Die Automobile der Zukunft

Fotos: PR Renault

Elektrisches Fahren ist keine Vision mehr, sondern Realität!

"Die automobile Zukunft ist jetzt erfahrbar", sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Bis Ende 2014 sind 16 elektrifizierte Serienmodelle ' Made in Germany' im Handel, die rein batterieelektrisch betrieben werden oder mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor ausgestattet sind (Plug-in-Hybrid oder Range-Extender). Das Angebot reicht vom rein elektrischen Kleinwagen über Mittelklasse-Langstreckenfahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge bis hin zum emotionalen Sportwagen.

Die deutsche Automobilindustrie investiert allein in den nächsten drei bis vier Jahren 12 Milliarden Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe. "Die gesamte deutsche Industrie ist auf einem guten Weg, die Chancen der Elektromobilität für den Standort Deutschland zu nutzen", betont Wissmann. Die steigende Anzahl von Fahrzeugmodellen werde der Elektromobilität einen weiteren Schub geben. Im Jahr 2014 könnten einige Zehntausend Fahrzeuge verkauft werden. Mitte des Jahrzehnts möglicherweise auch schon eine sechsstellige Zahl. Dabei sollen die Nutzer zunächst im Dienstwagenbereich erreicht werden. Dies ist ein wirksamer Weg für die Markteinführung, da Dienstwagen in der Regel nur recht kurz beim Erstkäufer bleiben und dann über den Gebrauchtwagenmarkt den Fahrzeugbestand erweitern. Elektrofahrzeuge werden im Geschäftsumfeld aufgrund ihrer geringeren Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen deutlich attraktiver. "Wir begrüßen ausdrücklich den von der Bundesregierung beschlossenen Nachteilsausgleich für Elektrofahrzeuge. Zudem sehen wir einen großen Hebel bei Sonderabschreibungen für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge", so der VDA-Präsident.

Mit Blick auf die geplante europäische CO2-Regulierung, sagte Wissmann: "Innovationen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Gestaltung der Mobilität von morgen. Eine Möglichkeit zur Förderung von alternativen Antrieben sind die sogenannten Supercredits." Diese Mehrfachanrechnungen von besonders effizienten Fahrzeugen, die in der geltenden Regulierung bereits enthalten sind, belohnen Hersteller, die sehr emissionsarme Fahrzeuge besonders früh auf den Markt bringen. "Mit dem vorliegenden Vorschlag für Supercredits der EU-Kommission werden die Anreizeffekte jedoch verpuffen: Um eine wirksame Ausgestaltung von Supercredits sicherzustellen, müssen sie stärker berücksichtigt werden", forderte Wissmann.

Ex-EU-Energiekommissar Günther Oettinger nannte die Elektromobilität einen Schwerpunkt europäischer Energiepolitik. "Weil die Mobilität nicht an den Grenzen der Mitgliedsstaaten halt macht, ist es ein Gebot der Klugheit, hier für gemeinsame Standards zu sorgen", so Oettinger. Zudem stünde die Politik vor der Aufgabe, den Aufbau einer flächendeckenden Lade- Infrastruktur voranzutreiben. "Hier sollten wir uns eine Offenheit bewahren und sehen, in welche Richtung die Entwicklung in den kommenden drei bis fünf Jahren geht und wie eine Normierung auf europäischer Ebene dann aussehen kann." Auch Oettinger ging auf die geplanten CO2-Grenzwerte für Pkw im Jahr 2020 ein. "Die 95 Gramm sind sehr ehrgeizig, Industriepolitik und Klimaschutz müssen in Einklang gebracht werden", so der Ex-Kommissar. Daher plädiere er für eine "pragmatische, flexible Anwendung, mit einer stufenweisen Einführung und intelligenten Ausgestaltung von Supercredits."

