VEN

Salzgasse 4 Hurra und Jubel, endlich gibt es mal wieder ein Restaurant in Dresden, das manmit gutem Gewissen hoch loben kann. Noch ist es ein Geheimtipp, mit demman Gäste und Geschäftspartner angenehm überrascht. Eine Einladung zumSpeisen in den Innenhof, an die Bar oder ins Restaurant kommt garantiert gutan. Die Karte liest sich wie ein Geschmacksepos, man liest und schwelgt undkann sich nicht entscheiden zwischen der Hauptkarte, der Spezialkarte (z.B.Pfi fferlinge) oder der Menüempfehlung des Kochs.Die warmen, kleinen Brötchenkommen mit verschiedenen Ölen und Salzen, das Amuse Bouche ist einApfel-Ingwer-Honig-Sorbet und schmilzt auf der Zunge mit einem Zauber, derden Gaumen auf folgenden Hochgenuss einstellt.Die nette Kellnerin erklärtgeduldig die Karte und erzählt wie eine parfümierte Jacobsmuschel geräuchertund mit einem speziellen Aroma gespickt wird, oder wie das Aroma in das aromatisierteCuxländer Färsenfi let kommt. Die gebratene Barbarie Entenbrustist in der Karte auch als parfümiert angegeben. Die Kellnerin empfi ehlt unsals Starter einen Kibaccino (Cappuccino von Cherry und Banane) und einenLatte Macchiato vom Kalb (6,50 Euro).Und weil sie so überzeugend ist, bestellenwir gleich einen dritten Starter – eine Curry-Zitronengras-Suppe (6Euro). Als serviert wird, in kleinen Gläschen bzw. eleganten Schüsseln, gehtder Genuss weiter. Die Suppe ist heiß und lecker, der Latte mild und süffi g,der Kibaccino bunt und fruchtig. Gelöffelt wird nicht vom Löffel, sondern voneiner Art Schuhanzieher.Die Gabel für den Zwischengang hat nur eine Zacke.Überhaupt ist im Ven nicht nur das Besteck anders. Schick, modern undirgendwie futuristisch, mit einem Hauch Asien und einem Schuss große weiteWelt. Der Überraschungsfaktor spielt eine große Rolle. Alles sieht anders ausals erwartet, man ist gespannt auf den Geschmack und hier und da gibt es eineingebautes Aha-Erlebnis. So werden die Zwischengänge auf überdimensionallangen Tellern serviert.Die Einzelteile der Speisen sind wie in der Gourmetküchein verschiedenen Gläschen, Förmchen und Schälchen darauf angerichtet.Unsere Variationen vom Lachs (12 Euro) setzen sich zusammen aus einemTatar mit frisch geräuchertem Lachsmousse dazu Avocado-Kirschsalat undLimetten-Joghurtsauce.Die parfümierte Jacobsmuschel kommt mit Kirsch-Birnen-Vanilleragout und Wildkräutersalat. Ein wenig Schwung verliert dasMenü dann beim Hauptgang. Die Entenbrust (24 Euro) ist etwas trocken undzäh, der dazugehörende Apfel-Selleriepüree und der glacierte Thai Spargel aberwieder spitzenmäßig.Die hausgemachten Tagliatelle zum zweiten Hauptgerichtkleben zusammen und sind ungewürzt. Doch im Glanz des Hauptganges fälltdas nicht ins Gewicht: Bärenkrebsschwänze (eine Art Langusten ohne Scheren,aber mit Schaufeln) auf Passepierre-Algen (28 Euro). Ein Gedicht! Bei so guterKüche kann man nicht aufhören.Weil wir zu später Stunde im Innenhof leichtfrösteln, bringt uns die Kellnerin nicht nur eine Decke, sondern sie kuschelt sieuns sogar fürsorglich um die Schultern. Zum Dessert gibt es noch eine CrémeBrulee mit Rosmarin (wieder eine absolute Überraschung im Geschmack) undwir bestellen auf Empfehlung einen lauwarmen Schokoladenbrownie mit hausgemachtem Vanillelikörschaum und Kirsch-Chilliragout (8 Euro). Die wohligeMischung aus Süße und Schärfe wärmt Körper, Herz und Seele und hinterlässtnoch lange nach dem Besuch ein Lächeln auf unseren zufriedenen Gesichtern.

Fazit: selten ist unser urteil so eindeutig: Liebe Leser, gehensie ins Ven und entdecken sie Genuss neu! Noch ist das Ven einGeheimtipp, aber es wird ganz sicher demnächst nicht nur vonGenussfreunden, sondern auch von den sterne- und Haubentesternbesucht werden. im Moment gibt es hier überraschendesGourmetessen zum sattwerden und zu moderaten preisen.