Wie schreibt man Geschichte?

„Ideen werden geboren und widerrufen. Manches bleibt. Und so wächst ein Projekt zur realistischen Sache. Schaut man nach oben, ist es hoch. Eine Genickwendung weiter und es ist halt höher, am höchsten.“

Yadegar Asisi

Yadegar Asisi - ein ehemaliger Dresdner Architektur-Student entwarf mit Daniel Libeskind das neue World Trade Center in New York und eröffnet jetzt das Panometer Dresden. Disy traf den weltberühmten Architekten schon einmal in Leipzig.

Dass man Geschichte schreibt, begreift man in diesem Moment nicht und ist hinterher erstaunt“, erklärt der Künstler. Am Projekt von Daniel Libeskind für die Wiederbebauung des Ground Zero in New York schuf Asisi das Panorama. Eine schwierige Aufgabe? „Ideen werden geboren und widerrufen. Manches bleibt. Und so wächst ein Projekt zur realistischen Sache. Schaut man nach oben, ist es hoch. Eine Genickwendung weiter und es ist halt höher, am höchsten.“ Der Künstler hat in vielen Projekten bewiesen, dass er auf dem richtigen Weg ist. „Authentizität ist das Wichtigste. Bleib, wer du bist. Versuche, nichts für andere zu machen und anderen zu imponieren.“ Viele von seinen Visionen hat er schon verwirklicht. „Wenn die Ideen, von denen man augenblicklich begeistert ist, nach drei Tagen noch in einem gären, dann sind sie etwas wert. Dann ist die Zeit reif, sie zu verwirklichen. Zwischendurch kann es schon einmal passieren, dass man fragt, was soll das Ganze eigentlich. Seine Selbstzweifel zu überwinden, gehört unwiederbringlich dazu“, sagt der Professor. Eine Erkenntnis,

Eine Erkenntnis, die er seinen Studenten mit auf den Weg gibt. „Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen. Es ist aber eine Schande, so zu tun, als ob man es wüsste.“ Asisi, 1955 in Wien, sozusagen auf der Durchreise, als Kind persischer Eltern geboren, wuchs mitten in Leipzig auf. Er studierte in Dresden Architektur. „Adlergasse 2, dort haben wir uns als Studenten ein eigenes Atelier aufgebaut. Es regnete zwar herein, aber es war unsere eigene Bude. Das Haus steht heute noch!“ Dann ging Asisi nach Westberlin und landete für zwei Tage im Gefängnis. Der Vorwurf: illegale Einreise. „Ich weiß heute noch nicht, warum.“ Mit ein paar gesammelten Zeichnungen bewarb er sich dann an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. „400 Bewerber, 18 wurden angenommen. Ich hatte Glück.“ Noch nicht fertig mit dem Studium, schloss er sich 1982 mit zwei Partnern zum Architekturbüro „Brandt-Asisi-Böttcher“ zusammen. „Ich war der Jüngste, unbedarft, den Kopf voller Ideen. Wir hatten Erfolg, ich war in einer Phase des Umbruchs. Architektur auf die Platte reduziert. Die Postmoderne hielt ihren Einzug. Eine Herausforderung für mich.“

Bis heute sind viele seiner Kunstwerke in aller Welt verstreut. Ein Stück Berliner Mauer, von Asisi mit den Bildern alter Gebäude täuschend echt bemalt, kaufte der Papst höchstpersönlich für seinen Garten im Vatikan. Im Heimatland seiner Eltern, im Iran, ist er sogar ein Fernsehstar. In einer TV-Sendung genießt er als Pantomime höchste Anerkennung. „Ich bin ein Vagabund“, beschreibt sich Asisi. Er hasst materiellen Besitz, braucht kein Auto, will den „ganzen Krempel“ nicht. Der Architekt setzt Prioritäten. „Bei mir ist es so liederlich, dass man sehen kann, aus welcher Richtung ich ins Bett gegangen bin. Dort liegen meine Klamotten, die ich fallen gelassen habe.“ Seine geistige Arbeit und was dabei entsteht, ist ihm viel wichtiger. Ganz oben stehen allerdings seine Kinder: ein Sohn (30) lebt in London, der Kleine (11) im Norden. „Wir telefonieren oft. Wir haben Sehnsucht, wenn wir uns zwei Wochen nicht sehen oder hören können.“ Die Vielseitigkeit Yadegar Aisis ist unglaublich. Er spielt mit Raum, Farbe, Realismus, perspektivischen Tricks, und er schafft es mit einer ihm eigenen Handschrift immer wieder, Spannungen in den Köpfen der Menschen zu erzeugen. Fast unheimlich und doch ganz simpel. Einfach genial.

Asisis neues Projekt Dresden 1756

Das barocke Dresden im Panometer Dresden
Was ist ein Panometer? Ein neuer Begriff, der die Verbindung zwischen einem Panoramabild und einem Gasometer beschreibt. Der nächste Panometer wird am 9. Dezember in Dresden eröffnet. Der Gasometer im Stadtteil Reick gehört den Dresdner Stadtwerken (DREWAG) und wird zu einem Panometer umfunktioniert. Yadegar Asisi malt für diesen eine Stadtansicht Dresdens um die Mitte des 18. Jahrhunderts, der Blütezeit des Barocks. Zwischen der Regierungszeit Augusts des Starken und dem Siebenjährigen Krieg entwickelte sich Dresden von einer eher unbedeutenden Residenzstadt zu einer europäischen Kunstmetropole. Ein Mythos entstand, der über die Zerstörung der Stadt im Jahre 1945 hinaus bis in die Gegenwart reicht. „Das barocke Dresden“ ist als eine Dauerinstallation für wenigstens zehn Jahre vorgesehen.