zusammensein von Most und Trester/Beerenfeststoffen) entstand ein Rosé farbener Most, der dann vergoren wurde.

 

Welche Temperatur die beste Genußtemperatur ist?

Das hängt von den Faktoren wie Intensität des Geschmacks, Ausbau im Stahltank oder Faß, Rebsorte, Restsüße und Tannin(Gerbstoff), Tagestemperatur und, ganz wichtig, Stillwein oder Schaumwein ab. Grundsätzlich reden wir über einen empfohlenen Trinktemperatur Bereich von 6°C  bis 9°C bei Schaumweinen wie Champagner, Cremant und Winzersekt so wie ca. 7°C bis 16°C bei Stillweinen.

 

16°C für Rosé?

Klar doch, probieren Sie doch mal den Rosarot von Martin Schwarz zur kraftvoll würzigen Erfrischung mit 8°C am heißen Sommernachmittag oder aber mit 16°C am lauen Grillabend statt Rotwein zum Fleisch. Die Rebsorten für diesen Rosé sind übrigens Regent und Spätburgunder, eine tolle Cuveé. Martin Schwarz hat sich hier mal wieder von französischen Weinen wie Tavel Rosés inspirieren lassen. Ein leichter Weißherbst würde so warm eher keinen Spaß mehr machen.

 

Weißherbst? Richtig, da ist noch die Frage nach den Rosé Arten. Was gibt’s da alles?

Eben zum Beispiel den Weißherbst, eher eine deutsche Spezialität der Machart, der muss immer reinsortig aus einer einzigen Rotweinsorte gekeltert sein, also nie eine Cuveé, und zu mindestens 95 Prozent aus hell gekeltertem Most bestehen. Dann ist da noch die Spezialität  Rotling. Das sind roséfarbene Weine, die aus der Mischung von roten und weißen Trauben oder aus der Mischung von roter und weißer Traubenmaische gekeltert werden. Roter und weißer Most oder gar Wein dürfen hierzu nicht mehr gemischt werden, zumindest nicht innerhalb der EU. Ausnahme: Die Champagne, hier gibt es die Möglichkeit aus traditioneller Herstellung heraus, den Grundwein für einen Rosé Champagner aus rotem und weißem Wein zu assemblieren, also sozusagen zu vermählen, bevor die Flaschengärung vollzogen wird. Rotlinge gibt es in Sachsen, heißt hier Schieler, z.B. von Ulf Große in Radebeul, aus ausschließlich im Anbaugebiet Württemberg geernteten Trauben Schillerwein und aus ausschließlich im Anbaugebiet Baden geernteten Trauben mit dem Zusatz „Grauburgunder und Spätburgunder“ Badisch Rotgold. Blanc de Noir ist eine gebräuchliche/geduldete, aber nicht rechtlich abgesegnete Bezeichnung für die eingangs erwähnten fast bis ganz weißen Weine aus Rotwein Trauben.

 

Und wozu passen diese Weine nun am Besten?

Der mit mit seiner harmonischen Balance zwischen knackiger Säure und fein restsüßer Frucht bestechende Blanc de Noir von Ronald Nüssler gern mal zum Sushi, der mich als perfekter Sommer Rosé jedes Jahr auf´s neue begeisternde Rosé Miraval aus der Provence, übrigens das Weingut, dass Angelina Jolie und Brad Pitt für ihre Hochzeit ausgesucht hatten und dann auch gekauft haben, geht super zu Garnelen oder Salat mit Geflügel, aber auch Ratatouille mit gerilltem Wolfsbarsch oder Dorade sind immer ein Vergnügen mit einem geschmackvollen Rosé.

 

Und was macht jetzt den Unterschied vom Weißwein zum Roségenuß?

Die Aromen des Rosés gehen in die Richtung roter Beeren, wie Erdbeeren, Sauerkirsche, Himbeere, auch mal rote Johannisbeere, alles immer auch abhängig von der Rebsorte, wie auch Aromen von kaltem, roten Tee, Hagebutte und gelegentlich auch spürbarer vegetaler Noten. Bei kraftvoll dunklen Rosés ist auch schon ein Tanninerlebnis spürbar. Der Weißwein wartet da ja eher mit ganz allgemein gesagt weißen Blütenaromen, weißen und gelben Fruchtnoten und gern auch mal Kräuternuancen auf. Tipp: Probiert mal einen Grauburgunder vom Weingut Friedrich Becker aus der Pfalz. Der kommt in reifen Jahren nämlich mit einer feinen, eleganten Roséfarbe aus der Flasche, weil Grauburgunder wie auch z.B. Traminer bei Ausreifung auch bläuliche Farbe in der Beerenschale entwickeln, wenn auch nicht so viel wie Rotwein. Reicht aber für rosa im Glas, darf aber nicht Rosé heißen, weil Rosé bezeichnungsrechtlich nur aus Rotweintrauben hergestellt werden darf. Ist die Weinwelt nicht schön bunt?

 

Und die Preisklassen?

Ordentliche bis sehr gute Rosés liegen so im Bereich von 6,50 Euro bis 20 Euro. 

 

Zum Wohl, Salud, Salute und Santé!

Euer Hartmut Richter

 

§ 32 Angabe von Weinarten, Deutsches Weingesetz

Bei inländischem Qualitätswein oder Prädikatswein darf die Bezeichnung

1. Weißwein nur für einen ausschließlich aus Weißweintrauben hergestellten Wein,

2. Rotwein nur für einen ausschließlich aus Rotweintrauben hergestellten Wein und

3. Roséwein nur für einen ausschließlich aus Rotweintrauben hergestellten Wein von blass- bis hellroter Farbe verwendet werden.

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