Rom - Die ewige Stadt

Foto: Dr. Stephan Barth/pixelio.de

Jeden der schon Mal in Italien war, lässt dieses Land nie wieder richtig los. Und wenn wir an Italien denken, so ist es Rom, was uns als erstes einfällt. Schon meine Kunstlehrerin hatte immer gesagt: „Es gibt drei Städte, die jeder Mensch in seinem Leben sehen muss, um westliche Hochkultur in seinem Ursprung zu verstehen. Rom, Florenz, Venedig!“ Erst wenn man diese selbst bereist hat, versteht man, was damit gemeint ist. Denn Italien bietet weit mehr als nur Meer, Sonne, Espresso und Gelati. Es steht nicht nur für Fellini, Loren und Pavarotti. Italien, das ist die Wiege der abendländischen Hochkultur. Es ist die Kinderkrippe vieler Sprachen des heutigen Europas, es ist das Zentrum des römisch-katholischen Glaubens und Heimat der alten Meister und großen Eroberer. Rom, die „ewige Stadt“, wie sie einst Tibull taufte, trägt ihren Namen nicht umsonst. Denn diese Metropole mit ihren knapp drei Millionen Einwohnern blickt auf eine 3.000 Jahre alte Geschichte zurück. Und so vielfältig, wie wir von dieser Stadt hörten, sind auch unsere Erwartungen. Vor uns lieg ein straffes Programm von drei Tagen voller Kunst, Kultur und Sehenswürdigkeiten. Schon auf der Fahrt in Richtung Termini-Bahnhof zeichnet sich ab, was in dieser Stadt an allen Ecken zu sehen ist. Gemeint ist ein unüberbrückbarer Kontrast zwischen einer fortschreitenden, schnelllebigen Moderne und einer klassisch anmutenden Antike. Je näher wir der Stadt kommen, umso verdichteter und älter wird das Stadtbild. Zwischen den Pinien und Palmen reihen sich Bauten aneinander mit alten, meist rötlichen Fassaden, samt rundbogigen Fensterfronten, den rotem Ziegeldächern und tragenden hohen Säulen. Als wir am Bahnhof ankommen, wird uns eins klar. Diese Stadt ist nicht nur „ewig“, diese Stadt schläft auch niemals! Auf den engen, dicht befahrenen Straßen Roms neben Reisebussen, Straßenbahnen, Autos und den legendären Vespas sehen wir ab und zu sogar ein oder anderen mutigen Fahrradfahrer. Wild gestikulierend beschimpft vor unseren Augen ein Biker einen Roller-Fahrer bei seinem rücksichtlosen Überholmanöver. Rom ist sehr laut und alles ist in Bewegung. Der Tag ist sonnig, heiß und trocken. Nichts Ungewöhnliches für die einheimischen Stadtbewohner, im Gegenteil: Es scheint die absolute Normalität zu sein. Menschen jeglicher Hautfarbe und Nationalität streifen an uns vorbei auf dem Weg zu unseren Hotel La Griffe Roma - MGallery Collection. Hier wird an jeder Ecke anders gesprochen, auch italienisch, ab und zu. Das Straßenbild der Innenstadt ist geprägt von Cafés, kleinen Restaurants, Souvenirläden, Supermärkten und selbstverständlich unglaublich vielen Kirchen. Man schätzt in ganz Rom an die 4.000, die wichtigste und populärste ist der Petersdom. Wer Rom bereist, der kommt auch nicht drum rum sich früher oder später mit dem Staat im Staate zu befassen. Der Vatikanstaat, Hauptsitz und Residenz des Papstes, ist ein begehrtes Reiseziel. Denn es ist nicht nur die erste Adresse für jeden Mann des Glaubens, durch die Jahrhunderte ist es zum Ort mit einer Ansammlung von Kunst mit unschätzbarem Wert geworden. Gerade in Zeiten des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks war die Kirche Hauptauftraggeber und Mäzen vieler namhafter Künstler, deren Schaffen noch Jahrhunderte später Kreative inspiriert und leitet. Wer hierher pilgert, sollte sich früh aufmachen, denn