- Januar 27, 2026
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Patrick Müller
Rechtsanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Vita
Patrick Müller ist als Rechtsanwalt im Handels- und Gesellschaftsrecht tätig. Er berät insbesondere Unternehmer und Gesellschaften in strukturellen, gesellschaftsrechtlichen und wirtschaftsnahen Fragestellungen. Neben der anwaltlichen Tätigkeit ist er als Partner in die organisatorischen und unternehmerischen Abläufe seiner Kanzlei eingebunden.
Warum sind Sie Anwalt geworden?
Müller: Für mich war der Reiz immer die Kombination aus rechtlicher Struktur und unternehmerischem Denken. Gerade im Gesellschaftsrecht geht es nicht nur um Paragrafen, sondern darum, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, die für Unternehmer praktikabel sind. Das hat mich von Anfang an angesprochen.
Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?
Müller: Dresden ist wirtschaftlich spannend und bietet eine sehr vielfältige Unternehmenslandschaft. Gleichzeitig ist der Markt überschaubar genug, um langfristige Mandantenbeziehungen aufzubauen. Für mich war das eine gute Mischung aus Dynamik und Stabilität.
Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?
Müller: Ja, aber anders als früher. Der Beruf hat sich stark verändert. Man ist heute nicht mehr nur Jurist, sondern auch Unternehmer, Organisator und Dienstleister. Wer bereit ist, diese Rollen anzunehmen, für den lohnt es sich nach wie vor.
Sehen Sie Alternativen für sich?
Müller: Grundsätzlich nein. Natürlich denkt man als Unternehmer auch darüber nach, wie sich Dinge entwickeln könnten. Aber mein beruflicher Weg ist sehr eng mit der Kanzlei und der anwaltlichen Tätigkeit verbunden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?
Müller: Die Anwaltschaft wird sich weiter differenzieren. Spezialisierung, Digitalisierung und Effizienz werden immer wichtiger. Kanzleien müssen sich organisatorisch gut aufstellen, sonst wird es schwierig, langfristig zu bestehen.
Wie wichtig sind Netzwerke?
Müller: Netzwerke sind enorm wichtig. Nicht im Sinne von bloßem Visitenkartentausch, sondern als gewachsene Beziehungen. Viele Mandate entstehen über Empfehlungen, Vertrauen und langfristige Kontakte.
Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?
Müller: Natürlich möchte man für den Mandanten das bestmögliche Ergebnis erzielen. Aber Gewinnen heißt nicht immer, ein Urteil zu erstreiten. Manchmal ist eine wirtschaftlich sinnvolle Einigung der größere Erfolg.
Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?
Müller: So, wie ich meinen Einstieg erlebt habe – gleitend. Ich halte nichts von einem harten Schnitt. Ideal ist ein Übergang über fünf bis zehn Jahre, in dem man die nächste Generation heranführt, Juniorpartner aufbaut und Verantwortung schrittweise abgibt.
Das empfehlen wir im Gesellschaftsrecht auch unseren Mandanten bei Unternehmensnachfolgen – und das möchte ich selbst genauso leben.
Warum ist Ihnen dieser lange Übergang so wichtig?
Müller: Unternehmersein muss man lernen. Als Partner besteht der Arbeitsalltag heute nicht mehr nur aus juristischer Tätigkeit, sondern zu 30 bis 40 Prozent aus Organisation. Diese Erfahrung weiterzugeben braucht Zeit. Und man kann dann ruhigen Gewissens loslassen, wenn man weiß, dass die Kanzlei mit derselben Philosophie weitergeführt wird.
Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Müller: Kommunikation ist das A und O. Das Sekretariat ist der Maschinenraum einer Kanzlei. Fristenmanagement, Postein- und -ausgänge – ohne ein funktionierendes Backoffice geht nichts.
Ein eingespieltes Team, das sich kennt und versteht, ist Gold wert. Wenn man über Jahre zusammenarbeitet, entwickelt man ein gemeinsames Gefühl füreinander – auch an schlechten Tagen.
