Interview mit Karl-Rainer von der Ahé

Karl-Rainer von der Ahé trägt seine langjährige Erfahrung mit Mode-Events nach Rostock

Internationale Mode in Rostock

Mit dem Catwalk Germany am 9. Dezember soll sich in Rostock ein Mode-Event etablieren, das Kreativität abseits des Mainstreams zeigt, Trends setzt und ein Muss für das internationale Modepublikum ist.

Disy: Herr von der Ahé, wie sind Sie zur Mode gekommen?

Von der Ahé: Zum einen stamme ich aus der Gegend um Düsseldorf, und dort ist man immer mit Mode konfrontiert. Zum anderen wollte ich als junger Mann eigentlich Modedesigner werden. Und dann: Als ich später in Mecklenburg-Vorpommern für die Öffentlichkeitsarbeit der Landes-regierung zuständig war, suchten wir ein positiv besetztes Thema für eine Image-Kampagne. Da war Mode naheliegend.

Disy: Was hat Sie veranlasst, sich für Herings-dorf als den Veranstaltungsort für eine Modenschau zu entscheiden?

Von der Ahé: Irgendwann habe ich einen alten Baedeker von 1910 über Pommern gelesen. Da wurde Heringsdorf als Badeort mit regelmäßigen Modeveranstaltungen beschrieben. Die Mode wurde von den Damen der Gesellschaft auf der Strandpromenade präsentiert. Von meiner Idee, diese Tradition wieder aufleben zu lassen, hielt die Landesregierung zunächst nichts. Dass es dennoch Heringsdorf wurde, lag vor allem daran, dass es damals, 1998, an der gesamten Ostseeküste nur einen einzigen attraktiven Saal gab: den Kursaal in Herings-dorf.

Disy: Welches Konzept hatten Sie für die Modenschau?

Von der Ahé: Wir wollten etwas tun, das vom Qualitätsanspruch und von der Idee her gegen den Strich gebürstet war: Pariser Flair und Internationalität in Mecklenburg-Vorpommern.

Disy: Wann wurde die Veranstaltung zu einem Wettbewerb für Designer aus dem Ostseeraum?

Von der Ahé: 2001 signalisierte die Landesregierung Interesse, sich nun doch an dem Event zu beteiligen. Um sie durch ein neues Element einzu-binden, entwickelten wir gemeinsam mit Vertretern des Wirtschafts- und Bildungsministeriums den Baltic Fashion Award. Erstmals verliehen wurde er 2002.

Disy: Wenn Sie auf Ihre acht Jahre Heringsdorf goes fashion zurück-blicken, was war Ihr persönliches Highlight?

Von der Ahé: Wir haben am Anfang viel auf Modemarken aus Paris und Mailand gesetzt - gar nicht so sehr auf die Haute Couture, sondern eher auf ein gehobenes Prêt-à-Porter. Der Höhepunkt aller Veranstaltungen war für mich im April 2003 Slawa Saizew. Eine außerordentliche Show.

Disy: Fällt es Ihnen schwer, Heringsdorf loszulassen?

Von der Ahé: Also, wenn man acht Jahre lang so etwas macht, 16 große Schauen, dann fällt es natürlich schwer, das loszulassen. Andererseits sind acht Jahre bei unserer Schnelllebigkeit eine lange Zeit. Da kann man schon stolz sein, so lange durchgehalten zu haben.

Disy: War Heringsdorf, da es so abgelegen ist, vielleicht der falsche Ort?

Von der Ahé: Abgelegenheit kann auch eine Chance sein. Meine Erfahrung ist, dass Veranstaltungen in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Stockholm oft sehr kurzlebig sind. In Deutschland ist es bisher nicht gelungen, einen Mode-Event aufzubauen, das kommerzieller Erfolg und eine Imageveranstaltung zugleich ist. Die Bread and Butter in Berlin, die diese Richtung einge-schlagen hatte, ist gerade gescheitert.

Disy: Sie wollen also beides: kommerziellen Erfolg und Image?

Von der Ahé: Wir definieren ein hohes Ziel und versuchen, es zu realisieren. Rostock ist meiner Meinung nach von seiner Größe her besser geeignet als Berlin, um ein langfristig erfolgreiches Mode-Event aufzubauen. Und es ist auch besser geeignet als Heringsdorf. Es liegt in der Mitte zwischen den beiden Extremen. Berlin ist überfrachtet mit Veranstaltungen und unverwirklichten Ansprüchen. Heringsdorf ist durch Lage und Größe begrenzt. Der Erfolg in Rostock hängt allerdings davon ab, ob man ein dynamisches und kompetentes Netzwerk von Handelnden zusammenbekommt.

Disy: Der Catwalk Germany soll im halbjährlichen Rhythmus statt-finden?

Von der Ahé: Mit zwei Veranstaltungen pro Jahr kann man Mode in Rostock fester installiert. Außerdem wollen wir ja über dieses Event hinausgehen und erreichen, dass sich zum Beispiel skandinavische Designer mit ihren Showrooms hier ansiedeln. Ich bin zu lange im Geschäft, um mich Illusi-o-nen hinzugeben, aber Optionen gibt es schon.

Disy: Soll der Catwalk Germany eher in Richtung Haute Couture oder Prêt-à-Porter gehen?

Von der Ahé: Wir wollen zeigen, was Designer ausprobieren, sozusagen die Randbereiche zwischen Couture, Kollektion und Experiment. Wenn sechs Designer aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen, dann wird jeder Elemente seiner Kultur mit in seine Kollektion einbringen, aber zugleich auch einen Eindruck der weltweiten Modetrends vermitteln. Das ist es, was ich zeigen will.

Disy: Herr von der Ahé, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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