WordPress Datenbank-Fehler: [Table 'd003652d.kas_wp_comments' doesn't exist]
SELECT MAX(comment_ID) FROM kas_wp_comments

Disy weblog » Meine vielen Männer

Meine vielen Männer

Gäbe es eine Hitliste der Fragen, die mir auf dem Schiff am meisten gestellt werden, stünden die zum Thema "Männer" ganz oben. "Wo ist denn Ihr Mann?" interessiert die Leute als erstes. "Wie, Sie haben keinen?", kommt als nächstes. Aber Nummer eins ist ungeschlagen: "Ihr Mann ist doch der …" …

Auf so einem Schiff haben die Menschen Zeit. Man sieht sich jeden Tag, beobachtet, spekuliert, klatscht und tratscht. Das Schwatzen über andere Leute ist neben dem Shuffleboard und Bingo wohl die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Passagiere. Meine Tochter und ich sind dabei eine lohnende Zielscheibe. Relativ jung, allein und dann das Kind? Das kann nicht sein! Wenn sie dann noch erfahren, dass wir nicht wie sie nach zwei Wochen wieder abreisen, sondern bis zum 1. Mai auf dem Schiff bleiben und die ganze Weltreise mitfahren, ist das Maß voll. Louisa hat eine herzige, unbefangene Art zu erzählen, dass das ja schon unsere zweite Weltreise ist. Dabei kann ich mich königlich amüsieren ob der Mienen, Blicke und offenen Münder. Man kann spüren wie die Köpfe die möglichen Erklärungen durchrattern. Ein Drittel dichtet mir einen reichen und beschäftigten Mann zu Hause an. Der große Rest verheiratet mich mit Männern, die an Bord arbeiten. Vom deutschen Kapitän bis zum indischen IT-Manager, vom französischen Reiseleiter bis zum belgischen Künstlerchef, vom österreichischen Chefkoch bis zum bayrischen Kreuzfahrtleiter war schon alles an Vorschlägen dabei. Nun, wenigstens trauen die Leute mir einen gewissen Geschmack zu. Auf der ersten Weltreise haben mich diese Dinge unglaublich genervt, manchmal auch gekränkt oder verletzt. Heute ist meine Standartantwort: "Gute Idee. Ich werde ihn in meinen Katalog mit aufnehmen."

Allein mit Kind um die Welt? Aus eigener Kraft? Das glaubt kein Mensch. Warum eigentlich? In meinen Augen ist es nun bei unserer zweiten Weltreise schon fast eine Selbstverständlichkeit. Die Reise ist schön, überwältigend und traumhaft – klar. Aber so eine ungewöhnliche Sache, dass keine andere Mutter das allein machen könnte, ist es nicht. Ich hatte auch mal nichts und nun bin ich hier. Und bei mir ist keiner zu Hause vorbei gekommen und hat gefragt: "He, habt ihr zwei Lust auf eine Weltreise zu gehen. Da ist sie, ein Geschenk." Blödsinn!

Die Diskussion über den Beitrag "Danke für alles, Mama." habe ich erwartet. Für einige Menschen ist Kind gleich Krankenschein. Ruhiger treten, zu Hause bleiben, Türen zu. Vielleicht darf man sogar einmal spazieren gehen oder zumindest vom Fenster aus das Leben auf der Straße beobachten. Aber Firmen gründen, Arbeitsplätze schaffen, Partys feiern, auf Weltreise gehen, das Leben genießen – das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Das geht doch gar nicht!

Und so kommen zu der Hitliste der Fragen auf dem Schiff: "Wie alt sind Sie überhaupt? Oh 32 und da können Sie beruflich einfach so weg? Oder haben Sie gar keinen Beruf?"

"So eine Kreuzfahrt ist nichts für Kinder. Haben Sie sich das vorher nicht überlegt?"

"Hat das Kind denn keinen Vater?"

"Sagen Sie, haben sie die Reise gewonnen?"

"Können Sie sich das hier überhaupt leisten?"

Diplomatische Umschreibungen spielen dabei keine Rolle. Knapp, direkt und mitten ins Herz. Aber wie gesagt, auf unserer zweiten Weltreise bin ich nun schon abgehärtet. Im Gegenteil, wenn ich gut drauf bin (ihr erinnert euch an die emotionalen Auf und Abs), mache ich mir einen Spaß aus der Sache und provoziere auch mal gern. Ich merke genau, wenn ich unter Beobachtung stehe, was auf dem Schiff fast ständig der Fall ist. Dann helfe ich sozusagen dem Animationsteam der "MS Amadea" und gebe Öl in die Flammen der Spekulationen. Das braucht nur ein gemeinsames Gespräch im Gang, ein Tanz oder ein Kaffee in Harry´s Bar sein. So haben die Passagiere neben der Teestunde und der Reling-Gymnastik noch ein bisschen mehr Spaß und Spannung an Bord.

Musiktipp zur Stimmung: Virginia Jetzt! Album "Anfänger", Titel: "Du musst dahin, wo´s weh tut"

Anja Fliessbach | 4. Februar 2007 | 22:21

WordPress Datenbank-Fehler: [Table 'd003652d.kas_wp_comments' doesn't exist]
SELECT * FROM kas_wp_comments WHERE comment_post_ID = '53' AND comment_approved = '1' ORDER BY comment_date

14 Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Einen Kommentar hinterlassen

Disy das regionale Frauenmagazin

  • Disy
  • Disy men
  • Disy SOLO
  • Disy Familie
  • Disy Kids
  • Disy TV
  • Disy im Radio
  • Disy Rostock
  • Weltreise-Blog
  • Alle Disy-Seiten
     
  • Partner
  • Kontakt
  • Impressum