"Die Kunst spricht mit mir"

Überschäumend vital und klatschbunt sind die Gemälde an den Wänden. Prall voll Leben. Hier wimmelt es von comichaften Gestalten und skurrilen Geschichten. In der Praxis von Dr. Marwan Nuwayhid in Dresden ist die Kunst zuhause. Claudia Homberg sprach mit dem Arzt und Kunstkenner über Morgenland, Farben und hochnäsige Damen.

 

Der studierte Gynäkologe und Skalpell-Ästhet mit den goldenen Händen, gilt inzwischen als der Spezialist für Verschönerungen aller Art in Sachsen, sei es Faltenunterspritzungen, Liftings oder andere Schönheits-OPs. Aber auch als Kunstsammler und Mäzen hat sich der attraktive Libanese einen Namen gemacht. Denn Schönheit und Ästhetik sind Profession und Leidenschaft des in Beirut geborenen Arztes. Sein erstes Bild entdeckte er noch zu Studienzeiten in Beirut. Nuwayhid hat es noch heute. Es ist von dem palästinensischen Künstler Shammout. „Es ist ein kleines Gemälde, aber es zeigt auf 40 x 40 Zentimetern die ganze Tragödie eines Volkes. Das hat mich so beeindruckt“, erzählt Nuwayhid. Der Grundstein war gelegt, das Sammeln ging weiter. Auf Vernissagen, in Galerien oder Ausstellungen sieht sich der Wahl-Sachse immer wieder nach Kunst um. „Plötzlich stehe ich dann vor einem Bild und es beginnt ein innerer Dialog. Wenn mir das Werk etwas zu sagen hat, dann muss ich es haben“, lächelt Nuwayhid. Inzwischen finden jedoch nicht mehr alle seine Gemälde einen Platz an der Wand in der Leipziger Wohnung oder in einer seiner beiden Praxen, es sind einfach zu viele. „Ich habe mehr, als ich hängen kann, denn ich kaufe Kunst ja nicht als Möbelstück. Aber man wird erfinderisch. Das ist wie mit Frauen und ihren Schuhen. Irgendwo finden sie dann immer noch ein Plätzchen.“ Besonders die Kunst der sogenannten „Leipziger Schule“ hat es dem Sammler angetan: Die anmutigen Frauen von Bruno Griesel, die Werke von Michael Triegel, Zeichnungen von Werner Tübke, die farbenprächtigen Bilder von Gudrun Petersdorff oder die bunte Kunst von Michael Fischer-Art begeistern ihn immer wieder. In seiner Sammlung befinden sind ebenso Arbeiten des Bildhauers Thomas Reimann. Mit einigen Künstlern ist Nuwayhid persönlich befreundet, zum Beispiel mi Fischer- Art: „Er lebt wie ich in Leipzig, wir sind befreundet, ich kenne seine Geschichte und verfolge seine Phasen.“ Fischer-Art war mit seinem Freund und Förderer Nuwayhid gemeinsam auf einer Beirut-Reise. Hier entstanden herrliche Bilder, auf denen sogar Familienmitglieder des Arztes zu erkennen sind – und die natürlich auch in dessen Sammlung landeten. Seine Leidenschaft für die Kunst sieht der Doktor auch als eine Art „Sponsoring“: „Die Künstler leben davon, dass ihre Werke gekauft werden. Aber ich erwerbe Kunst natürlich nicht aus Mitleid, sondern nur, wenn es funkt zwischen mir und dem Werk, wenn eine Liebe entsteht“, erklärt Nuwayhid. Zu jedem seiner Bilder oder Plastiken gehört eine Geschichte. „Wenn ein Kunstwerk meine Fantasie beflügelt, dann gefällt es mir“, erzählt der Kunstliebhaber. Bei der Skulptur der „Salome“ von Gabriele Messerschmidt hatte es dem Arzt der Ausdruck der hölzernen Dame angetan. „Unglaublich, dieser hochnäsige Blick. Leider gab es mehrere Interessenten. Das wurde teuer“, seufzt der Doktor. Den Blick und die Liebe zur Kunst hat Dr. Nuwayhid bei seinem Wechsel vom Morgenland ins Abendland gelernt: „Ich begann, bei allem genauer hinzuschauen. Die ganze Kultur, das Essen, die Sprache, die Musik, das Erscheinungsbild der Menschen, die Kunst hat mich interessiert, ich war offen für alles“, erzählt er. Der Arzt studierte ab 1980 in Sachsen Medizin. 1990 kam dann mit der Wende auch der Wechsel von sozialistischer Kultur zur westlichen geprägten Kunst. Ein Bild von Stalin, dass den Diktator mit einem Emblem von Hermes zeigt, ist ein Zeuge dieser Wendezeit. Im Rezeptionsbereich in Dresden hängt ein Fischer-Art-Bild. Es zeigt einen Mann, der hingebungsvoll ein zartes Pflänzchen hegt und pflegt. „Darin sehe ich ein bisschen mich selbst“, schmunzelt der Doktor. „Ich habe auch klein angefangen und betreibe heute zwei Praxen in Leipzig und Dresden mit vielen Mitarbeitern. „Das, was man tut, sollte man eben immer mit Leidenschaft und Hingabe tun“, sagt Dr. Nuwayhid ernst und meint es auch so. Und so geht es für den erfolgreichen „Berufs-Ästheten“ von seinem Ausflug in die Welt der schönen Künste gleich weiter zum nächsten Patienten...