Sie übernehmen heute viele Aufgaben selbst. Warum?
Müller: Das hat auch mit dem Fachkräftemangel zu tun. Gute Rechtsanwaltsfachangestellte sind schwer zu finden. Wir hatten zeitweise eine Kraft für vier Anwälte – das ist sportlich. Deshalb organisiere ich vieles selbst, von der Aktenanlage bis zum Versand über das besondere elektronische Anwaltspostfach.
Was war Ihr spektakulärster Fall?
Müller: Spektakulär ist immer relativ. Ein Fall, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, betraf einen Immobilienfonds in der Rechtsform einer GbR, der faktisch seit über 20 Jahren nicht mehr existierte – aber trotzdem weiter wirtschaftete.
Gesellschafter waren verstorben oder erloschen, die Gesellschaft rechtlich aufgelöst, und dennoch wurden Gewinne verteilt. Das fiel erst auf, als die Immobilie verkauft werden sollte und das Grundbuch berichtigt werden musste.
Gab es auch einen Fall mit persönlicher Dramatik?
Müller: Ja, ein klassischer Betrugsfall: Ein Mandant kaufte eine hochwertige Diamantbohrsäge, überwies 20.000 Euro – die Ware kam nie. Am Ende konnten wir einen Porsche Cayenne pfänden, den der Betrüger von dem Geld gekauft hatte.
Das Verfahren war eine komplette Klaviatur der Zwangsvollstreckung, inklusive gefälschter Unterlagen und Strafanzeigen. Am Ende ging es gut aus, aber der Weg dorthin war lang und nervenaufreibend.
Was würden Sie in Bezug auf die Justiz in Deutschland ändern?
Müller: Den Personalnotstand. Verfahren dauern viel zu lange. Ein Jahr bis zum Urteil ist keine Seltenheit, oft sind es zwei oder drei Jahre. Ich habe ein Verfahren am Landgericht Dresden, das seit 2020 anhängig ist – ohne Entscheidung.
Gerade für Mandanten ist das kaum vermittelbar.
Sehen Sie weitere strukturelle Probleme?
Müller: Ja. Viele Richter sind sehr jung und kommen direkt von der Universität. Es fehlt oft an praktischer Erfahrung und Menschenkenntnis. Ich fände es sinnvoll, Richter erst nach mehreren Jahren Anwaltstätigkeit zuzulassen.
Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?
Müller: Mehr Klarheit im Gesetz. Mit dem MoPEG wurde viel modernisiert, aber nicht alles zu Ende gedacht. Gerade bei Beschlussmängelstreitigkeiten hätte ich mir klarere gesetzliche Regelungen und Fristen gewünscht, statt auf Rechtsprechung angewiesen zu sein.
Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?
Müller: Ja. Zum Beispiel § 27 Absatz 6 StVO – dort ist geregelt, dass man auf Brücken nicht im Gleichschritt marschieren darf. Oder § 961 BGB zum Bienenschwarm, der herrenlos wird, wenn er ausfliegt und nicht unverzüglich eingefangen wird. Solche Vorschriften sind skurril, aber real.
Welche Art Mandanten passen zu Ihnen?
Müller: Unternehmer. Fachlich wie mental. Unternehmer sind oft fordernd, schnell und anspruchsvoll. Aber das passt zu meiner Arbeitsweise und meinem Fachgebiet.
Was zeichnet diese Mandanten aus?
Müller: Hohe Erwartungen, wenig Geduld und ein starker Fokus auf Ergebnisse. Man muss sie manchmal bremsen und erklären, dass juristische Prozesse Zeit brauchen.
Was sind Sie für eine Anwaltspersönlichkeit?
Müller: Freundlich, positiv und lösungsorientiert. Ich versuche, Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit zu nehmen und nicht alles an mich heranzulassen.
Kontakt:
BSKP Dr. Broll Schmitt Kaufmann & Partner
Steuerberater Wirtschaftsprüfer Rechtsanwälte
Fetscherstraße 29
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