- Januar 26, 2026
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Andreas Reschke, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht
Warum der Anwaltsberuf für ihn früh feststand, weshalb er den öffentlichen Dienst bewusst gemieden hat und was gute Anwälte seiner Meinung nach wirklich ausmacht.
Warum sind Sie Anwalt geworden?
Reschke:
Ich wollte eigentlich schon sehr früh Anwalt werden. Ich bin auf einem alten Gymnasium zur Schule gegangen, auf dem sehr viele Juristen waren. Das hatte den Vorteil, dass ein Vorsitzender Richter vom Oberlandesgericht – damals nannte man das noch Senatspräsident – für uns eine Arbeitsgemeinschaft Recht angeboten hat. Da konnte man schon als Schüler hingehen. Ich war damals etwa 14 oder 15 Jahre alt und habe über zwei Jahre hinweg daran teilgenommen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass für mich ziemlich klar war: Irgendwas mit Jura möchte ich machen.
Anwalt bin ich dann letztlich geworden, weil ich selbstständig arbeiten wollte. Ich habe während meiner Ausbildung auch andere Bereiche kennengelernt – etwa durch meine Zeit bei der Bundeswehr oder später im Referendariat im öffentlichen Dienst. Ganz offen gesagt: Das war nichts für mich. Dieses Selbstverständnis, diese starke Nabelschau und die teilweise absurden internen Konflikte innerhalb der Bürokratie haben mich eher abgeschreckt.
Ein prägendes Erlebnis hatte ich während des Referendariats im Rechtsamt einer ostwestfälischen Großstadt. Das war zu einer Zeit, als die Stadtverwaltung nach Jahrzehnten SPD-Führung plötzlich einen CDU-Oberbürgermeister bekam. Was da in den einzelnen Dezernaten abging – an Intrigen, Machtkämpfen und persönlichem Hauen und Stechen – das war für mich extrem abstoßend. Da wusste ich: Das ist nicht meine Welt.
Warum kam für Sie auch keine große Kanzlei infrage?
Reschke:
Ich habe als Student in einer der großen Kanzleien gejobbt und hatte den Eindruck, dass Junganwälte – drastisch formuliert – teilweise ausgebeutet wurden. Unerquicklich fand ich auch, dass einige Seniorpartner in großen Kanzleien versuchten, ihre Kinder unterzubringen – ebenfalls Juristen. Die wurden dann den hochqualifizierten jungen Kollegen vorgezogen, einfach weil sie den „richtigen“ Namen hatten. Für so eine Struktur wollte ich nicht arbeiten.
Dazu kam, dass die Gehälter damals wirklich schlecht waren. Wir hatten zu der Zeit eine enorme Schwemme an Juristen – im Schnitt etwa 10.000 Examina pro Jahr. In der Spitze gab es rund 173.000 Anwälte in Deutschland. Heute sind es deutlich weniger, was auch zeigt, dass der Beruf an Attraktivität verloren hat.
Gab es auch einen persönlichen oder regionalen Einfluss auf Ihre Entscheidung?
Reschke:
Ja, durchaus. Ich komme aus Hamm in Westfalen, dort sitzt das größte Oberlandesgericht Deutschlands. Zu meiner Schulzeit galt noch eine Residenzpflicht: Wer am Oberlandesgericht zugelassen war, musste auch dort wohnen. Das führte dazu, dass man in der Stadt häufig mit Juristen in Kontakt kam – Richter, Anwälte, Staatsanwälte. Entsprechend war auch das schulische Umfeld geprägt. Das hat sicher dazu beigetragen, dass Jura für mich früh sehr greifbar war.
Und es war letztlich auch eine pragmatische Entscheidung: kein öffentlicher Dienst, keine Großkanzlei, sondern selbstständig arbeiten. Ideelle Motive im romantischen Sinne hatte ich nicht. Ich diskutiere einfach gern, ich streite gern argumentativ. Mir liegt es mehr, Fälle zu diskutieren, als mich hinzusetzen und ausgewogen ein Urteil zu schreiben. Das überlasse ich gern denen, die vorne sitzen.
Warum haben Sie sich dann für Dresden entschieden?
Reschke:
Das hatte mehrere Gründe. Ich habe Sachsen schon sehr früh kennengelernt. 1990, also noch vor der Wiedervereinigung, war ich für ein Vierteljahr in Leipzig und habe dort für eine Steuerkanzlei gearbeitet. Das war eine extrem aufregende Zeit. Man hat alte Schulfreunde wiedergetroffen, Leute aus der Bundeswehr, alles war im Umbruch.
