Mein Papa ist weg

Ich, euer Disy Kat, habe schon darüber geschrieben, wie wichtig es ist, über Gefühle zu sprechen. Louisa hat genau beschrieben, wie sie sich gefühlt hat, als sie für zwei Nächte ihren Papa besuchen sollte, der nicht bei ihr lebt. Schreib auf, was dich bewegt. Am besten, du sagst alles einem Erwachsenen,
der es genauso aufschreibt, wie du es sagst und kein anderes Wort hineinmogelt. Wir wollen wissen, was DU denkst.

Mir geht’s so, als ob ich weg müsste. Nicht so, als ob ich weg könnte, sondern müsste. Weil ich sonst die Oma, die Mama und die Dana vermisse. Ich meine, ich will ja auch zu meinem Papa. Dort hab ich ja auch alles. Man kann sich`s ja auch dort gemütlich machen. Ich meine, dort ist es ja auch schön, aber man vermisst eben dann die anderen Leute und das ist nicht so schön.

Das Schwerste daran ist, dass man sich nicht entscheiden kann für ein was. Ich bin eigentlich ja hier zu Hause. Aber dort in Chemnitz habe ich auch manche Sachen. Das große Haus, das Schwimmbad und wie wärs auch mit dem Kuddeldaddeldu. Das ist schön bei meinem Papa. Aber man muss auch dran denken, dass man die Mama vermissen muss. So ist das Leben nun mal. Das ist schon seltsam. Aber da kann man ja wahrscheinlich auch nichts mehr ändern. Deswegen muss das Leben weiterlaufen. So schlimm ist es auch nicht. Hauptsache, das liegt in unserem Land. Ich habe die Mama lieber. Mit dem Papa ist das so: Der ist eher ein hoppiger Mensch. Der laute Sachen, starke Sachen, so wie Rockmusik macht. Die Mama ist eben eine Frau, die Ruhe mag, auch mal Stress macht. Die lieber liebliche Lieder hört als Rockmusik und eben so was.

Mit meinem Papa kann ich Fahrrad fahren und mit Mama kann ich meisten schön kuscheln, schön gemütlich essen und mir es richtig gemütlich machen. Das ist schon komisch, dass mein Papa eine andere Frau geheiratet hat. Die haben sich auch alle beide geliebt, Mama und Papa. Gerade eben vor der Hochzeit, dass Papa eine andere Frau kennengelernt hat und dann zu ihr nach Chemnitz gegangen ist. Seitdem wohnt er auch in Chemnitz. Am Anfang ist es immer nicht so schön, dass man die Menschen vermisst. Daran kann man sich gewöhnen, wenn man eine Weile dort ist. Obwohl ich den Eindruck habe, dass die Frau mich nicht so gerne mag. Die spricht selten mit mir und guckt mich immer so komisch an. Ich glaube zwar, dass sie immer so guckt, aber ich weiß es nicht genau. Ich glaube es aber. Es wird ja dort auch immer ganz schön werden. Wir könnten nämlich auch ins Schwimmbad wieder gehen. Aber dazu muss ich auch erst mal mit meinem Papa darüber reden. Ich meine, er hat ja keine Ahnung davon.

Auch wenn ich weiß, dass zwischen Mädchen, Jungs, Frauen und Männern ein großer Unterschied ist, mag ich trotzdem auch beide gern. Ich bin auch gern bei meinem Papa, aber ich vermisse Mama. Aber was machen kann man nicht. Deswegen muss das Leben wohl so laufen. Deswegen ist es klar, dass alle Menschen immer mal von den anderen weg müssen. So muss das Leben bleiben, es geht nun mal nicht anders. Bei der ersten Nacht weine ich ein bisschen. Aber danach geht es mir schon besser. Deswegen ist es immer schwer und die schönste Zeit ist danach, wenn man wieder zurückkommt.