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Frech siegt

DAS IST EIN BEITRAG VON MERLE

Dresden am letzten Wochenende: Stadtfest mit dem groß angekündigtem Fürstenzug. Als Neu-Dresdnerin mache ich mich, mit dem Fotoapparat ausgerüstet, auf den Weg in die Innenstadt. Gutes Wetter, gute Laune, ich bin zufrieden an diesem Sonntag. Weil ich mich beim Programm in der Uhrzeit geirrt habe, stehe ich Punkt 13 Uhr am Theaterplatz. Und das ist gut so. Entlang des Bürgersteiges formieren sich nämlich schon die Fürstenzug-Gucker und ich stelle mich dazu…

Glücklicherweise habe ich etwas zum Lesen mit und zum Erblicken ringsherum gibt es ja auch einiges. Die Reihen verdichten sich und ich bin froh, dass ich meinen Platz sicher habe. Aus purer Selbstlosigkeit lasse ich ein etwa 10-jähriges Mädchen aus Schwaben vor mich, damit auch sie etwas sehen kann. Langsam wird es eng. Zum Stehen bleibt nicht mehr als wirklich die zwei Fuß breit. Vor mir postieren sich auf der Straße zwei Kamerafrauen. Sie verdienen Geld damit, ist die Antwort auf die Frage eines neben mir Stehenden, warum sie sich mitten auf die Straße und vor uns stellen. Kurz vor 13.30 Uhr vermehren sich die Diskussionen zwischen Rentnern und dazu Gekommenen. Der Ton wird rauer und ich kann kaum noch auf die Straße sehen. Wieder einmal verfestigt sich die Einsicht „frech siegt“. „Ruhig bleiben“, sage ich mir, es geht ja gleich los. Doch Pustekuchen, wir warten und warten und warten. Irgendwann tritt ein Kostümierter auf die Bühne an der Augustusbrücke und verkündet, dass der Fürstenzug in diesem Jahr nicht am Theaterplatz vorbei geht, sondern direkt an der Elbe. Diejenigen, die ihn akustisch verstanden haben, sprinten los. Ätsch, eine halbe Stunde umsonst in der Hitze gestanden. Und auch an der Elbe geht das Warten weiter. Schubsen und Drängeln inklusive. Endlich, lange nach dem angekündigten Start, beginnt der Zug. Schön kostümiert ziehen Pferde und Fürsten an uns vorbei. Mehrere Pferde sind nervös und ein Reiter ruft und zu, dass die Pferde wegen den in den Seilen hängenden und Trampolin springenden Kindern im Hintergrund scheuen. Doch keiner gibt dem Betreiber Bescheid. Keiner verlässt seinen mühsam ergatterten Platz oder sagt zumindest etwas weiter. Ärgerlich drängle ich mich durch die Leute und der Betreiber hält die Anlage an. Wieder zurück auf meinem Platz (ja, den habe ich mir erkämpft!!!) ist der Zug auch fast schon vorbei und das Gedränge geht in die andere Richtung los. Meine gute Sonntagslaune ist purer Erschöpfung gewichen. Wasser, bitte ein Wasser…

21. August 2007 08:55

Anja Fliessbach | 31. August 2007 | 01:13

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