ab dem frühen Morgen ist die Piazza San Pietro überfüllt von Besuchern. Der von dem Gian Lorenzo Bernini, dem Lieblingskünstler und Architekten des Papstes Urban VIII, entworfene Platz gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die gewaltigen Ausmaße, die der Petersdom einnimmt. Schon nach wenigen Schritten innerhalb des Doms wird uns erst richtig klar, in welchem Maß der Glaube, egal welcher Religion, sich irdisch manifestieren kann. Und wenn man sagt, Kirchen müssen hoch sein, damit der Blick seiner Besucher immer in Richtung Himmel geht, so hat man nach einer viertel Stunde im Petersdom Nackenstarre. Die von Michelangelo entworfene Kuppel, schimmert in goldenen und blauen Farben von über 40 Metern auf uns runter. Auch seine Pieta ist gleich in der ersten Seitenkapelle neben dem rechten Eingang. Mit einer Innenfläche von über 15 Tausend Quadratmeter ist der Dom eines der größten Innenräume der Welt. Neben der Tourismus-Attraktion ist dieses Gebäude auch eine reguläre Kirche. Hier werden mehrmals täglich Messen an den 40 Altäre abgehalten.  Wer einen schönen Blick über Rom erhaschen möchte, kann entweder zu Fuß hochlaufen oder mit Fahrstuhl auf die Spitze des Petersdom fahren. Der Ausblick ist die Mühe wert. Auch wenn wir uns etwas beeilen, so brauchen wir einen halben Tag allein um den Dom zu sehen. Den Nachmittag verbringen wir in den Vatikanischen Museen, viel zu kurz für manchen Geschmack. Neben den Highlights, wie den Stanzen von Raphael, der Galerie der Teppiche und der modernen Sammlung religiöser Kunst, ist die Teilnahme an einer Messe in Michelangelos Sixtinischer Kapelle etwas, was uns sehr lange noch in Erinnerung bleiben wird. Wer in Rom viel sehen will, muss früh sich für eine Art der Fortbewegung sich entscheiden. Metro, Bus, oder Straßenbahn sind in Rom üblich. Empfehlenswert sind die offenen Reisebusse, die rund um die Innenstadt kreisen. Besonders an späten Sommerabenden sind diese eine willkommene Abwechslung. Den ersten Hunger nach Kunst gestillt, machte wir uns am zweiten Tag an den Schauplatz der größten und gleichzeitig blutigsten Spiele, die in der antiken Welt je gegeben hatte. Ein Amphitheater, welches neben der Wölfin das heimliche Wahrzeichen der Stadt Rom geworden ist – Das Kolosseum. Es ist ein Zeugnis für die hochstehende Baukunst der alten Römer, ein ausgeklügeltes architektonisches Meisterwerk mit einer zweitausendjährigen Geschichte. Wie Kaiser Trajan formulierte: „Das römische Volk lässt sich nur durch zwei Dinge im Bann halte, nämlich durch Brot und Spiele“. Über 400 Jahre lang war es der Ort für inszenierte Schlachten, Hinrichtungen, Tierhätzen und Gladiatorenkämpfe. Wir können uns es kaum vorstellen, wie aufwändig es gewesen sein musste, ein Gebäude wie das Kolosseum zu erbauen. Mit einer Höhe von fast 50 Metern boten Ränge rund um die ellipsenförmige Arena bis zu 5o Tausend Menschen Unterschlupf. Dabei muss man wissen, dass manche Spiele über Wochen ununterbrochen andauerten und Menschen über Tage im Kolosseum blieben. Eine kostenlose, sehr blutrünstige Dauerparty, welche den Bürgern Roms als Unterhaltung diente. Überall liegen abgebrochene Teile des Kolosseums herum und bieten den Touristen eine prima Sitzgelegenheit, um das Bauwerk auf sich wirken zu lassen. Von der alten Arena ist nur wenig übrig geblieben. Durch die Witterung ist der Boden durchgebrochen und  gibt Einsicht in das unterirdische Versorgungssystem des Kolosseums. Dank eines komplexen Aufzugsystems konnten ganze Landschaften innerhalb kürzester Zeit nachgebaut werden, selbst Seeschlachten belustigten das Publikum. Mahnend sind überall große Texttafeln zu sehen. Sie erzählen in harten Fakten von den hunderttausenden Opfern die in diesen Gemäuern zu Tode kamen.  