• Oktober 22, 2026
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Der renommierte Inselhistoriker Fritz Spalink hat die Besuche des europäischen Hochadels auf Usedom umfassend aufgearbeitet. Seine neue Broschüre „Der Adel auf Usedom“ dokumentiert die Aufenthalte zahlreicher Kaiser, Könige, Kronprinzen und weiterer Mitglieder europäischer Herrscherhäuser. Die Ergebnisse fließen nun in den neuen Ausstellungsbereich „Kaiserbäder Usedom – wo Kaiser und Könige baden“ der Ausstellung „Die Welt geht baden“ ein. Zu den schillerndsten Episoden gehört die Beziehung zwischen Kaiser Wilhelm II. und der verwitweten Konsulin Elisabeth Staudt. Der Kaiser hatte die weltgewandte Unternehmerwitwe 1908 bei der Hochzeit ihrer Tochter in Berlin kennengelernt. Zwischen 1908/09 und 1912 fuhr er während seiner Aufenthalte in Swinemünde wiederholt mit dem Automobil nach Heringsdorf, um in der Villa Staudt den Nachmittagstee einzunehmen.

Die kaiserliche Standarte wurde gehisst, das Gefolge wartete im Haus oder im Garten, und zahlreiche Schaulustige drängten sich vor der Villa. Trotzdem brodelte die Gerüchteküche: War es tatsächlich nur Tee – oder verband den Kaiser und die Konsulin mehr? „Auch wenn das kaiserliche Gefolge immer mit dabei war, das Tête-à-Tête gehört dennoch zu einem der bis heute lebendigsten Mythen der Kaiserbäder“, so Spalink und als Resümee zu seiner historischen Untersuchung: „Es war und es ist bis heute nicht abgebrochen ein Stelldichein von Kaisern, Königen und regierenden Fürsten auf Usedom aus Deutschland, Europa und sogar Übersee und insbesondere in den heute als „Kaiserbäder“ berühmten Badeorten Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Der mondäne Hauch glanzvoller Epochen ist bei einem Blick über den feinen Ostseestrand und beim Schlendern über die prachtvollen Promenaden zu spüren. Bei meiner Bearbeitung bin ich auf nicht erwartete zwölf Kaiser- und Königsbesuche gestoßen.“

Jürgen Kraft, der Bademodensammler und Kurator: „Hier wird Kultur nicht nur betrachtet – sie kommt an, weckt Erinnerungen und emotionalisiert. Auffällig ist dabei der hohe Anteil internationaler Besucher. Die Ausstellung wird damit zugleich zum Spiegelbild einer Insel, deren Kaiserbäder bei Gästen aus allen Teilen Deutschlands und vielen weiteren Ländern immer beliebter werden.“

Usedom gewinnt an Qualität und Aufmerksamkeit – und knüpft an seine mondäne Seebadtradition an

Die Renaissance der Kaiserbäder wird heute durch die Entwicklung auf der gesamten deutsch-polnischen Insel verstärkt. Świnoujście verzeichnet deutliche touristische Zuwächse. Die neue Verkehrsanbindung über den Swinetunnel und die Schnellstraße S3 nützt nicht allein Świnoujście, sondern ebenso dem deutschen Teil Usedoms. Die wachsenden Gästezahlen beleben Museen, Ausstellungen, Gastronomie, Handel und weitere touristische Angebote auf der gesamten Insel.

Alexander Ruscheinsky, Initiator der Ausstellung und aus der UNESCO-Welterbestadt Regensburg stammend, regt an: „Zugleich sollten wir den kulturhistorischen Rang der Kaiserbäder neu betrachten: Ihre Villen waren nicht nur Sommerdomizile des Hochadels und wohlhabender Familien. Die Kaiserbäder wurden zu einem europäischen Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller, Komponisten, Bankiers und Industrielle – von Theodor Fontane und Maxim Gorki bis Johann Strauss. Dieses Villenerbe von europäischer Qualität könnte, verbunden mit den historischen Promenaden, Gärten und der Ahlbecker Seebrücke, in einer klug abgegrenzten Form aus meiner Sicht durchaus Welterbeformat besitzen.“

Auch die Bürgermeisterin der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf, Dr. Laura Isabelle Marisken, sieht ein wachsendes Interesse an der Geschichte der Kaiserbäder: „Die Menschen reisen hierher und möchten sich über den geschichtsträchtigen Ort informieren. Und es ist natürlich schön zu sehen, wer hier alles an höchsten Staatsgästen verweilt hat.“

Kurdirektor Thomas Heilmann betont, dass die prominenten Gäste weit über ihre persönlichen Aufenthalte hinaus Wirkung entfalteten: „Nicht nur die Besuche der Persönlichkeiten sind wichtig, sondern die vielen Errungenschaften, die dadurch entstanden sind, wie die Eisenbahnverbindungen, erste Kinderlager oder die einzigartige Bäderarchitektur.“

Die Ausstellung „Die Welt geht baden – 200 Jahre Badekultur von Usedom bis Hollywood“ greift diese besondere Verbindung von internationaler Badekultur, regionaler Geschichte und touristischer Zukunft auf.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Ausstellung so gut angenommen wird. Mit der Geschichte der Ostsee, der Kaiserbäder und der gesamten Insel Usedom haben wir bewusst einen umfangreichen regionalen Schwerpunkt gesetzt. Vielleicht können wir damit einen kleinen Baustein zum sich immer mehr entfaltenden Qualitätstourismus auf Usedom beitragen“, sagt Ruscheinsky. „Wir begrüßen Gäste aus beiden Teilen der deutsch-polnischen Insel und erstaunlich viele internationale Besucher. Gerade die Verbindung aus Bäderarchitektur, großer Seebadtradition und einer der wunderbarsten Naturlandschaften Europas macht die Badeorte zu europäischen Highlights. Die Gäste reisen zufrieden ab – und sind durchaus auch ein wenig stolz, wenn sie zu Hause von ihrem schönen Urlaub auf Usedom erzählen.“