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Tahiti -Iti

Die Sache mit den Umzügen an Bord hat nun wirklich schon etwas von Loriots Sketchen oder von "Versteckter Kamera". Liebe Leute, ihr müsst unbedingt alle auf dieses Schiff kommen, es ist traumhaft. Ihr müsst unbedingt wenigstens einmal im Leben eine Weltreise machen. Aber, ihr Lieben, bucht lange genug im Voraus, damit ihr eine Kabine bekommt, die ihr durchgängig behalten könnt…

Zu der Frage in euren Kommentaren, warum das mit den Umzügen sein muss: Es liegt an der Verfügbarkeit der Kabinen. Als ich mich für diese Reise entschieden habe, war schon fast alles ausgebucht. Die Schiffsleitung erklärt, dass die anderen Passagiere ihre Kabinen aus bestimmten Gründen gebucht haben und nicht in eine andere der gleichen Kategorie wollen. Also ist es mit den Kabinen wie bei einem Puzzlespiel - man nimmt das Teil, das gerade passt. Wer meine Einträge schon eine Weile liest, erinnert sich bestimmt daran: Ich hasse Puzzle.

Wie der Umzug dieses Mal konkret abgelaufen ist, hebe ich mir mal für meine spätere Biografie auf. Jedenfalls hat die Hoteldirektorin uns eine noch schönere Suite ausgesucht gehabt, als wir ursprünglich gebucht hatten. Dafür nehmen wir nun freiwillig in Kauf, dass wir beim nächsten Passagieraustausch in Osaka wieder umziehen. Weil es so schön ist - Umzug Klappe 4.

Die Junior-Suite, in der wir jetzt wohnen, ist ein Traum. Ein noch schönerer Balkon als bei unserer letzten Kabine, große Panoramafenster, viel Platz, hell, freundlich, große Betten wie im Hotel mit tollen Matratzen, einer großen Badewanne wie zu Hause und halb sechs bringt die Zimmerfrau Häppchen. Ich kenne wegen meines Berufes viele Hotels in der ganzen Welt, hatte bis auf das Burj Al Arab in Dubai (das würde ich mir auf dieser Reise anschauen) eigentlich alle berühmten Häuser besucht. Deshalb kann ich auch aus gutem Gewissen sagen, diese Suite ist toll. Sie ist zart und zurückhaltend und lebt von diesem unglaublichen Ausblick auf das Meer, Sonnenunter- und Aufgänge, Inseln und Weltmetropolen. Es ist wie man sich früher Panoramatapete mit Naturmotiven in die Wohnung geklebt hat, mit dem Unterschied: Alles ist echt.

Zurzeit blickten wir immer noch auf die Kulisse von Papeete. Die Freunde, mit denen wir auf dem letzten Abschnitt zusammen gewesen waren, befanden sich schon auf dem 24-Stündigen Rückflug über Los Angeles und Paris. So wurde uns bewusst, wie weit weg wir eigentlich gerade von zu Hause waren. Fast am anderen Ende der Welt eben. Der Abschied war insofern wieder schlimm, als dass die Freunde, die blieben und an Bord arbeiteten, gerade auch viel zu tun hatten. Also für uns weder Zeit noch Nerven (Nein, es lag nicht an meinem Eintrag "Champagner im Regen").

Also erkundeten Louisa und ich die Insel zu zweit. Tahiti ist mit 1000qkm und über 130.000 Einwohnern die größte Insel in Französisch-Polynesien. Schon 1768 war der französische Forscher Louis Antoine de Bougainville hier gelandet.

Als wir durch Tahitis Hauptstadt Papeete streifen, genießen wir die Hektik und den Trubel nach all den beschaulichen und ruhigen Inselchen, die wir in den letzten Tagen besucht hatten. Wir kaufen Geschenke und neue Kleider für Louisa. Nach der Weltreise wird sich Oma Ina zu Hause wundern, wir groß ihre Enkelin in fast fünf Monaten geworden ist. Mit der Oma telefonieren wir eine Weile aus einer warmen Telefonzelle, bevor wir uns einen Lunch im überfüllten MC Donalds gönnen. Nach der Natur pur empfinden wir die Burger und Pommes als Luxus - immer das, was man gerade weniger hat.

Etwas ruhiger wird es außerhalb der Stadt. Der Dschungel im Inneren der Insel ist so urwüchsig, dass man nur schwer hinein kommt. Der erloschene Vulkan Ohorena überragt mit seinen 2200m die Landschaft. Die zwei Inseln aus denen Tahiti besteht, Tahiti-Nui und Tahiti - Iti, sind durch eine Landenge verbunden. Besonders schön ist eine Fahrt um die Insel Tahiti Nui - 120km holperige Straße und man ist drum herum.

Wir sind, wie schon erwähnt, drei Tage auf Tahiti. Zeit genug, das Grab von König Pomare V. zu besichtigen, dem letzten König Tahitis. Die Urne auf seinem Grab wird von den Einheimischen als Schnapsflasche bezeichnet. Der König starb an Trunksucht. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es sonst nicht. Erwähnenswert ist noch das Arahoho Blowholes, Wasserfontainen, die mit großem Druck aus dem Gestein schießen. Nett sind auch die Maraa Grotto - kleine Grotten mit Wasserfällen zum Baden.

Sehr schade war, dass wir das Musée Gauguin nicht besichtigen konnten, weil es am Wochenende geschlossen ist. Paul Gauguin kam 1891 nach Tahiti und malte in dieser Gegend 60 Bilder. Oft stand seine polynesische Frau Teha´amana dafür Modell. Doch hier auf Tahiti existieren keine Originale mehr, nur Reproduktionen. Gauguin starb mit 55 Jahren an Syphilis auf Hiva Oa (gehört zu den Marquesas), wohin er übergesiedelt war.

Eigentlich wollte wir auch noch welche von den typischen schwarzen Perlen kaufen, die es im Tahiti Perles Centre gab und wo man sehen konnte, wie die berühmten Perlen gezüchtet wurden. Aber auch drei Tage gehen schnell vorbei. Vielleicht auf einer anderen Insel.

Am Abend lief die "MS Amadea" wieder aus und an Bord gab es Sekt und ganz eigenartigen Fisch  -mehr dazu in den nächsten Tagen.

Anja Fliessbach | 17. Februar 2007 | 23:48

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