Vor den Eingängen des Kolosseums stehen heute als Gladiatoren und römische Legionäre verkleidete Touristik-Mitarbeiter, die an das Kolosseum erinnern. Welche Ironie, denn damals hatten die meisten Gladiatoren die Arena nur tot als freier Mann verlassen können. Ein Erinnerungsfoto mit einem waschechten Römer aus dem 21. Jahrhundert kostet rund fünf Euro. Es ist eine kleine Touristenattraktion. Die Gladiatoren der Neuzeit sind so etwas wie kleine Prominente, mit denen sich viele fotografieren lassen möchten. Männer posieren gemeinsam mit den Gladiatoren und zeigen dabei ihre Muskeln. Frauen wollen einfach mal gerne gemeinsam ein Foto mit einem antiken Römer machen. Selbst Kinder haben auch sehr viel Spaß mit den Gladiatoren zu posieren und bestaunen die alte Uniform. Besonders markant ist der Helm mit einem roten sogenannten Helmbusch, der an einem Kamm von einem Hahn erinnert. Auch die Römer haben Spaß an ihrer Arbeit und freuen sich immer wieder um neue Kundschaft. Einer der verkleideten Gladiatoren ist Romeo De Angelis. Mit dieser Arbeit finanziert er sein Studium. „Zwar komme ich mir manchmal vor wie eine italienischer Mickey Maus, aber es ist ein netter Nebenverdienst“, erzählt der 25 Jährige. „Ich mag es den Touristen die römische Geschichte etwas näher zu bringen. Aber ich glaube es wird Zeit, dass ich wieder an die Arbeit gehe“, mit einem Zwinkern verabschiedet sich der Student, denn ein kleiner Junge mit römischen Offiziershelm und kurzer Jeanshose steht schon bereit, um mit Romeo ein Foto zu machen. Gleich neben dem Kolosseum beginnt das Forum Romanum. Es war der Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens des antiken Roms. Neben imposanten Tempeln war hier auf dem angrenzenden Palatin die Domizil der Senatoren und Kaiser. Der imposanteste Bau ist der Palast des Kaisers Augustus. Die zweistöckigen Ruinen lassen nur erahnen, in welcher Pracht der Palast früher erstrahlte. Immerhin hatte der Palast sein eigenes Wassersystem und eine private Pferderennbahn. Südlich des Domus Augustanas befindet sich der Circus Maximus, der Schauplatz von Wagenrennen. Um einen exklusiven Blick auf diese Rennen zu erhalten, brauchten die Kaiser nicht einmal das Haus zu verlassen.  Für Touristen ist heute nur der obere Teil des Domus Augustanas zugänglich. Vom Circus Maximus ist nur noch wenig zu sehen. Er ist umgeben von neuen viel befahrenen Straßen, der Via die Cerchi und der Via del Circo Massimo. Nur eine große Ovale Wiese mit der Aufschrift Circo Massimo deutet auf den Austragungsort der antiken Wagenrennen hin. Obwohl sich viele Touristen auf dem Gelände befinden, ist von Lärm oder einer größeren Menschenansammlung kaum etwas zu spüren. Viel mehr überkommt einen das Gefühl in eine Zeit zurückversetzt zu sein, wo es keine Autos, keine Internet und kein Fernsehen gab.Auf dem Weg hinab sind nur noch wenig Gebäude zu erkennen. Lediglich vereinzelte Steine deuten die Fundamente der alten Gebäude an. Immer wieder sind auf der linken und rechten Seite Pinien, Oliven- und Limettenbäume zu sehen. Hin und wieder sind auch einige Trinkstellen