Der technische Fortschritt kennt keine Atempause

Foto: IAA 2015/Boris Löffert

Allein die deutsche Automobilindustrie investiert in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Milliarden Euro in das vernetzte und automatisierte Fahren. Davon überzeugte sich auch Bundeskanzlerin Merkel auf der weltwelt wichtigsten Mobilitätsmesse.

 


"Die weltweit wichtigste Leitmesse zeigt: Die Digitalisierung der Mobilität ist das Megathema, das die Automobilindustrie mit hoher Innovationsgeschwindigkeit vorantreibt. Autofahren wird dadurch noch sicherer, noch komfortabler, noch effizienter. Allein die deutsche Automobilindustrie investiert in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Milliarden Euro in das vernetzte und automatisierte Fahren. Über 1.100 Aussteller aus 39 Ländern zeigten auf der letzten IAA die Innovationsdichte mit 219 Weltpremieren", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugte sich davon. "Die Welt ist in Bewegung, die Menschen streben dem Wohlstand entgegen. Viele zieht es in die Städte, um Arbeit und Einkommen zu finden. Millionenmetropolen entstehen und verlangen neue, innovative Lösungen", so Wissmann. Der Mobilitätsbedarf der Menschen muss bedient, die Verkehrssicherheit gewährleistet und zugleich ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Die Digitalisierung bietet für diese Herausforderungen neue Ansätze. Und die Automobilindustrie, Hersteller und Zulieferer, bringt den Nutzen der neuen Technologien auf die Straße - seit vielen Jahren. Ob Stauassistent oder Totwinkelüberwachung, ob ESP oder Verkehrszeichenerkennung: Schon heute verrichten bis zu einhundert elektronische Steuergeräte im Fahrzeug ihren Dienst. Sie helfen dem Fahrer und machen Mobilität komfortabler und sicherer. Er wies allerdings auch darauf hin: "Der technische Fortschritt kennt keine Atempause. Stillstand ist Rückschritt. Was heute gilt, ist morgen schon von gestern. Das Automobil steht mitten in einer digitalen Revolution - mit rasanter Geschwindigkeit. Die Automobilindustrie nimmt diesen Wettbewerb an. Wir haben eine gute Ausgangsposition, unsere Industrie ist nach wie vor der 'Pacemaker' im technologischen Wettlauf. Hersteller und Zulieferer geben gemeinsam das Tempo an der Spitze vor." Immer effizienter, immer sicherer, immer komfortabler - das wäre die Zielrichtung der täglichen Anstrengung. Es sei daher nur folgerichtig, dass das vernetzte und automatisierte Fahren im Mittelpunkt dieser IAA stehe: "Im Kern geht es darum, dass wir einen Quantensprung realisieren können: für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, für den Schutz der Umwelt und für den Komfort des Autofahrers", unterstrich Wissmann. Der Autofahrer will auch unterwegs 'always online' sein. Das gilt weltweit. Die Digitalisierung schafft Flexibilität. Schon immer war das Auto Ausdruck individueller Freiheit. Automatisierung und Vernetzung machen den Fahrer jetzt noch unabhängiger. Er gewinnt eines der kostbarsten Dinge: Zeit. Künftig werden wir entscheiden können, ob wir auf freier Strecke selbst das Steuer in die Hand nehmen, oder, etwa im Stau, die Zeit für andere Aufgaben nutzen. Künftig könnten die intelligenten und stets aufmerksamen Assistenten eingreifen, sollte der Fahrer abgelenkt sein. So ließen sich viele Kollisionen von vornherein vermeiden. Experten zufolge spiele bei 90 Prozent aller Verkehrsunfälle menschliches Versagen eine Rolle. "Die Systeme kennen keine Schrecksekunde. Ermüdende Stopp-and-Go-Fahrten auf der Autobahn kann das Fahrzeug künftig selbst meistern. Auffahrunfälle werden so verhindert. In der Stadt, an unübersichtlichen Kreuzungen oder Ausfahrten können Sensoren und Kameras im Fahrzeug in Zukunft helfen, Kollisionen zu vermeiden." Die mühsame Suche nach einem Parkplatz in der Stadt werde in wenigen Jahren der Vergangenheit angehören: "In Echtzeit vermitteln die Systeme dann dem Fahrer eine freie Stelle. Und für weniger begabte Einparkkünstler übernimmt das Auto auch gern selbst das Rangieren. Da der Parksuchverkehr einen erheblichen Anteil am gesamten Stadtverkehr ausmacht, verringern sich auch Verbrauch und CO2-Emissionen. Hilfe im Stau, schneller und noch sicherer ankommen, keine Parkrempler mehr. "Das Autofahren der Zukunft macht mehr Spaß denn je!", sagte Wissmann. Klar ist aber auch: Die rasante technische Entwicklung stellt die Politik vor die große und wichtige Aufgabe, möglichst rasch den rechtlichen Rahmen anzupassen. Gefragt sei ein Schulterschluss mit der nationalen und internationalen Politik. Auch bei Datensicherheit und Datenschutz werden wir international harmonisierte Standards brauchen. "Die Automobilindustrie nimmt auch in diesem Bereich ihre verantwortungsvolle Rolle sehr ernst", betonte Wissmann. Für Deutschland als Automobil-Nation sei die Digitalisierung eine Chance, um international Vorreiter zu werden. Die Vernetzung des Verkehrs sei nicht allein Zukunftsaufgabe einer Branche, der weitreichende Wandel könne nur in Kooperation mit anderen Industrien gelingen. "Deutschland ist ein Industrieland. Und wir sollten alles dafür tun, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Nur im Lexikon steht 'Erfolg' vor 'Schweiß'. "2014 hat die deutsche Automobilindustrie über 130 Millionen Euro pro Werktag weltweit in Forschung und Entwicklung investiert - im Gesamtjahr sind das über 34 Milliarden Euro. Die Hälfte dieser Investitionen wird in Deutschland getätigt. Das ist ein gutes Drittel der gesamten industriellen Forschungsleistung hierzulande." Das zeigt, dass die Industrie bereit ist, mutige Entscheidungen zu treffen und voranzugehen", sagte Wissmann.