- Januar 26, 2026
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Dr. Sven Loose
Rechtsanwalt für internationales Familien- und Erbrecht, Partner einer Dresdner Kanzlei
Warum Spezialisierung, internationale Mandate und ein nüchterner Arbeitsstil für ihn wichtiger sind als juristische Lautstärke.
Kurzvita
Dr. Sven Loose ist Rechtsanwalt für Familien- und Erbrecht und seit dem 1. Januar 2025 Partner einer größeren Kanzlei in Dresden. Nach rund 13 Jahren beruflicher und privater Stationen in Leipzig zog er aus familiären Gründen nach Dresden. Seine Tätigkeit ist geprägt von einer konsequenten Spezialisierung sowie von zahlreichen familien- und erbrechtlichen Mandaten mit internationalem Bezug. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit ist er in der juristischen Ausbildung engagiert und wirkt an der Examensvorbereitung für Familien- und Erbrecht mit.
Warum sind Sie Anwalt geworden?
Loose: Weil der Anwaltsberuf ein sehr breites Tätigkeitsfeld bietet. Ich habe Mandantenkontakt, gehe zu Gericht, entwerfe Verträge und kann in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig sein. Andere juristische Berufe sind deutlich enger gefasst. Als Anwalt kann ich vieles verbinden – genau das hat mich gereizt.
Was für ein Anwalt sind Sie?
Loose: Ich bin Rechtsanwalt für Familien- und Erbrecht. Das sind beides Rechtsgebiete, in denen Spezialisierung entscheidend ist. Zwar bieten viele Kanzleien auch Erb- und Familienrecht an. Die wenigsten sind darauf aber wirklich spezialisiert.
Warum haben Sie sich für Dresden entschieden?
Loose: Aus familiären Gründen. Meine Frau arbeitet hier. Ich habe zuvor rund 13 Jahre in Leipzig gelebt. Während meines Referendariats in Leipzig ist meine Frau nach Dresden gependelt, später sind wir dann ganz nach Dresden gezogen.
Hat Dresden für Sie als Standort besondere Vorteile?
Loose: Ja. Dresden ist Landeshauptstadt, die Ministerien sind hier angesiedelt, der Einzugsbereich ist entsprechend groß. Für meine konkrete Tätigkeit spielt der Standort allerdings eine immer geringere Rolle.
Warum das?
Loose: Weil ich sehr viele internationale Mandate bearbeite. Ich habe Mandantinnen und Mandanten mit Bezügen zur Schweiz, zu den USA, nach Australien, Abu Dhabi oder Madagaskar. Gerade grenzüberschreitende familien- und erbrechtliche Fälle sind komplex und mit erhöhtem Haftungsrisiko verbunden – viele schrecken davor zurück. Für mich ist das fachlich sehr reizvoll.
Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?
Loose: Das kommt auf die Konstellation an. Einzelkanzleien stehen wirtschaftlich oft unter großem Druck. In größeren Einheiten mit klarer Spezialisierung kann der Beruf dagegen sehr erfüllend und nachhaltig sein – auch finanziell.
Was schätzen Sie an der Arbeit in einer größeren Kanzlei besonders?
Loose: Die Möglichkeit, hoch spezialisiert zu arbeiten. Ich möchte mich nicht in Bereichen bewegen, in denen ich nur oberflächliche Kenntnisse habe. In Einzelkanzleien ist man häufig gezwungen, sehr breit aufgestellt zu sein. Mir liegt eher das Gegenteil: enges Themenfeld und tiefgründige Bearbeitung.
Sehen Sie Alternativen für sich außerhalb der Anwaltschaft?
Loose: Nein. Ich habe während der Elternzeit darüber nachgedacht, etwa über eine Tätigkeit in der Justiz. Aber dort gibt es keine Garantie, tatsächlich in dem Rechtsgebiet zu arbeiten, das einen interessiert. Zudem ist man häufig mit sehr belastenden Fällen konfrontiert, ohne auf die Auswahl eines Einfluss zu haben. Das wollte ich für mich nicht.
Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft im Hinblick auf Künstliche Intelligenz?
