- Januar 16, 2026
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Reisen im Jahr 2026 wird nicht schneller werden, sondern bewusster. Statt neuer Superlative rücken Zeit, Nähe und Verantwortung immer stärker in den Mittelpunkt. Trendforscher und Tourismusakteure beobachten übereinstimmend: Längere Aufenthalte, Bahnreisen und weniger bekannte Regionen prägen das neue Fernweh, dabei bleibt Nachhaltigkeit kein Zusatz, sondern bildet die Grundlage.
Ein Perspektivwechsel beim Unterwegssein
Wer im Jahr 2026 reist, der plant anders. Fernziele verschwinden nicht, werden jedoch neu bewertet: Wer fliegt, der bleibt länger. Zudem entscheiden sich immer mehr Reisende für Züge, Fähren und lokale Anbieter. Parallel dazu nimmt das Interesse an sogenannten Micro-Retirements zu - das sind zeitlich begrenzte Auszeiten vom Berufsleben für ausgedehntere Reisen. Das alles hat übrigens der jährlich erscheinende Explore Worldwide Report des britischen Reiseunternehmens Explore Worldwide verraten.
Heutzutage wird natürlich vorwiegend über das Internet die Reise gebucht. Immer mehr Reisende buchen ihren Flug getrennt vom Hotel, um so den besten Preis zu bekommen. Auch bei der Bezahlung hat sich viel getan – Flüge oder Unterkünfte werden immer häufiger mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen bezahlt. Diese haben sich längst von reinen Spekulationsobjekten zu praktischen Zahlungsmitteln entwickelt. Entsprechend bieten immer mehr Online-Shops und digitale Dienstleister diese Zahlungsmethoden an. Dazu zählen inzwischen sogar einige legale Glücksspielanbieter, sodass Interessierte, die digitale Zahlungsmethoden bevorzugen, gezielt mehr zu den Testsiegern in Erfahrung bringen können.
Kroatien: Die leise Adria
Den Auftakt der neuen Reiseroute macht Kroatien - allerdings abseits der längst bekannten Hotspots. Während Dubrovnik oder Split weiterhin mit Overtourism ringen, öffnen kleinere Inseln, Häfen und Fischerdörfer ihre Türen für ruhigere Formen des Reisens. Entlang der dalmatinischen Küste wird das Inselhüpfen zwischen Šibenik, Hvar und Vis zum Gegenentwurf des bislang klassischen Pauschalurlaubs.
Die Inseln werden regelmäßig mit Fähren verbunden, ein Auto ist in der Regel überflüssig. Übernachtet wird in kleinen Pensionen, gegessen wird, was Fischer am Morgen an Land bringen. Kroatien beherbergt zudem eines der nachhaltigen Tourismus-Observatorien der UNWTO: das Croatian Sustainable Tourism Observatory (CROSTO), das die Entwicklung an der Adria kontinuierlich begleitet. Schon vor mehr als zehn Jahren wurde Mali Lošinj mit dem ETIS-Award der Europäischen Kommission ausgezeichnet.
Italien: Zeit statt To-do-Liste
Italien ist ebenfalls ein beliebtes Reiseziel, das im Jahr 2026 ganz anders wahrgenommen werden wird: Und zwar bewusst nicht mehr als Auftakt, sondern als Einladung zum Bleiben. 2026 rücken Apulien und Basilikata stärker in den Fokus, während Rom und Florenz etwas Abstand gewinnen. Das Bild wird von Slow Travel geprägt: Angereist wird per Bahn, übernachtet wird in kleinen Unterkünften und der direkte Austausch findet direkt mit Produzenten von Wein, Olivenöl oder Käse statt.
In Apulien lassen sich historische Trulli-Häuser als nachhaltige Gästeunterkünfte erleben, auf den Äolischen Inseln empfangen hingegen kleine Familienbetriebe ihre Gäste. Regionen wie Südtirol mit Bozen oder Trient gelten als Vorbilder für eine ausgewogene Tourismuswirtschaft. Der neue Luxus besteht nicht im schnellen Sehen, sondern im Bleiben.
Sri Lanka: Wiederentdeckung mit grünem Fokus
Sri Lanka zeigt, wie sich ein Reiseland neu positionieren kann. Nach schwierigen Jahren zeigt sich die Insel 2026 mit wachsendem Selbstbewusstsein. Die Sri Lanka Tourism Development Authority hat sich dazu entschieden, den Ökotourismus gezielt zu fördern und gemeindebasierte Projekte zu unterstützen. 2025 überschritten die Besucherzahlen wieder einmal die Zwei Millionen-Marke.
Sri Lanka vereint Teeplantagen, tropische Strände, alte Königsstädte, Safaris und Ayurveda. Eine der eindrucksvollsten Arten, das Land zu erleben, bleibt die Zugfahrt von Colombo ins Hochland. Hier geht es vorbei an Nebelwäldern und Wasserfällen.
Japan: Langsamkeit im Land der Effizienz
Japan zeigt sich im Jahr 2026 in einer ganz neuen Rolle. Bekannt für Geschwindigkeit und Präzision, offenbart das Land nun seine ruhige Seite. Der schwächere Yen erleichtert internationalen Gästen den Zugang, während die kulturelle Vielfalt von Ritualen bis Popkultur fasziniert. Doch das neue Japanerlebnis entsteht zwischen den Hauptachsen.
Das Bahnnetz, das hervorragend ausgebaut ist, macht Inlandsflüge oft überflüssig. Der Shinkansen verbindet Metropolen, während regionale Linien zu kleinen Orten führen. Übernachtungen in Ryokans mit Onsen und Tatami-Zimmern, Begegnungen mit lokalen Gastgebern und Handwerkern prägen die Reise. Die Japan National Tourism Organization verweist auf nachhaltige Unterkünfte wie das CO₂-negative „Treeful Treehouse Sustainable Resort“ in Okinawa oder Zero-Waste-Häuser wie das „Hotel WHY“ in Kamikatsu.
Neuseeland: Fern, fokussiert, vertieft
Zuletzt ist noch Neuseeland zu erwähnen - das Fernziel schlechthin. Gerade wegen der Distanz wird bewusster gereist. Der Trend löst sich vom Roadtrip-Marathon hin zu längeren Aufenthalten in ausgewählten Regionen. Zwischen Fjorden, Regenwäldern und Vulkanlandschaften rücken Rückzug und Naturbeobachtung in den Mittelpunkt.
Im Süden der Südinsel bieten Lodges und Eco-Retreats Unterkünfte in nahen Schutzgebieten. Gäste beteiligen sich an Aufforstungsprojekten oder Wildtierbeobachtungen - Reisen wird also zur stillen Kooperation mit der Natur.