Vielen Dank für alles, Mama
Es war ein warmer Abend irgendwo zwischen der Robinson Crusoe Insel und der Osterinsel. Meine Freunde warteten an der Jupiter Bar auf mich draußen am Pool. "Geh ruhig, Mama. Ich schlafe", sagte meine Tochter in der Kabine. Ich küsste sie: "Danke, Schatz. Danke für alles."
Ich hatte wie fast immer einen schönen Abend auf Deck. Einen intensiven Abend mit tollen Menschen, Gesprächen, Stimmung und Tanz. Hätte ich nicht so viel Glück mit meiner Tochter, hätte ich in der Kabine bleiben müssen. Dann hätte ich diesen und jenen Menschen nicht treffen können, hätte viele Dinge nicht erlebt. Generell könnte ich nicht so intensiv leben. Dafür bin ich meinem Kind dankbar und das sage ich ihr. Und mein Kind?
Am nächsten Morgen, wir saßen wieder auf unserem herrlichen Balkon zum Frühstück, kam meine Tochter auf meinen Schoß und umarmte mich herzlich. "Es war schön, Mama, was du gestern Abend gesagt hast. Ich wollte dir auch noch sagen: Danke für alles, Mama."
Ist das nicht der Hammer? (Hoppla, das Wort habe ich noch nie vorher gebraucht…) Ist das nicht ein Superkind? Nun, meine Reaktion brauche ich nicht beschreiben. Das kann sich jeder vorstellen. Mein Kind ist toll.
Als sich Louisas Vater nach ihrer Geburt für ein anderes Leben entschied, unsere Beziehung hatte sieben Jahre gedauert, dachte ich, mein Leben sei zu Ende. Ich saß in einer leeren Wohnung, hatte keinen Mann mehr, keine Freunde, keinen Job, kein Auto – dafür aber plötzlich ein Kind. Ganz ehrlich? Ich dachte, mein Leben sei zu Ende. Wie sollte ich wieder fliegen können? Nicht, dass ich mein Kind als zu schwer empfand. Ich hatte einfach die Verantwortung, dass sie nicht abstürzen würde bei meinen Fliegereien. Nie hätte ich gedacht, dass sie selbst ein aufgeweckter und kräftiger kleiner Spatz wird, der munter einfach mitfliegt. Im Gegenteil, manchmal ist sie mir voraus.
Louisa ist ein herzlicher Mensch, der eine unglaubliche Sensibilität für andere hat. Sie will, dass die Leute glücklich sind ohne dabei ihr eigenes Glück zu vernachlässigen. Oft beobachte ich sie und versuche von ihr zu lernen. Von ihrer klaren Logik, dem Instinkt für Charaktere und Situationen, der vorbehaltlosen Herzlichkeit und wohldosierten Scheu. Sie kennt auf dem Schiff definitiv mehr Menschen als ich und erzählt mir abends beim Essen, was sie sich mit wem unterhalten hat. Manchmal kommt ein: "Ich vertraue dem nicht…" Ich kann bei dem Menschen keinen Angriffspunkt finden. Ein paar Tage später stellt sich heraus, mein Kind hatte Recht.
Louisa hat sich ihr Leben auf dem Schiff weitestgehend selbst eingerichtet. Am liebsten ist sie bei Rupert Kien, dem Chefkoch, in der Küche. Einmal kocht sie mit Hilfe ein eigenes Menü, dann ist sie fleißig beim Aprikosen - Marmelade- Einkochen, ein anderes Mal rührt sie Eierkuchenteig. Oder sie geht nur auf einen Schwatz ins Office.
Dann sitzt sie bei Sandra im Beautysalon und unterhält sich stundenlang mit der Friseurin und den Künstlern, die dort gestylt werden. Sie empfiehlt ihnen den Film "Wilde Kerle 3", den sie Reiseleiterin Soraya auch schon mal auf DVD ausgeliehen hat. Mit Reiseleiterin Güli bastelt sie Puppen und den Rock´n Roll - Lehrer, der auf dieser Etappe an Bord ist, hat sie auch becirct. "Mama. Ich muss heute zum Training. Akrobatik üben." Demnächst wird sie in der Atlantik-Lounge mit dem Tanzpaar zusammen auftreten.
Sie kennt die Mädels von der Showtruppe und lässt sich manchmal von ihnen
schminken oder sie schaut bei den Proben zu. Sie sitzt neben Passagieren, die Schach spielen und beobachtet jeden Zug und sie schwatzt und schwatzt und schwatzt. Mit Omas und Opas, Kellnern und Bandmitgliedern, Passagieren oder dem Kapitän. Werner Detampel durfte sie auf der Brücke besuchen, Kreuzfahrtleiter Christian Adlmaier bei der Arbeit zusehen. Inzwischen hat Louisa sogar einen kleinen Garten. Vier Blumentöpfchen stehen im Jamaica-Raum und werden von ihr jeden Tag gegossen. Kurz: Louisa hat ein tolles Leben auf dem Schiff, das durch Schwimmen im Pool, Tischtennisspielen mit Mama, Schnorcheln in der Südsee oder Geschichten und Legenden fremder Länder vor Ort abgerundet wird.
Außerdem lernt sie Freunde auf der ganzen
Welt kennen, sieht Tiere vom Elefanten bis zum Krokodil in der Natur und hat sich mit den Wellen, wie sie es nennt, "befreundet". Zu meinen Interviews und Terminen kommt sie meistens mit (Fotos mit Hans Stern).
Doch das Schönste für uns zwei ist es, Arm in Arm auf dem Balkon zu sitzen und zwei Stunden zu frühstücken, zu kuscheln, die Wolken-Figuren zu betrachten und uns anzulächeln und zuzuzwinkern. "Give me five, Mama. Danke für alles."
Musiktipp für die Stimmung: Album California Clan 2, "Little One" von Adlai Alexander