zu sehen. Voller Andacht verlassen wir am Nachmittag das Forum Romanum und machen uns über die Via dei Fori Imperiali zum Viktor-Emanuels-Denkmal, dem sogenannten Vittoriano. Ein prachtvoller Palast aus weißem Marmor beherbergt ein kleines Kriegsmuseum. Hier ist im ersten Stock des Palastes ein Terrasse, die wir jedem Besucher Roms empfehlen, denn es gib nichts schöneres, als bei einem Espresso zu beobachten, wie über dem antiken, alten Rom, mit der Aussicht auf das Kolosseum und den Palatin, die Nacht hereinbricht.Von dort ist es nur ein Katzensprung bis zur Trajan-Säule. Sie ist noch gut erhalten und markiert gewissermaßen das Trajansforum. Die Säule ist aufwändig und reich verziert mit einem spiralförmig aufsteigenden Fries. Dargestellt sind erfolgreiche Kriege und Feldzüge Trajans. Im Inneren der Säule befindet sich eine Wendeltreppe mit einem Aufstieg auf die Plattform. Somit war auch der zweite Tag unseres Rom-Aufenthaltes vorüber. Den dritten Tag reservierter wir uns ganz für ruhigere Sehenswürdigkeiten, wie den Trevi-Brunnen, die legendären spanischen Treppen und die Parkanlage um die Villa Borghese. Nach zwei Tagen Kulturmarathon ist gerade die Parkanlage eine willkommene Abwechslung und Überraschung für uns. Auf einem Areal von fünf Quadratkilometern erstreckt sich im Herzen Roms die grüne Lunge der ewigen Stadt. Uralte Pinien säumen Alleen auf denen schon Goethe wanderte. Abgeschottet vom Lärm der Straßen können wir hier die Seele baumeln lassen, träumen, nachdenken. Und da wir von Kultur nie genug bekommen, schauen wir gleich danach in eine der teuersten Privatsammlungen der Welt rein – die Galleria Borghese. Neben Gemälden von Caravaggio und Tizian gibt es hier Werke von Leonardo Da Vinci und Raphael zu sehen. Und wer mit den „alten Schinken“ nichts anfangen kann, den können vielleicht die Ausstellungen zeitgenössischer Künstler als Gegenpol zu den „Schwergewichten“ interessieren. Nach diesem fast meditativem Vormittag geht es in die Innenstadt zum Trevi-Brunnen. Auf dem Weg dahin liegt auch die Accademia di Belle Arti. Dort sind auch kostenlose Ausstellungen der Absolventen und Studierenden zu sehen. Spannend ist es alle Mal. Wer den Trevi-Brunnen nie in seinem Leben sah, wird bei seinem jetzigen Anblick enttäuscht werden. Der größte Brunnen Roms wird nun schon seit Jahren restauriert. Dies hält die Touristen allerdings nicht ab, die eine oder andere Münze mitten in die Baustelle zu werfen. Der Brunnen hat nichts an seiner Faszination verloren, auch wenn in Zukunft ein Bad darin weiterhin eher unwahrscheinlich bleiben wird.  Wer bis dahin noch nicht gegessen hatte, der findet in den engen Gassen rund um den Brunnen mit Sicherheit das richtige Lokal. Ob Freisitz oder in angenehmen Ambiente, das bleibt jedem selbst überlassen. Am Abend geht es noch einmal Richtung Villa Borghese. Nach 138 Stufen erreichen wir die höchste Aussichtsplattform der berühmten Spanischen Treppe. Von hier aus haben wir eine traumhafte Aussicht auf Via dei Condotti, der neben der Via Bocca di Lione eine der Einkaufsmeilen für Designer-Mode in Rom. Rom zählt zu den ältesten Städten der Welt und gehört auch noch heute zu den großen Metropolen Europas. Es ist ein Muss auf der Liste jeden Globetrotters und wird in hundert Jahren weiterhin ein Zentrum für Glaube, Kultur und Kunst sein. Wir sind uns alle einig, dass diese Stadt noch weitere drei Tausend Jahren überdauern wird.