MOBBEN IM INTERNET oder EIN GEFUNDENES FRESSEN
DAS IST EIN BEITRAG VON HAPPYSINGLEMOM AUS NEW YORK
Es ist so aehnlich wie in der Schule und auf Arbeitsstellen und wo sonst noch Mobben im RL stattfindet: Vor allem in der Schule! Es sind immer diejenigen, die sich mit den In-Gruppen identifizieren — oder gerne identifizieren wuerden — die ein gewisses Gefuehl von Zugehoerigkeit und Zusammenhoerigkeit brauchen zum Ueberleben, aber ohne ein richtiges Ziel zu haben auf das sie sich als Gruppe konzentrieren koennten.
Was tut man dann? Man identifiziert Ausenseiter bzw. ernennt Menschen, die andere Ideen, andere Vorstellungen, andere Lebensfuehrungen, andere Erfahrungen haben und ernennt sie zum Feind. Wenn diese Ausenseiter dann ihr Anderssein auch noch schamlos heraushaengen lassen, ja, es zur Schau stellen anstatt sich schein-anzupassen, dann hat man sein Fressen gefunden. Und weil die Aussenseiter meistens in der Minderheit sind und die Gruppentiere in der Mehrheit, fuehlen sich die Gruppentiere stark. Sie sind ja die “Guten”, die “Richtigen”. Und wenn sie den Ausenseiter gnadenlos mobben, dann ist das ja ok, denn es geschieht im Namen des “Guten”. “WIR” repraesentieren die Normalitaet, und “DU” weichst davon ab. Du erinnerst uns daran, dass wir vielleicht auch andere Seiten haben, die wir nur unterdruecken. Du bist unbequen. Dich wollen wir nicht.”
Nun findet das im RL (vor allem in Schulen und merkwuerdigerweise in Deutschland auch oft auf Arbeitsplaetzen, wenn man dem, was man liest, so glauben kann) ziemlich oft statt. Der Mensch verstaerkt seinen eigenen Status in der Gruppe, erntet sich Beifall und “Liebe” von seiner Gruppe. Wenn man einen Ausenseiter identifiziert hat, hat man ploetzlich einen ZWECK. Man staerkt seine Identitaet mit der Gruppe, indem man ganz klare Regeln setzt, wer NICHT dazu gehoert!
Nun wollen die meisten Ausenseiter ja gar nicht zu diesen “Normalo” Gruppen gehoeren. Sie haben sie in der Regel durchschaut, ihre Verlogenheit, die Angst ihrer Mitglieder davor, Individuen zu sein. Ihre Angst, ihre Verlogenheit oeffentlich blossgestellt zu bekommen. Auch die Selbstaufgabe der Mitglieder im Namen der Gruppenzugehoerigkeit. Ein Aussenseiter durchschaut all das. Und macht manchmal kein Geheimnis daraus. Haelt den Gruppentieren einen Spiegel vor. Der Aussenseiter strahlt eine GEWISSE GEFAHR fuer die Gruppe aus. Zumindest eine GEFUEHLTE Gefahr!
Wenn man sich dann nicht in der Schule, sondern in der Anonymitaet des Internets befindet als Gruppe, also sich zu den “Guten”, “Normalen”, “den ungeschriebenen Regeln und Gesetzten des Zusammenlebens folgenden” zaehlt, und ploetzlich kommt ein Aussenseiter da durchgetrampelt wie ein Elefant im Porzellanladen, dann fallen auch die letzten Hemmungen weg. Und es ist viel angestaut, weil man nach vorne so “ANGEPASST” ist!
Man faellt schamlos ueber den Ausenseiter her, ist ja alles anonym, aber vor allem ist man als MEHRHEIT, eine Mehrheit die auch noch die GESELLSCHAFTLICHEN NORMEN repraesentiert, schliesslich IM RECHT! Wenn sich der Ausenseiter nicht vertreiben laesst, was tut die Gruppe?
Meistens lassen sich die Ausenseiter vertreiben und finden Menschen, die die Welt so aehnlich wie sie selbst sehen. Aber wer wuerde dann den Normalo-Gruppen noch einen Spiegel vorhalten? Manche Ausenseiter finden es wohl zu langweilig, ausschliesslich mit ihresgleichen herumzuhaengen. Wo sowieso schon jeder die gleichen Meinungen hat — keine Reibungspunkte. Und die “Normalo” Gruppen wuerden nichts lernen. Dennoch muessen Ausenseiter weiter mit ihnen leben. Anpassen ist keine Option. Muss man sich deswegen mobben lassen? Anscheinend ja. Zumindest dort, wo’s anonym ist.
PS. Welche Sorte Mensch fuehlt sich von “Normalo”-Gruppenzugehoerigkeit angezogen? Oft solche, die innerlich sehr unsicher sind, eine Identitaet suchen, und sich durch Gruppenzugehoerigkeit zu stabilisieren suchen.
Kommentar von HappySingleMom | 10. Oktober 2007 | 13:37 Uhr
