CAFÉ BLÜMCHEN
Pirnaer Landstraße 109
Au, au, au – hier ist die Zeit stehen geblieben. Im Café Blümchen fühlt man
sich wie in der tiefsten DDR. In den hellen Räumen des Cafés gegenüber
dem etwas schon in die Jahre gekommenen „Neubaugebietes“ (ist in diesem
Fall kein Widerspruch). Die runden Tische mit den gepolsterten Bänken und
Stühlen á la Omas Fensterbank-Sofa erinnern an die Ausstattung des Ferienheims „Bergkristall“. Auch die Gäste stammen aus fast vergangenen Zeiten.
Omas und Uromas, die sich zum Kaffee treffen, die Großeltern mit dem
schlaksigen Enkel, der obwohl jung, auch schon aus alten Zeiten zu kommen
scheint, und eine Familienfeier mit einem 80-Jährigen Jubilar und 100-
jährigen Gästen, denen man eine Bestellung von Ragout Fin und Strammer
Max zutraut. Bei unseren beiden Test-Besuchen stand ein schläfriges Servicepersonal vorn am Tresen.
Beim ersten Besuch träumte ein junger Mann vor sich hin, vielleicht von den alten Zeiten. Bei unserem zweiten Besuch unterhielt sich eine Frau mit langem Haar, die dem Ton nach die Chefin war, mit einem jungen Mann über Dienstpläne und sein offensichtlich sehr geringes Gehalt.
Zumindest konnten wir seine Beschwerden gut verstehen.
Dafür ignorierten beide unsere leeren Tassen und Teller. Diese standen bis
zum Bezahlen verkrümelt auf unserem Tisch.
Der Latte Macchiato kostet 2,80 Euro und ein Glas Tee 2 Euro. Wie so oft gab es für die 2 Euro natürlich nur heißes Wasser und einen Teebeutel daneben. Wir vergaßen im Gespräch (auch wie so oft), den Beutel ins Wasser zu hängen, und tranken letztlich Wasser mit einer Ecke bräunlicher Farbe. Reklamation (natürlich) ausgeschlossen, war ja unser Fehler. Eine wirklich gute Sache aber gibt es im Café Blümchen: die Obsttorten.
Lecker anzusehen, gut im Geschmack,
frische und riesige Früchte in überquellender Masse. Da gab es wirklich
nichts zu meckern. Und so kamen auch entsprechend viele Stammkunden
während unseres Besuches, die „Torte außer Haus“ mitnahmen.
FAZIT: Würde hier eine Werbeagentur
mal an der Marke feilen, könnte man die ungewollt satirisch
anmutende DDR-Nostalgie inklusive schlechtem Service zu
einer nostalgischen Marke ausbauen. Aber so – Torte mitnehmen
ja, Café besuchen auf keinen Fall!












