Ich und Obama

von Christine Salzer

Wie Disy mit dem Weißen Haus, dem Bundespresseamt und der
amerikanischen Botschaft sprach und unsere Redakteurin letztlich
Barack Obama tatsächlich in die Augen sah!

Stundenlang, tagelang mailte und telefonierte ich mit Presseamt, Bundespresseamt, amerikanischer Botschaft und Weißem Haus. Wenn er schon mal nach Dresden kam, wollte ich ihn auch treffen. Ein Interview sollte es werden – exklusiv natürlich. Meine Kollegen lächelten still in sich hinein. Aber wer nicht groß denkt, kann nichts Großes erreichen.

 

Na gut, ganz so direkt wurde das Treffen dann nicht. Aber ich begegnete ihm - dem mächtigsten Mann der Welt. Barack Obama, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Am Abend, 21.19 Uhr, landete die 71 Meter lange Air Force One, eine Langstreckenversion der Boeing 747-200B (Boeing VC-25A). "Wir haben uns auf dieses große Ereignis in kürzester Zeit professionell vorbereitet. Es war uns eine besondere Ehre und Freude, mit unserer langjährigen logistischen Erfahrung einen Beitrag zu diesem Besuch leisten zu können", so Flughafenchef Michael Hupe begeistert. Entspannt schlenderte der wichtigste Mann der Welt die Gangway hinunter. Ein Griff zur blauen Krawatte, dann ein Handschlag mit dem Sächsischen Protokollchef Christian Pokorni, und schon ließ sich Obama in die weichen Ledersitze seiner gepanzerten Stretchlimousine fallen und genoss erst mal einen Schokoriegel. "Barack Obama will sofort ins Bett", erklärte Maja Böhm von der amerikanischen Botschaft. Schade - so viel zum Thema Exklusiv-Interview.

Also stürzte ich mich wie meine internationalen Kollegen in den Kampf um die Poolkarten, die den Zugang durch die strengen Sicherheitssperren zur Pressekonferenz am nächsten Tag im Schloss erlaubten. Vor mir in der Schlange im Kulturpalast (war als Organisationsbüro für die Presse umgerüstet worden) Karsten Wolf von MDR1, hinter mir ein Kollege vom Bonner Generalanzeiger. Plötzlich kam Silke Hohmuth vom Fotoladen im Quartier an der Frauenkirche mit einem Präsentkorb. Leider keine Warteverpflegung für uns, sondern Geschenke für den Präsidenten. Keine Chance - sie durfte nicht in die Sicherheitszone. Auch für uns sollte es an diesem Abend keine Poolkarten mehr geben. "Morgen früh ab sechs", vertröstete uns eine der Poolkarten-Damen gestresst.

Am nächsten Morgen ging es reibungsloser. Problemlos bekam ich die Poolkarte und ging durch die Absperrung. Ausweiskontrolle, Taschendurchsuchung, Ganzkörpercheck, strenge Blicke. Als ich in Richtung Schloss loslaufen wollte, hatte ich schnell eine nette Begleitung. Security - heute ging keiner allein. Der blonde junge Mann erzählte auf dem Weg zur Pressekonferenz von seinem letzten Einsatz beim NATO-Treffen in Baden-Baden. Langsam wurde mir die Dimension dieses Tages bewusst. Das mit dem Exklusivinterview ... Inzwischen musste ich selber lächeln und wurde aufgeregt. Ich bei Obama - oder eigentlich eher Obama bei mir. Meine Heimatstadt - Dresden. Das letzte Ereignis, das mich derartig aus der Bahn geworfen hat, war die totale Sonnenfinsternis 1999 in München, erzähle ich dem jungen Mann. Mit einer Sonnenfinsternis habe ihn auch noch keiner verglichen, räumte er ein.

Dann waren wir im Schlosshof. Der erstrahlte in seinem typischen unwirklichen Licht, so wie am Pergamon-Altar oder am Ischta-Tor. So unwirklich wie das Licht wirkte die Situation. Bisher hatte ich ihn nur im Fernsehen gesehen, nun war ich dabei. Genauso unwirklich - ich bekam einen Platz in der zweiten Reihe, rechts vom Rednerpult, drei Meter Luftlinie. Schnell noch ein Abstecher zur Toilette, schließlich stieg die Aufregung. Die stieg noch mehr, als mir an den Toilettenräumen ein vermummter Scharfschütze entgegensprang. Er grinste mich an.

Zurück am Platz, bat mich eine Kollegin vom DJV Sachsen, dass ich ein Foto von ihr machen sollte. Auch langjährige Journalisten benahmen sich hier wie aufgeregte Kinder. Dann wies sie mich noch auf Helma Orosz' Kostüm hin: "Das ist doch Lillifee!", sagte sie geringschätzend. Mir gefiel das Outfit unserer Oberbürgermeisterin. Rosa - es passte zum positiven Anlass und zum Licht.

OB Orosz zog sich zurück, noch bevor die Hauptakteure eintrafen. Zuvor waren alle im Grünen Gewölbe zusammengetroffen, als sich Obama und Angela Merkel ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatten. "Viele Grüße von meinen amerikanischen Landsleuten", hatte Obama eingeschrieben. Auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich war dabei. "Auch für mich ist so ein wichtiger Staatsbesuch etwas Besonderes und ganz schön aufregend", gab er auf seine typisch sympathische Weise ehrlich zu.

Die Flügeltür vor mir war schon geöffnet. Sicherheitsleute schlenderten davor herum, sahen starr auf die wartenden Journalisten. Dann kamen sie, nein - sie erschienen: Angela Merkel und Barack Obama. Jeder nahm seine Position am Pult vor der eigenen Fahne ein. Ich hoffte, meine Fragen an Obama stellen zu können. Nicht gerechnet hatte ich aber mit dem kräftigen Rücken eines Kameramannes, der sich direkt in die Luftlinie Disy-Obama stellte. Pech für mich und die Fragen. Aber vielleicht kann ich mich trotzdem per Handzeichen bemerkbar machen, hoffte ich. Nichts da: Kaum meldete ich mich, stand die Kollegin vor mir wie eine Eins zwischen meinem Handzeichen und Obama. Jeder wollte heute ins Bild. Ich auch. Ich würde nach der Konferenz meine Sitznachbarin bitten, mich mit dem wichtigsten Mann der Welt abzulichten. Doch zuvor wollte ich ihn mir erst mal richtig ansehen, so ganz aus der Nähe. So nah, ich war so nah dran. Hallo, der US-Präsident stand eigentlich direkt vor mir. Ich konnte ihm in die Augen sehen. Fragen durften ihn aber nur zwei deutsche und zwei amerikanische Journalisten. Die Plätze der beiden deutschen Pressekollegen waren in der Nähe von Frau Merkel reserviert gewesen. Waren die Fragen ähnlich vorbereitet gewesen? Hier jedenfalls wirkte nichts wie dem Zufall überlassen.

Hundert Minuten dauerte die Pressekonferenz. Dann verabschiedeten sich die beiden Größen der Weltpolitik von mir. Ehm, na gut, von uns. Ich war stolz. Stolz, dabei gewesen zu sein, stolz, dass Obama danach in unsere Frauenkirche ging, stolz, dass er in meiner Heimatstadt war. Stolz auf mich, stolz auf den Präsidenten und vor allem stolz auf Dresden!

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