Schon wieder Redaktionsschluss
Irgendwie ist bei uns immer Redaktionsschluss. Besonders fällt es mir auf, wenn ich die Einladung von Freunden wieder mit der Begründung ablehnen muss „..gleich Andruck.“ Oder wenn ich die Augenringe bei den Terminen entschuldige mit „..wer schläft schon die letzten Nächte vorm Redaktionsschluss?“
Dieses Mal war es irgendwie besonders hart. Anke und ich wissen beide nicht, woran es gelegen hat. Ich vermute, es waren die Erwartungen der anderen. Die Disy nach dem Relaunch hat „voll eingeschlagen“, wie man so sagt. Vor dieser Ausgabe im September waren wir noch relativ locker gewesen und es hatte Spaß gemacht, etwas Neues auszuprobieren. Frischer Wind, Kreativität, Experimente, Mut und ein gewisses Kribbeln. Wenn sich ein Konzept fünf Jahre bewährt hat, ist es gewagt, es zu ändern. In unserem Fall hat sich die Veränderung extrem positiv ausgewirkt. Das Magazin “ging weg wie warme Semmeln”. Unser Anzeigenleiter Hans, der seit dem Relaunch vom Kulturressortleiter in den Verkauf gewechselt ist, kam oft regelrecht euphorisch von den Terminen wieder. Kunden haben verstärkt bei uns angerufen, weil sie im Heft werben wollten. Überregionale PR-Agenturen wollten Texte und Prominente im Blatt unterbringen. Viele, viele Dresdner haben uns Themen und Geschichten angeboten, die sie passend für Disy fanden und was Aktionen betraf, haben sich die Organisationen versucht gegenseitig vor unserer Tür wegzuschieben. Irre! Wir hatten sogar Kunden, die uns doppelte Preise für Inserate zahlen wollten, nur dass wir diesen und jenen Mitmenschen oder Mitbewerber nicht mehr im Heft abbilden.
Selbst das Goethe-Institut hat sich gemeldet, um weltweit für die Deutschprüfungen Texte aus Disy verwenden zu dürfenn. Die Pressepost hat Interviews geführt über die Pläne von Disy, überregionale Zeitschriften haben angefragt, um Geschichten von uns zu übernehmen wie zum Beispiel das letzte Interview mit Hans Stern. Die Zeitschrift „Prinz“ hat mich auf dem Titel als „Promi der Stadt“ bezeichnet (ich finde Prinz ist ein wunderbares Magazin für die junge Zielgruppe:-)) Außerdem haben wir in unseren Statistiken festgestellt, dass das US-Militär unser homepage überwacht hat und der Disy-Wirbel geht so weit, dass der „Verlag für die Frau“ die Disy-Serie (bzw. den brigitte.de – Blog) zur Buchmesse im März als eigenständigen Titel „Einmal um die Welt, bitte.“ auf den Markt bringen wird.
Kein Wunder also, dass der Druck ganz schön groß war, der auf Anke und mir bei der Dezemberausgabe gelastet hat. Es ging nicht darum, so gut zu sein wie beim letzten Mal. Unser Anspruch, den wir im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben, ist, mit jedem neuen Heft noch „eins drauf zu setzen“ – es also noch mal zu steigern. Tolle Sache, wenn man wie schon mal erwähnt, den doppelten Seitenumfang hat, aber nicht mehr Personal. Na, jedenfalls hat sich der Redaktionsschluss schier ewig hingezogen. Zum Schluss habe ich aller paar Stunden ein oder zwei Einzelseiten zur Korrektur bekommen, die ich dann wieder abgegeben habe, wobei ich in der Zwischenzeit wieder neue Seiten von vorher hatte und bei der Übergabe schon wieder neue, vielleicht noch den mittleren Teil eines Interviews, dessen Anfang und Ende ich schon vor zwei Wochen gelesen hatte. Das Ding war, dass die Seiten immer schnell zurück mussten und so war ich über all diese Tage hinweg immer in Bereitschaft, um sofort zu reagieren. Zum Schluss habe ich dann nur noch gelacht. Anke hat in ihrer gewohnt ruhigen Art erleichtert gestöhnt, wenn die Layouts Anklang gefunden haben und zum Schluss ist die „Verrückte“ auch noch freiwillig nach Tschechien gefahren, um beim Andruck dabei zu sein. Was übrigens zu einer Zeit stattfand, als ich für Louisas Schule eine Schüttelkiste bastelte, die sie für Mathe brauchte. Dass ich nachts um vier oder um fünf Schulbrote schmiere, ist ja noch zu verkraften. Aber Schüttelkisten aus Streichholzschachteln basteln? Nicht nur die Ansprüche unserer Leser und Kunden sind hoch, was die Disy betrifft. Auch die Ansprüche der Lehrer an die Eltern sind heftig, was Dinge beinhaltet wie: „Besorgen Sie drei frische Paprika“ oder „Stopfen Sie Kissen mit gesammelten Eicheln“ oder „Geben Sie Ihrem Kind eine dicke Socke mit“. Schulaufgaben für die Kinder gibt es viel seltener als für die Eltern – so scheint es zumindest einer Mutter im Redaktionsschluss. Und da wir morgens eh im Dunkeln aufstehen müssen, um das Kind pünktlich in der Schule zu haben, braucht man eben oft gar nicht ins Bett zu gehen.
Letztlich ist die Zeit des Redaktionsschlusses, nun man könnte sagen, recht anstrengend. Aber andererseits lieben wir gerade deshalb unseren Job so sehr, denn wir sind bei jeder neuen Ausgabe mindestens genauso gespannt wie die Leser, was denn nun draus geworden ist – aus der neuen Disy. Spannung…