Später, nach dem zweiten Staatsexamen, habe ich dann eine Anzeige gesehen: Zwei Steuerberater aus Bayern wollten in Dresden eine Kanzlei aufmachen. Ich habe überlegt, bin hergefahren und habe festgestellt, dass ich hier unglaublich viele Bekannte hatte – aus Schule, Studium, Bundeswehr und anderen Lebensabschnitten. Das macht den Start in einer neuen Stadt natürlich erheblich leichter, als wenn man völlig bei null anfängt.
Wie verlief Ihr Einstieg in die Selbstständigkeit?
Reschke:
Ich bin 1995 nach Dresden gekommen und habe meine eigene Kanzlei gegründet, zunächst gemeinsam mit zwei Steuerberatern. Diese Zusammenarbeit haben wir allerdings noch im selben Jahr wieder beendet. Seitdem bin ich selbstständig tätig, zunächst in der Striesener Straße, nur wenige Häuser von meinem heutigen Standort entfernt.
Der Weg war nicht immer einfach, aber er war richtig für mich. Ich wollte meine Fälle selbst auswählen, meine Mandanten selbst betreuen und meine Kanzlei nach meinen Vorstellungen führen.
Gab es besonders prägende oder außergewöhnliche Fälle in Ihrer Laufbahn?
Reschke:
Gerade im Bau- und Mietrecht erlebt man Dinge, die sehr nah an der Realität sind. Ich habe zum Beispiel einen Fall betreut, bei dem ein Baukran in der Dresdner Innenstadt umgestürzt ist und ein Nachbarhaus von oben bis unten durchschlagen hat – mitten am Nachmittag. Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, aber das war pures Chaos.
Oder eine einstürzende Stützmauer in einer Wohnanlage, bei der man live beobachten konnte, wie eine acht Meter hohe Wand nach und nach zusammenbrach. Das sind Situationen, die man nicht vergisst.
Auch im Mietrecht gibt es sehr emotionale Fälle. Menschen kommen mit existenziellen Sorgen – selbst wenn es objektiv nur um ein paar hundert Euro geht. Für sie steht oft alles auf dem Spiel. Dann braucht es nicht nur juristisches Wissen, sondern auch Fingerspitzengefühl.
Welche Rolle spielt Empathie im Anwaltsberuf?
Reschke:
Eine sehr große. Mandanten stehen häufig unter enormem Stress. Sie haben Angst, verstehen die Situation nicht und fühlen sich ausgeliefert. Ein guter Anwalt muss sie erst einmal „runterholen“, ihnen erklären, was wirklich passiert und was nicht.
Das kann man nicht standardisieren oder in ein Franchise-System pressen. Es gab ja Versuche, Anwaltsarbeit zu industrialisieren – das ist gescheitert. Der Beruf lebt von Persönlichkeit, Erfahrung und psychologischem Gespür.
Wie wichtig sind Netzwerke für Sie?
Reschke:
Netzwerke sind extrem wichtig. Zum einen innerhalb der eigenen Fachgebiete: Ich pflege gute Kontakte zu Kollegen, auch zu älteren, erfahrenen Anwälten. Wenn es vor Gericht einmal zu hitzig wurde, lade ich Kollegen auch bewusst zum Essen ein, um die Sache auf menschlicher Ebene wieder zu entspannen.
Zum anderen braucht man Netzwerke über das eigene Fach hinaus. Wenn ich mit strafrechtlichen oder anderen speziellen Fragen konfrontiert werde, weiß ich genau, an wen ich verweisen kann. Das ist fair gegenüber dem Mandanten und professionell.
Wie sehen Sie die Zukunft des Anwaltsberufs?
Reschke:
Ich bin überzeugt, dass es Anwälte auch in 200 Jahren noch geben wird. Der Beruf lässt sich nicht durch KI oder Verbraucherzentralen ersetzen. Dafür braucht es Menschen mit Wissen, Erfahrung, psychologischem Gespür und strategischem Denken.
Natürlich verändert sich der Markt. Es lohnt sich nicht mehr automatisch, Anwalt zu werden. Wer fachlich schwach ist oder sich nicht spezialisiert, wird es schwer haben. Wer aber gut ist, sich weiterbildet und professionell arbeitet, wird auch künftig bestehen.
Was würden Sie jungen Juristen mit auf den Weg geben?
Reschke:
Man muss sich spezialisieren, solide Grundlagen haben und bereit sein, kontinuierlich dazuzulernen. Der Beruf ist kein 38-Stunden-Job. Er verlangt Einsatz, manchmal auch Verzicht. Aber er bietet im Gegenzug ein unglaublich vielfältiges, spannendes Arbeitsleben.
Ich persönlich würde – auch nach über 30 Jahren – nichts anderes machen wollen.
Kontakt:
Rechtsanwaltskanzlei Reschke
Borsbergstraße 7
01309 Dresden
Tel.: 0351/4418277
Fax: 0351/4418274