• Dezember 28, 2021
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Twittern Sie schon oder xingen Sie noch? Ich twittere und facebooke und fühle mich damit schon einen Schritt weiter als die, die sich noch mit Xing beschäftigen.
Letzten Herbst ging es los. Ich bekam eine Dinnereinladung mit dem besonderen Höhepunkt – einer Einführung in die neuen Kommunikationswege. Und tatsächlich, als der Hauptgang verspeist war, kamen die Laptops auf den Tisch. Die kleine Abendgesellschaft war plötzlich eingebunden in ein weltweites Netz netter Menschen. Ich auch. Und ich war infiziert. Noch in derselben Nacht meldete ich mich bei facebook an, und mein ganzes Leben blätterte sich um mich herum auf wie ein Faltbuch. Die waren alle schon da! Meine große Liebe aus der Schule, mein Professor aus meiner Zeit in Boston, mein verrückter Freund, ein Tänzer aus London. Freunde von meinen Schiffen und aus meiner Zeit in L.A.. Geschäftsfreunde aus Österreich und Kumpels, die ich komplett aus den Augen verloren hatte. Plötzlich waren alle erreichbar. Ich konnte jede Station meiner Vergangenheit wieder aufgreifen. Innerhalb weniger Tage hatte ich über 400 meiner Freunde in meinem Verzeichnis, mehr als ich jemals in meinem Outlook hatte. Dann haben sich ehemalige und aktuelle Dresdner zugefügt, und heute sind es rund 1000 Freunde. Auf den Dresdner Partys spricht man sich plötzlich mit „Hallo facebook-Freund“ an, oder es wird einem „in echt“ jemand vorgestellt, mit dem man virtuell schon befreundet ist.

Ganz ehrlich – dieses facebook ist eine irre Sache. Auch die Diskussionen sind spannend. Kaum schreibe ich etwas über den Opernball, entwickelt sich auf meiner Seite ein virtuelles Gespräch von verschiedenen Leuten, die Pro und Contra diskutieren. Schreibe ich, dass die Schranke im Parkhaus der Centrum Galerie kaputt ist, kommen Danksagungen, dass die Leute sich gleich danach das Parkgeld gespart haben. facebook ist schnell. Twitter fast noch schneller. Da gibt es die Nachrichten scheinbar, bevor sie entstehen. Schneller als Radio und TV. Und natürlich viel cooler. Manchmal essentiell und manchmal so was von banal. So erfährt man zum Beispiel, dass Dapema seinem Freund einen 6er-Dübel in Weiß mitbringen soll, Lohmy gerade zwei Stunden auf seinen Flug wartet, Pstawowy die Politikerschelte auf die Nerven geht, Boehler völlig entspannt ist, und die Safttante findet, dass James Blunt „hundisch“ singt. Okay, das muss man nicht wissen. Aber so manche Bundestagsabstimmung, Unfallmeldung oder Personalentscheidung kommt schneller über twitter als offiziell vor Ort bekannt wird.

Natürlich habe ich wahrlich anderes zu tun, als mich nächtelang im Netz zu tummeln. Aber in der heutigen Zeit gehört es dazu. Deshalb liebe ich trotzdem den Geruch einer frisch gedruckten Zeitung über alles, streiche nach wie vor schwelgend über den fein lackierten Titel unserer Disy und lasse mir Artikel, Briefe und Bilanzen auf „ordentlichem Papier“ ausdrucken.

Aber wie bei vielen Dingen kann ich mich auch der „anderen Seite“ nicht verschließen. Das Neue hat sein Recht. Deshalb muss das Alte nicht schlecht sein.

In diesem Sinn gibt es Disy nach wie vor schick und edel als feines Magazin, aber auch virtuell im Netz. Besuchen Sie uns auch dort unter www.disy-magazin.de oder folgen Sie mir im Chefredakteursalltag unter www. twitter.com/anjafliessbach oder bei www.facebook.com/anjafliessbach.

Herzlichst! Ihre

Anja K. Fließbach