Mit EKG im Schlaf eine Depression vorhersagen?

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Während wir schlafen durchlaufen wir mehrere Schlafstadien:Wachzustand, Non-REM-Schlaf, zu dem der Leicht- und Tiefschlaf zählt und REM-Schlaf, der auch Traumschlaf genannt wird. Es wird vermutet, dass während dieser Schlafphase erlebte Situationen verarbeitet und aufgenommene Informationen zum Teil im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Thorsten Mikoteit, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max Planck Institut für Psychiatrie in München, untersucht in der Forschungsgruppe von Prof. Axel Steiger, welche Schlaf-EEG-Parameter sich als Biomarker der Depression eignen.

 

Ca. 30 Prozent unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Entgegen landläufiger Meinung ist das Gehirn im Schlaf keineswegs in einem Ruhezustand. Im Gegenteil, abgeschirmt von Sinnes-und Umwelteindrücken regeneriert sich das Gehirn im Schlaf aktiv. Verschiedene durch Hirnstrommessungen klar unterscheidbare Schlafstadien scheinen unterschiedliche Funktionen zu haben. Der sogenannte REM-Schlaf, der durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet ist (engl. rapid eye movement), scheint für das Träumen und die Verarbeitung von Gefühlen von besonderer Bedeutung zu sein. Sohat man herausgefunden, dass der REM-Schlaf bei Menschen mit Depressionen besonders intensiv ist. Die Intensität der Augenbewegungen im REM-Schlaf (= REM-Dichte) eignet sich dazu, Depressivevon Gesunden zu unterscheiden. Darüber hinaus lässt sich mit dieser biologischen Messgröße auch das Depressionsrisiko von Gesunden einschätzen.„Auf der Suche nach weiteren biologischen Risikomarkern für Depressionen haben wir uns nun die Beobachtung zu Nutze gemacht,dass sich die Schlafstadien in mehr oder weniger großen Unregelmäßigkeiten des Herzschlages, der sogenannten Herzratenvariabilität,widerspiegeln. Anhand der Herzratenvariabilität, die mit einfachem Aufwand aus jedem EKG zu berechnen ist, lässt sich REM-Schlaf sehr gut identifizieren. Daher haben wir uns die Frage gestellt, ob sich das Depressionsrisiko einer Person auch anhand der Herzratenvariabilität im REM-Schlaf bestimmen lässt“, beschreibt Thorsten Mikoteit die Herangehensweise. Die Ergebnisse zeigen, dass sich unbehandelte Depressive sehr deutlich anhand der Herzratenvariabilität im REM-Schlaf von Gesunden unterscheiden.Wenn eine Depression erfolgreich behandelt wird, normalisiert sich die Herzratenvariabilität im REM-Schlaf nicht. Vielmehr scheint die Herzratenvariabilität im REM-Schlaf ähnlich wie die REM Dichte auch bei Gesunden ein Maß für das Depressionsrisiko zu sein. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass es in Zukunft möglich sein könnte, mit dem geringen Aufwand einer EKG-Messung im Schlaf,Depressionen vorhersagen zu können. Eine zuverlässige Risikoeinschätzung würde es ermöglichen, bereits vor dem Auftreten von Kranksymptomen, präventiv und gesundheitsförderlich zu reagieren“,blickt Mikoteit voraus.