Die fliegende Hand

Christian Lorenz

Wenn ich verspannt bin, brauche ich die meiste Kraft wegen der Verspannungen. Wir sollen lernen, uns zu lösen und zu befreien. Du schaffst es! Es wird! Wenn keiner es schafft: Du schaffst es! Unser Unterbewusstsein führt meine Befehle aus. Er demonstriert uns das Symbol der fliegenden Hand.  

 

Er  hypnotisiert eine Seminarteilnehmerin und lässt ihre Hand fliegen. Dann nimmt er sie mit in ihre Kindheit. Sie soll ihren Namen an die Tafel schreiben. Sie unterschreibt kindlich in Schönschrift. „Ah, eine Schönschreiberin. Habe ich es mir doch gedacht“, meint Enkelmann. Ich bin verblüfft und muss mir ein Lachen verkneifen. Die anderen reagieren ähnlich. Nachdem er die Probandin wieder in die Gegenwart geholt hat, unterschreibt sie real. Völlig anders und mit ihrem neuen Namen. Verrückt! Ein anderer Teilnehmer wird in Hypnose versetzt, soll seinen Körper versteifen und wie ein Brett lässt Enkelmann ihn zwischen zwei Tische legen. Unglaublich! Klar hat man alles schon mal im Fernsehen oder in Shows gesehen. Aber hier so direkt vor einem mit Kumpels, die man nun schon drei Tage kennt... Enkelmann setzt dem Ganzen die Krone auf und nimmt uns alle mit in Alpha. Er entspannt uns, lässt uns unsere imaginären Treppen hinunter gehen, zählt suggestiv von 10 bis 0, bespricht eine Weile unser Unterbewusstsein und gibt dann unserer Hand den Befehl, zu fliegen. Ich will gern, dass es klappt. Ich möchte selbst den Beweis, dass mein Unterbewusstsein stark ist, dass ich stark bin. Früher war ich davon überzeugt. Doch wie das Leben manchmal so spielt...  

 

Als Enkelmann symbolisch 10 Luftballons mit Gas an mein Handgelenk bindet, geht meine Hand wirklich nach oben. Aus der Schulter heraus, über den Arm, hebt sie ab. Ich merke wohl, dass sie ziemlich schlapp an meinem Arm herum baumelt. Aber ich bin nicht in der Lage, sie zu heben oder anders zu bewegen. Ich bin viel zu entspannt. Während mein Arm mit Hand in der Luft schwebt und Enkelmann erzählt und erzählt hoffe ich, dass er meinen Arm endlich wieder runter bewegt. Er wird schwer. Endlich holt er uns raus. Ich sehe mich um. Die Teilnehmer sind beeindruckt, offensichtlich hat es bei fast allen geklappt. Toll!

Ich soll mir für mein Ziel, die Hand brechen?

Dann übernimmt Gorjinia wieder. Wir schreiben unseren größten Wunsch auf ein Holzbrett. Er dreht ein Brett um, damit der Wunsch unten steht. Das Holz darüber stellt den Widerstand dar. Er konzentriert sich, klatscht zweimal in die Hände und zerschlägt das Holz mit ausgestreckter Hand. Zack! Nun soll jeder nach vorn kommen. „Sind Sie bereit, für dieses Ziel ihre Hand zu brechen?“, fragt er die Teilnehmer einzeln. Die Männer hauen mit mächtigen Gesten, manche Frauen mit zackiger Energie. Manche brauchen viele Versuche, eine hat nach der Übung eine blaue, geschwollene Hand. Manche setzten sich wieder, versuchen es später erneut. Und ich? Ich will eigentlich nicht. Erstens machte ich mich schon früher nicht so gern „zum Affen“, auf der anderen Seite habe ich wirklich Angst, meine Hand zu brechen. Ich war früher immer so ein Experte für Knochenbrüche, Bänder- und Sehnenrisse. In den letzten Jahren habe ich diesbezüglich weniger riskiert und mich auch geschützt. Außerdem spüre ich deutlich, dass mir die Kraft fehlt. Letztlich stehe ich vorn Alexander A. Gorjinia gegenüber. „Was brauchen Sie?“, fragt er mich. „Kraft!“, sage ich. Dann wäre mit meinem Wunsch etwas nicht in Ordnung. Wir regulieren an der Wunschformulierung herum. Er stellt mich vor den anderen ein bissel doof dar. Man solle sich überlegen, was man mit seinen Wünschen für andere tun könne. Hallo? Ich will mit meinem Wunsch die Welt retten. Wie ich das tun will, fragt er mich und fragt und fragt. Aber das ist kompliziert  und ich will die anderen Teilnehmer nicht langweilen. Ich erkläre, ich komme später nochmal darauf zurück.  

Ich schreibe es dazu

In der Pause schreibe ich spontan einen anderen Wunsch auf. Persönlicher, individueller, aber für mich im Moment existentieller. Er stand vorher auf keiner meiner Listen. Ich habe nicht getraut, ihn aufzuschreiben. Dabei ist er logisch, einfach, aber unglaublich wichtig. Dann geht alles ganz schnell. Alexander A. Gorjinia umarmt mich, erklärt, jetzt wären wir Freunde und ich klatsche überzeugt zweimal in die Hände, um anschließend mit meiner Hand wie mit einem Messer durch Sahne das Holzbrett zu zerschlagen. Ich stampfe mit dem Fuß auf, rufe ein Schimpfwort und dann kommen die Tränen. Ich gehe in den Enkelmannschen Feng Shui Garten und sammle mich. Okay, dann stelle ich eben erst Mal alles andere zurück und konzentriere mich die nächsten vier Wochen auf diesen Wunsch. Ich nehme mir vor, geduldiger mit mir zu sein. Es sind außergewöhnliche Zeiten, veränderte Umstände – ich sollte mir Zeit geben. Nikolaus B. Enkelmann und Alexander A. Gorjinia geben uns eine Autosuggestion mit, die wir täglich dreimal vor dem Spiegel dozieren sollen. Es geht um unser Unterbewusstsein. Außerdem sollen wir uns oft in Alpha begeben und unser Unterbewusstsein trainieren. Ich bin fest entschlossen...