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Disy weblog » Gefährliche Korallen und verhängnisvolle Partys

Gefährliche Korallen und verhängnisvolle Partys

Würde es unser Kapitän schaffen? Die Passagiere standen gespannt an der Spitze der "MS Amadea" und verfolgten das Manöver. Wir hatten tagsüber vor Rangiroa auf Reede gelegen. Die Insel lag im größten Binnenmeer der Welt innerhalb eines Korallenringes. Nur einen kleinen Durchgang gab es zum offenen Meer mit Untiefen und Strömungen - da mussten wir durch…

Img_0545 Die Tuamotu Inseln, zu denen Rangiroa gehört, nannten die Seefahrer früher nur "Dangerous Islands" - gefährliche Inseln. Das Archipel liegt 300km östlich von Tahiti und ist die Inselgruppe mit den meisten Atollen in der Südsee. Ein Atoll ist eine flache, ringförmige Koralleninsel. Das Archipel der Tuamotus ist die größte geschlossene Inselgruppe in der Region mit 80 Inseln, 45 bewohnten Atollen und einer Größe wie Mitteleuropa. Die meisten dieser Inseln sind mit einem lückenlosen Korallenring umschlossen, nur 31 haben solch eine schmale Öffnung und einen Durchgang durch das Riff, durch das wir jetzt fahren.

Der Kapitän wartet bis der Wind sich etwas gelegt hat, fährt einen großen Bogen und muss mit einer genau kalkulierten Geschwindigkeit durch die Enge fahren, um nicht von den Strömungen und Untiefen beeinflusst zu werden. Als wir die kleine Lücke sicher passieren ist es, als könnten wir links und rechts die Palmen berühren. Delphine begleiten unser Schiff. Geschafft.

Weil die Korallenriffe kaum zu sehen sind vermieden die Seefahrer früher die Tuamotus. Bis in die heutige Zeit gilt das Archipel als das gefährlichste Seegebiet der Welt.

Img_0539 Die Passage haben wir gut geschafft, aber ein paar Schäden wegen den Korallen haben wir doch zu beklagen. Ein Tenderboot, das immer wie ein Taxi zwischen der vor Anker liegenden "MS Amadea" und dem Land hin und herfährt, ist aufgelaufen und beschädigt worden. Die Schraube hat es erwischt und ein paar Halterungen. Der Img_0541Sicherheitsoffizier studiert beim Auslaufen etwas ratlos die Seekarte, wo der Weg des Bootes eigentlich genau eingezeichnet ist. "Wahrscheinlich nur eine kleine Unkonzentriertheit des Fahrers", analysiert er. Die Matrosen reparieren die Schäden.

Img_0585 Auf dem Schiff macht sich langsam Aufbruchstimmung breit. Am Abend steht schon wieder eine Abschiedsgala an. Der dritte Abschnitt unserer Weltreise neigt sich dem Ende und die Passagiere, die aussteigen müssen, werden langsam traurig. "Ich würde sonst etwas geben für eine Verlängerung der Reise", so unsere Freundin Angelika, Mutter von vier Kindern und Ex-Model mit Haus in Spanien. Wenn die Stimmung am Tiefpunkt ist hilft was? Genau, eine richtige Party. Und wie immer kann man eine tolle Fete nicht wirklich planen. Die spontansten Geschichten sind die besten.

Img_0630 Und so kam die Party-Stimmung plötzlich als wir draußen am Pool saßen. Zur Einstimmung auf den nächsten Tag in Bora Bora spielte DJ Jean Jacques das berühmte "Bora, Bora, hey" und alle Arme gingen nach oben. Ich liebte dieses Lied, brachte es doch die Südsee-Stimmung perfekt zum Ausdruck. Außerdem war es Kult. So wie man in Singapur im Raffles sitzen und den Singapur Sling trinken musste, so musste man auf dem Weg zu und von Bora Bora die Hände zum Himmel strecken, die Bewegungen der Palmen nachahmen und laut mitsingen.

Img_0610 Am Nebentisch saß ein Hochzeitspaar, das gerade an Bord symbolisch geheiratet hatten. Sie waren so überschäumend vor Liebe, Herzlichkeit und Euphorie - das es mich wärmte, sehnsüchtig machte, ansteckte und euphorisierte. Einmal in Stimmung, wollte ich feiern. Die anderen mussten mitmachen und siehe da, es war, als hätten alle darauf gewartet. In meinem nächsten Leben werde ich Animateur. Ein schöner Job, anderen eine schöne Zeit zu bescheren und selbst einen Riesenspaß Img_0643zu haben. Schade, dass das die Reiseleiter an Bord nicht auch alle so sehen. Aber zumindest sieht es der Küchenchef so. Er gab dem Hochzeitspaar und allen, die zu der späten Stunde Img_0636noch  an Deck saßen ein paar Runden aus, nahm das Mikrofon zur Hand, legte Musik auf und ließ statt Essen dieses Mal die Party "kochen". Ich assistierte indem ich die Polonaise anführte und während ich wild mit den Armen wedelnd 50 Leute an meiner Schulter hängend hinter mir herzog dachte ich, es gibt eben für alles ein erstes Mal. Es war die schönste Party bisher. Das Hochzeitspaar war happy. Ein gemeinsames Leben musste einfach toll werden, wenn es so ausgelassen, frei und fröhlich begann. Alle Gute.

PS: Eine durchfeierte Nacht wird einem in dem Moment zum Verhängnis, wenn man am nächsten Tag ein Boot auf Bora Bora gemietet hat. Wie die Sache ausgeht - morgen.

Musiktipp zur Stimmung: Zucchero, Titel: Cosi Celeste

Anja Fliessbach | 13. Februar 2007 | 10:21

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