Loose: KI wird viele Standardberatungen übernehmen. Der Mehrwert anwaltlicher Arbeit wird künftig noch stärker in individuellen, maßgeschneiderten Lösungen liegen. KI liefert heute schon erstaunlich gute Ergebnisse – etwa bei Testamenten. Der letzte juristische Twist fehlt aber häufig noch.
Nutzen Sie KI selbst?
Loose: Ja, aber sehr kontrolliert. Datenschutz, Verschwiegenheitspflichten und Aktualität sind zentrale Punkte. Wir prüfen derzeit KI-Lösungen von Fachverlagen, die auf gesicherte juristische Datenbanken zugreifen. Ohne diese Anbindung sind viele KI-Ergebnisse schlicht nicht verlässlich.
Wie wichtig sind Netzwerke für Ihren Beruf?
Loose: Sehr wichtig. Die wirklich lohnenden Mandate kommen häufig über Kolleginnen und Kollegen aus anderen Rechtsgebieten. Empfehlungen unter Anwälten sind zentral. Ich bin im Deutschen Anwaltverein aktiv und in den Arbeitsgemeinschaften für Familien- und Erbrecht.
Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?
Loose: Im Familienrecht gibt es oft kein klassisches Gewinnen. Der Erfolg liegt häufig in einer tragfähigen Vereinbarung. Im Erbrecht ist das anders – da macht Gewinnen durchaus Spaß. Aber es ist nicht die alleinige Maßgabe.
Wie stellen Sie sich den Ausstieg aus dem Berufsfeld vor?
Loose: Das ist hoffentlich noch sehr weit entfernt. Wenn es aber dann relevant wird, dann möglichst schrittweise durch aktives Zurücktreten in den Hintergrund: Weniger Mandate, mehr Übergabe, mehr Mentoring. Gute Nachfolge funktioniert nur mit Vertrauen und Freiräumen. Ich hoffe, das gelingt mir.
Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Loose: Wertschätzung und entsprechender Umgang mit allen Personen: Vom Housekeeping bis zu denen, die die Entscheidungen fällen.
Was war Ihr außergewöhnlichster Fall?
Loose: Ein internationaler Sorgerechtsfall mit Bezug zu Bolivien. Irgendwann erhielten wir einen Anruf des Bruders, unser Mandant sei dort in der Gefängnisstadt Palmasola inhaftiert worden. Ich habe das Verfahren in Abwesenheit des Mandanten per Videoverhandlung geführt. Technisch war das Gericht erstaunlich gut ausgestattet.
Was würden Sie an der Justiz in Deutschland ändern?
Loose: Mehr Spezialisierung bei Gerichten und eine konsequentere Digitalisierung. Es ist problematisch, wenn hoch spezialisierte Anwälte auf Richter treffen, die erst seit Kurzem in dem Rechtsgebiet tätig sind. Zudem sollte digitale Verfahrensführung flächendeckend möglich sein.
Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?
Loose: Ich würde mir einen höheren Grad an Digitalisierung wünschen, und zwar nicht nur bei der Aktenführung, sondern auch z.B. bei Personenstandsurkunden und Erbscheinen. Es ist häufig sehr aufwendig, alles in Papierform im Original per Post zu übersenden.
Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?
Loose: Das BGB regelt in den §§ 961 bis 964 den Eigentumsverlust, das Verfolgungsrecht und die Vereinigung sowie Vermischung von Bienenschwärmen… Das ist sicherlich für damit befasste Menschen sehr relevant, aber dass man dieser Thematik ganze vier Paragrafen im BGB widmet, finde ich erstaunlich.
Welche Mandanten passen besonders gut zu Ihnen?
Loose: Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie denken strukturiert, sind vorbereitet und lösungsorientiert. Termine sind oft kurz, aber sehr effizient.
Wie würden Sie Ihre Anwaltspersönlichkeit beschreiben?
Loose: Nüchtern, sachlich und präzise. Lieber gezielt mit dem Degen fechten als wild mit dem Breitschwert um sich schlagen. Ich bin kein Terrier, sondern sehe mich als Filter zwischen Mandantschaft und Gericht.
Welche Rolle spielen Vergleiche für Sie?
Loose: Eine große. Vergleiche ermöglichen Lösungen, mit denen beide Seiten leben können. Oft greife ich früh zum Telefon, um festgefahrene Situationen aufzulösen.
Kontaktdaten:
www.bskp.de/team/sven-loose