Keiner kommt mit dem Messer in der Hand auf die Welt.

Foto: © PR A&&E, 2016 Getty Images, Joerg Koch

Sie war schon als Kommissarin, Richterin, Psychotherapeutin und Gräfin zu sehen. Michaela May zählt zu den wandlungsfähigsten Schauspielerinnen Deutschlands. Für das Crime-Format „Protokolle des Bösen“ des TV-Senders A&E schlüpfte sie nun in die Rolle einer Serienmörderin – nach einer wahren Geschichte (fünf Folgen mit verschiedenen Fällen). Disy traf Michaela May und sprach mit ihr über den Reiz an einer bösen Rolle und die Auseinandersetzung mit dem Tod.

 

Sind böse Rollen die spannenderen?

May: Das Drama ist immer interessant. Aber eine gute Komödie ist genauso schwer. Ich habe oft Frauen gespielt, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Interessanter ist es natürlich, wenn die Abgründe der Figur tiefer greifen und die dunklen Seiten eines Menschen zum Vorschein kommen. Man zieht den Zuschauer in den Bann, wenn er die Nöte der Figur versteht.

 

Gibt es im Fernsehen vermehrt den Trend, das Böse aus unterschiedlicher Sicht darzustellen?

May: Ich glaube, dass es interessant ist, die Psychologie eines Mörders zu verfolgen. Aus welchen Beweggründen begeht jemand eine solche Tat? Wie kann man so etwas vielleicht im Vorfeld verhindern? Wann muss man genauer hinhören? Das ist auch spannend für den Schauspieler und die Produzenten. Das Interesse des Zuschauers liegt sicherlich darin zu erfahren, warum die Person die Tat begangen hat: Wie kommt ein Mensch überhaupt dazu? Ich hoffe, dass es auch eine psychologische Wirkung auf den Zuschauer hat.

 

Wie sehr belasten Sie solche Rollen?

May: Ich fand es nicht belastend, aber wahnsinnig interessant. Es nimmt einen natürlich immer in gewisser Weise mit, wenn man solche emotionalen Szenen spielt. Da bin ich dann nach einem Drehtag schon mal völlig fertig. Aber das ist nichts Neues, ich war im Film nicht immer nur die Gute.

 

Glauben Sie, dass es so etwas wie ein Mörder-Gen gibt? Gewisse Menschen würden auch in der größten Notlage niemals einen Mord begehen.

May: Ich habe sehr viele Krimis gedreht und hatte im „Polizeiruf“ auch immer mit den Profilen der Täter zu tun. Das Böse ist immer und überall, heißt es in einem Song. Aber es erwächst auch immer aus einer Sache heraus. Der Mensch hat bestimmte Anlagen, wenn er zur Welt kommt. Aber die Auswüchse entstehen erst im Laufe der Entwicklung. Der Mensch ist nicht von Grund auf böse geboren. Keiner kommt mit dem Messer in der Hand auf die Welt. Der immer fortschreitende Verfall des Familienverbunds trägt zur Entwicklung bei. Ebenso natürlich die Erziehung. Das Wichtigste und Entscheidende ist, dass man in seinem Leben Liebe erfährt.

 

Was war das Reizvolle, die Figur einer verurteilten Serienmörderin zu spielen?

May: Es war hochinteressant, mich in die Situation hinein zu fühlen, in der diese Frau sich befand. Die Geschichte liegt noch nicht lange zurück und sie ist noch im Gefängnis. Bislang habe ich immer fiktive Stoffe verfilmt, die Drehbuchautoren erfunden hatten. Jetzt aber ging es um eine reale Begebenheit. Es ging aber nicht darum, diese Frau zu kopieren, sondern darum, sich in ihren seelischen Zustand hineinzuversetzen. Ihrer Argumentation nach kennt sie die Morde, die sie begangen hat, nicht als solche an.

 

Mussten Sie diese Argumentation nachvollziehen können?

May: Aus ihrer Sicht war es kein Mord, weil es nicht von langer Hand geplant war. Es ging mehr in Richtung Sterbehilfe. Nach 30 Jahren auf der Palliativstation wollte sie Menschen helfen, auf die andere Seite zu gelangen. Auch wenn es ihrer Ansicht nach einen Akt der Erlösung darstellte, kann sie sich nicht über den Herrscher über Leben und Tod machen.

 

Ist Sterbehilfe ein Thema, mit dem Sie sich auseinandersetzen?

May: Es gibt viele schwerstkranke Menschen, die von sich aus sagen, dass sie nicht mehr wollen. Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage wäre, eine Patientenverfügung zu unterschreiben. Zu entscheiden, wann ein Leben nicht mehr lebenswert ist, ist unglaublich schwierig. Oft dreht es sich um das Thema Geld, alle streiten sich um das Erbe. Da wird es schwierig, die Sterbehilfe zu legalisieren, weil die Absichten nicht immer erkennbar sind. In der Schweiz muss eine Person noch handlungsfähig sein und alles selbst in die Wege leiten können, das finde ich vernünftig.

 

Wie beschäftigt Sie der Tod allgemein?

May: Mein Vater ist damals einfach tot umgefallen, mitten bei der Gartenarbeit. Die ganze Familie war geschockt, weil es so plötzlich war. Heute sagt meine Mutter, dass er Glück gehabt hat. Er musste nicht leiden, saß nie im Rollstuhl, wurde 86 Jahre alt und konnte sein Leben bis zum Schluss genießen. Sie ist 95 und ihr geht es zum Glück noch gut. Aber sie lebt in einem Stift und erlebt dort die verschiedensten Arten, zu gehen. Je älter man wird, desto mehr wünscht man sich, friedlich im Schlaf zu sterben.

 

 

 

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