• August 22, 2006
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Editorial Sommer 2004

Väter können wir uns nicht aussuchen. Wir könnten uns mit ihnen arrangieren oder uns abfinden, uns mit ihnen streiten oder sie akzeptieren – Väter, Daddys und Papas.

Meiner ist ein Papi und nicht besser oder schlechter als alle andern. Etwas cooler vielleicht. Einer, der nie etwas verschenkt hat – weder Liebe noch Geld. „Du willst dir etwas kaufen? Dann arbeite!“ Schon mit vierzehn habe ich morgens vor Schulbeginn Fußböden geschrubbt, in der Apotheke ekelige Hustensaftflaschen gereinigt und nachmittags Unkraut auf Parkplätzen gejätet. Damals habe ich geschimpft, heute profitiere ich davon. Lehre 1: „Man bekommt nichts geschenkt.“ Lehr 2: „Man muss für sich selbst sorgen.“

Dann gibt es die Daddys. Wie der Titel nach amerikanischem Vorbild: stolz auf den Nachwuchs, nachgiebig und großzügig. Ich kenne viele Daddy-Kinder. Bekommen das Studium finanziert, vielleicht auch die Wohnung, die Urlaube, die Hochzeit. Ich war oft neidisch. Auf den ersten Blick das bessere Los. Doch auf den zweiten?

Am ärgsten trifft es die Kinder von Vätern nach altem Vorbild: streng, unsensibel, gefühllos. Diese Väter trägt man im bildlichen Sinn sein ganzes Leben mit sich herum. „Du kannst nichts. Du bist nichts wert.“

Genauso schlimm finde ich die Sonntagspapas. „Ich will keine Verantwortung und keine Arbeit und wenn die Sonne scheint, bringe man mir doch mal mein Kind.“

Machen wir uns nichts vor: Ideale Väter gibt es nicht. So wie es keine idealen Menschen gibt. Aber Väter bestimmen das Leben ihrer Kinder mit. Also: etwas mehr Liebe, Mühe und Bewusstsein bitte, ihr Väter.

Und ihr Kinder von 3 bis 80: Sie lieben (oder liebten) Euch trotzdem. Auch wenn sie es gut verstecken können (oder konnten).

Herzlichst! Ihre Anja K. Fließbach