• Januar 27, 2026
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Dörte Lorenz     
Rechtsanwältin für Familien-, Sozial- und Erbrecht

Über Gerechtigkeit, Spezialisierung und die Verantwortung gegenüber Mandanten

Kurzvita

Dörte Lorenz wurde 1975 in Mittweida (Sachsen) geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie ihr Jurastudium in Leipzig und legte dort ihr erstes Staatsexamen ab. Das Referendariat folgte in Thüringen, das zweite Staatsexamen schloss sie 2002 ab. Im selben Jahr wurde sie als Rechtsanwältin zugelassen.
Ihre berufliche Laufbahn begann sie in einer Kanzlei bei Zwickau, bevor sie 2007 nach Dresden wechselte. Seit 2006 ist sie Fachanwältin für Familienrecht, seit 2016 Fachanwältin für Sozialrecht. Heute ist sie in einer spezialisierten Kanzlei tätig und berät Mandanten insbesondere im Familien-, Sozial- und Erbrecht.

Warum sind Sie Anwältin geworden?
Lorenz: Mich hat immer das Thema Gerechtigkeit interessiert. Ich wollte Menschen dabei helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Dieses Interesse war schon früh da und hat mich letztlich ganz klar in den Anwaltsberuf geführt.

Warum haben Sie sich für Dresden als Arbeitsort entschieden?
Lorenz: Das hatte vor allem familiäre Gründe. Mein Mann war beruflich in der Region tätig, unser erster Sohn wurde 2006 geboren, und so haben wir uns gemeinsam für Dresden entschieden. Es war eine bewusste Entscheidung für Familie und Beruf.

Lohnt es sich heute noch, Anwältin zu sein?
Lorenz: Das kommt sehr darauf an, aus welcher Perspektive man schaut. Rein finanziell ist der Beruf – gerade mit Blick auf den Zeitaufwand und die gesetzlichen Gebühren – oft nicht gerechtfertigt. Besonders im Sozialrecht stehen Aufwand und Vergütung häufig in keinem Verhältnis.
Wenn man den Beruf aber aus Überzeugung macht, dann lohnt er sich absolut. Man erlebt viel Dankbarkeit, kann Menschen helfen und auch gegenüber Behörden etwas bewirken. Das gibt dem Beruf einen großen Sinn.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?
Lorenz: Die Arbeit mit Menschen. Gerade im Familien- und Sozialrecht geht es nicht nur um Paragrafen, sondern um Schicksale. Es ist schön, wenn man Konflikte befrieden kann, wenn Kinder wieder zur Ruhe kommen oder Menschen gegenüber übermächtigen Behörden geholfen wird.

Sehen Sie Alternativen für sich außerhalb der Anwaltschaft?
Lorenz: Nein. Weder Justiz noch Verwaltung oder Wirtschaft kamen für mich infrage. Mir würde dort das direkte Mandantenverhältnis fehlen. Dieses persönliche Arbeiten mit Menschen ist der Kern meiner Motivation.

Wie wichtig sind Netzwerke für Ihre Arbeit?
Lorenz: Sehr wichtig. Netzwerke helfen bei der Mandantengewinnung, aber auch unter Kollegen. Wenn man selbst ein Mandat nicht übernehmen kann, ist es wichtig, gute Kollegen empfehlen zu können – fachlich wie menschlich.

Engagieren Sie sich auch ehrenamtlich?
Lorenz: Ja. Ich bin im Vorstand des 1. Dresdner Betreuungsvereins. Durch meinen Sohn, der geistig behindert ist, bin ich außerdem stark vernetzt mit Eltern, Lehrern, Therapeuten und Hilfseinrichtungen. Dieses Netzwerk ist auch beruflich sehr wertvoll.

Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?
Lorenz: Die Kommunikation verändert sich stark. Telefon- und Videoberatung haben deutlich zugenommen, auch Gerichtsverhandlungen finden teilweise per Video statt. Das spart Zeit, ist aber nicht für jeden Fall geeignet – gerade Familiensachen brauchen oft das persönliche Gegenüber.
Die Digitalisierung bringt mehr Flexibilität, etwa durch elektronische Akten. Künstliche Intelligenz wird uns unterstützen, aber nicht ersetzen. Recht ist zu komplex und zu individuell. Außerdem werden Einzelanwälte seltener, Spezialisierung wird immer wichtiger.

Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?
Lorenz: Mir ist es wichtiger, Mandanten ehrlich zu beraten. Ich sage klar, wenn etwas keine Aussicht auf Erfolg hat. Im Familienrecht gibt es bei Kindschaftssachen ohnehin kein Gewinnen oder Verlieren – entscheidend ist eine gute Lösung für die Kinder.
Im Sozialrecht ist es natürlich befriedigend, wenn man sich erfolgreich gegen Behörden durchsetzt. Aber nicht um jeden Preis.

Wie würden Sie Ihre Anwaltspersönlichkeit beschreiben?
Lorenz: Grundsätzlich ruhig, sachlich und lösungsorientiert. Ich strebe Vergleiche an. Aber wenn mich die Gegenseite ärgert, kann ich auch sehr deutlich werden und klare Grenzen setzen.

Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?
Lorenz: Ganz aufhören möchte ich nicht. Ich kann mir gut vorstellen, später ehrenamtlich beratend tätig zu sein – etwa für bedürftige Menschen oder im Bereich Betreuung. Aber bis 80 durcharbeiten möchte ich sicher nicht.

Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Lorenz: Auch hier spielt Spezialisierung eine große Rolle. Rechtsanwaltsfachangestellte mit fundiertem Fachwissen sind eine wichtige Stütze bei der Mandatsbearbeitung. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Rechtsanwaltsfachangestellten ist dabei essenziell. Eine gute und klare Kommunikation mit den Mandanten entlastet den Rechtsanwalt und schafft Freiräume für die eigentliche rechtliche Bearbeitung der Akten.

Was war Ihr spektakulärster Fall?
Lorenz: Spektakuläre Fälle sind in meinen Rechtsgebieten eher die Ausnahme. Oft spielt jedoch der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Ein prägender Fall war jener, in dem wir durch die gerichtliche Anordnung einer Grenzsperre in letzter Minute verhindern konnten, dass ein Vater das gemeinsame Kind von seiner Mutter weg und aus seinem gewohnten sozialen Umfeld in sein Heimatland brachte.

Was würden Sie in der Justiz ändern?
Lorenz: Die Schnelligkeit. Und bei manchen Richtern eine bessere Vorbereitung. Die Parteien investieren viel Arbeit – das darf man auch von der Justiz erwarten.

Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet reformieren?
Lorenz: Im Familienrecht ganz klar die Unterhaltsregelungen, insbesondere beim Wechselmodell. Eine fairere, anteilige Berücksichtigung der Betreuungszeiten würde viele Konflikte vermeiden.

Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?
Lorenz: Oft zeigt sich, dass das Gesetz formal korrekt ist, die Realität der Menschen aber kaum widerspiegelt. Im Sozialrecht kann ein paar Euro Zuverdienst die ganze Unterstützung kippen, im Familienrecht Regeln für Unterhalt den Umgang der Kinder beeinflussen, die im Alltag kaum passen, und im Erbrecht kann es vorkommen, dass komplizierte Erbfolgen oder mehrere gleichberechtigte Erben dazu führen, dass eigentlich schnell zu klärende Vermögensangelegenheiten Jahre dauern – juristisch korrekt, für die Betroffenen aber oft frustrierend.

Welche Mandanten passen gut zu Ihnen?
Lorenz: Mandanten, die Beratung suchen und offen dafür sind. Nicht diejenigen, die sagen: „Das Internet sagt aber etwas anderes.“

Kontakt:

Dörte Lorenz
Fachanwältin für Sozialrecht
Fachanwältin für Familienrecht
Rechtsanwältin für Erbrecht

 

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