• Januar 30, 2026
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Petra Kirschnek, Rechtsanwältin mit klarem Wertekompass, internationalem Blick und mediativer Haltung

Vita:

Petra Kirschnek ist als Rechtsanwältin tätig und verfügt über langjährige juristische Erfahrung. Sie war zuvor als Unternehmensjuristin tätig und bringt dadurch tiefe Einblicke in unternehmerische Entscheidungsprozesse, Vertriebsprozesse, Compliance-Strukturen und komplexe Rechtsfragen im internationalen Kauf- und Handelsrecht mit. Besonders sattelfest beschreibt sie sich im europäischen und grenzüberschreitenden Arbeitsrecht, insbesondere in Konstellationen mit Bezug zu Tschechien, wobei sie eng mit dortigen Fachanwälten kooperiert. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von hoher ethischer Selbstverpflichtung, klarer Mandatsbegrenzung und dem Anspruch, rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, ohne sie zu überschreiten.

Warum sind Sie Anwältin geworden?       
Kirschnek: Mich hat schon früh interessiert, wie unterschiedlich Sachverhalte betrachtet werden können. Ich habe gemerkt, dass ich mich gut in andere Positionen hineinversetzen kann und früh gelernt: Es gibt nicht die Wahrheit, sondern es kommt auf die Perspektive an. Diese Fähigkeit, auch die Gegenseite mitzudenken und Argumentationen vorwegzunehmen, war ein zentraler Grund, warum ich Anwältin geworden bin.

Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?     
Kirschnek: Ich wollte mich räumlich in Richtung meines Herkunftslandes verändern und hatte bereits Teile meiner juristischen Praxisausbildungsphasen in der heute größten internationalen Wirtschaftsrechtskanzlei in Prag absolviert. In Prag habe ich für eine internationale deutsche Großkanzlei meine ersten beruflichen Schritte als international tätige Rechtsanwältin gemacht. Parallel zog es meinen Verlobten, der promovierter Volljurist ist, nach Dresden bzw. Berlin in eine deutsche Großkanzlei. Dresden liegt an der Elbe, dem Fluss meiner Geburtsstadt, und im Drei-Länder-Eck mit Tschechien und Polen. Nach drei Jahren Großkanzlei war die Neuorientierung in der freien Wirtschaft, in die Rechtsabteilung eines großen Mobilfunkkonzerns in Dresden die nächste Herausforderung. 

Lohnt es sich heute noch, Anwältin zu sein?        
Kirschnek: Das kommt darauf an. Es hängt stark von der Mandantenstruktur ab. Wer überwiegend Mandanten mit wenig finanziellen Mitteln betreut, muss viel Idealismus mitbringen. Mit einer Mischkalkulation kann es funktionieren. Für mich persönlich lohnt es sich, weil ich die Arbeit gern mache – auch wenn sie wirtschaftlich realistisch geplant sein muss.

Sehen Sie Alternativen für sich?    
Kirschnek: Nein, aktuell nicht. Ich wollte Juristin werden und mache diesen Beruf gern – auch wenn mir manchmal der Beruf mehr Freude macht als einzelne Mandanten.

Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?     
Kirschnek: Wie in allen beratenden Branchen muss die Anwaltschaft die Chancen der Digitalisierung und der AI klug für Ihre Mandantschaft und damit für die Zukunft ihres Berufsstandes nutzen. Bei einer arbeits- und wirtschaftsrechtlich spezialisierten Kanzlei erwarten Rechtssuchende nicht den „schnellen Dr. Google Rat“ oder KI-geschneiderte Forderungsschreiben oder Klageschriften. Sondern auch in digitalen Welten wird taktische, strategische, auf die individuellen Wünsche und Risiken abgestimmte „face-to-face“ Beratung durch erfahrene Rechtsanwälte ihren Platz haben: einen außergerichtlichen Vergleich zu moderieren und auszuhandeln, emotional verhakte Gegner beider Streitparteien zum Aufeinanderzubewegen, Verzicht und Vernunft zu führen, wird weder eine KI noch humanoide Beratungs-Bots leisten können.

Wie wichtig sind Netzwerke?         
Sie sind unverzichtbar und können im Wettbewerb echte Gamechanger sein: wer menschlich und fachlich gut vernetzt ist, baut breite und schnell generierbare Kompetenzen auf. Netzwerke entstehen durch zwischenmenschliches Miteinander, Zuhören, Erfahrungsaustausche, das Teilen von Wissen und dadurch geschaffenes gegenseitiges Vertrauen. Das führt zu persönlichen Weiterempfehlungen, dies schätzen Mandantinnen und Mandanten in einem für sie oft unübersichtlichen Markt besonders. 

Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?         
Kirschnek: Gewinnen ist immer das Ziel. Aber entscheidend ist Ehrlichkeit. Wenn ein Fall objektiv nicht zu gewinnen ist, sage ich das auch. Niederlagen gehören dazu – und sie bringen einen oft weiter als Siege. Wer nur gewinnt, entwickelt sich nicht weiter.

Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?  
Durch meine Familie, die drei gemeinsamen Kinder und meinen Mann, der auch mein Kanzleisozius ist, habe ich privat sehr dynamische Zeiten hinter mir. Wahrscheinlich passt dann irgendwann ein dynamischer Ausstieg zu mir mit vielleicht mehreren Lebensmittelpunkten im In- und Ausland – obwohl das Angenehme in der Selbständigkeit als spezialisierte Rechtsanwältin auch ist, dass man Schritt für Schritt und ortsunabhängig reduzieren kann. Es gibt schlechtere Optionen.

Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?      
Kirschnek: Wir halten unsere Kanzlei bewusst klein. Fixkosten müssen tragbar bleiben. Mitarbeiter stellt man nur ein, wenn man sicher ist, sie dauerhaft bezahlen zu können. Wirtschaftliche Stabilität ist Voraussetzung für gute Arbeit.

Was war Ihr spektakulärster Fall?           
Kirschnek: Ein internationaler Strafrechtsfall. Ich habe erreicht, dass ein internationaler Haftbefehl aufgehoben wurde, der zur Auslieferung meines Mandanten nach Argentinien geführt hätte. Durch Berichte zu Menschenrechtsverletzungen in argentinischen Gefängnissen und eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte konnte das OLG Dresden überzeugt werden. Der Fall wurde später sogar veröffentlicht.

Was würden Sie in Bezug auf die Justiz in Deutschland ändern?         
Kirschnek: Ich würde mir mehr Zeit und Raum für echte Mediation wünschen, insbesondere im Arbeitsrecht. Güteverhandlungen sind oft zu kurz. Konflikte sind häufig persönlich aufgeladen – hier braucht es strukturierte mediative Ansätze statt reiner Konfrontation.

Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?    
Kirschnek: Im Arbeitsrecht sollte Mediation viel stärker eingesetzt werden. Es geht nicht nur um Geld, sondern um persönliche Verletzungen. Arbeitsrecht ist für mich ein „menschelndes“ Rechtsgebiet, ähnlich dem Familienrecht.

Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?  
Kirschnek: Ja. Zum Beispiel die unterschiedliche Behandlung derselben Person als Verbraucher und als Unternehmer. Als Privatperson ist man stark geschützt, als Unternehmer kaum – obwohl es dieselbe Person mit derselben Sachkunde ist. Das empfinde ich als widersprüchlich.

Welche Art Mandate passen zu Ihnen?    
Kirschnek: Mandate, die ich fachlich beherrsche und moralisch vertreten kann. Ich prüfe immer: habe ich die Kapazitäten, die Qualifikation und kann ich mir selbst treu bleiben? Wenn nicht, lehne ich Mandate ab.

Was sind Sie für eine Anwalts-Persönlichkeit?    
Kirschnek: Ich arbeite lösungsorientiert, mit Sicherheitsbewusstsein und klaren Grenzen. Ich schöpfe rechtliche Möglichkeiten aus, suche aber keine Argumente, die ich selbst nicht vertreten kann. Wichtig ist mir, jeden Morgen ohne Bauchschmerzen in den Spiegel schauen zu können.

Was sind Ihre bekanntesten Publikationen?        
Sicherlich meine Master-Thesis bei der Postgraduierung zum „LL.M.“ an der TU Dresden aus dem Jahr 2001/2002 mit dem Titel „Die Integration der osteuropäischen Staaten in die EU“.

Kontaktdaten

RAin Petra E. Kirschnek LL.M.

Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwaltskanzlei Kirschnek GbR

Loschwitzer Straße 15 a

01309 Dresden

www.kanzlei-kirschnek.de

info@kanzlei-kirschnek.de

Tel.: 0049 +351 4022 0885

Fax: 0049 +351 833 853 88