Prof. Dr. Thomas Weber, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, hielt auf der letzten IAA einen Vortrag zum Thema "Zurück in die Zukunft: Elektromobilität zwischen Hype und Realität." Weber betonte: "Mit unserer Vision vom emissionsfreien Fahren sind wir längst im automobilen Alltag angekommen. Denn unsere Produktpalette umfasst bereits neun elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Und wir freuen uns sehr, dass auch andere Automobilhersteller mit ihren neuen Modellen zusätzliche Impulse auf dem Markt für Elektromobilität setzen." Barb Samardzich, Vizepräsidentin der Produktentwicklung Ford Europa meint dazu: "Elektrifizierte Antriebe sind ein wichtiger Bestandteil zukünftiger Mobilitätslösungen. Zur langfristigen Entwicklung eines nachhaltig erfolgreichen Marktes ist die Zusammenarbeit aller beteiligten Interessengruppen wie Gesetzgeber, Energieversorger sowie Elektro- und Automobilindustrie notwendig, um die Kosten für die Fahrzeugherstellung und Infrastruktur zu senken."

 

 

„In 2014 könnten einige Zehntausend Fahrzeuge verkauft werden. Mitte des Jahrzehnts möglicherweise auch schon eine sechsstellige Zahl.“

Dr. Urban Keussen, Bereichsleiter Technologie & Innovation der E.ON AG, erläutert den "Systemischen Ansatz" der Elektromobilität im Bereich der Energie. "Die Elektromobilität kommt in Fahrt, sie geht langsam aber sicher aus der Phase der Demonstrationsvorhaben in alltägliche Praxis über", sagte Dr. Keussen. "Der Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur verläuft parallel zu dieser Entwicklung. Heute wissen wir, dass die Nutzer ihre Elektroautos weit überwiegend im privaten Bereich - zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder beim Restaurantbesuch - aufladen. Öffentliche Ladestationen werden hingegen auch in Zukunft nur eine ergänzende Rolle spielen. Daher setzen wir als Energieunternehmen vor allem auf maßgeschneiderte Ladelösungen, die wir gemeinsam mit Kunden und Partnern realisieren."

Dr. Ingo Ramesohl von der Robert Bosch GmbH zeigte Veränderungen in der Wertschöpfungskette bei Bosch auf. "Mit unseren Stärken in Elektronik und Sensorik sehen wir gute Chancen, die Zukunft des Autos wesentlich mitgestalten zu können - bei der Elektrifizierung, der Automatisierung und der Vernetzung des Fahrens", so Ramesohl. Prof. Dr. Werner Tillmetz, Mitglied des Vorstandes des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung, ging auf die Batterie als Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität. "E-Fahrzeuge gewinnen weltweit schnell an Bedeutung. Für das Automobilland Deutschland ist es entscheidend, durch eine breite Kompetenz in der Schlüsseltechnologie Batterie die Wettbewerbsfähigkeit und die heimische Wertschöpfung zu sichern." Ralf Schmid, Vice President R&D, Business Unit Hybrid Electric Vehicle der Continental AG, erläuterte die Sicht eines Systemlieferanten auf die Elektromobilität. "Elektrifizierung nach Maß schließt mit 48 V Komponenten die Lücke zwischen einfachen 12 V Stopp-Start Systemen und Hochvolt-Hybridisierungen. Bei geringem Integrationsaufwand erschließt der ,48 Volt Eco Drive' bereits vieles an Funktionen und Verbrauchsvorteilen, die bisher dem Mild Hybrid mit seiner höheren elektrischen Spannung vorbehalten waren." Das Konzept stößt in der Branche auf breite Aufmerksamkeit, erste Kundenaufträge signalisieren einen Produktionsbeginn in 2016. "Nach der überhitzten Erwartungshaltung zur Elektromobilität werden nun immer mehr Elektrofahrzeuge in Serie produziert", sagte Dr. Thomas Schlick, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. Was die technologische Entwicklung der Elektromobilität betrifft, ist Deutschland im globalen Vergleich auf Augenhöhe mit den wichtigsten Industrienationen. Doch jetzt sollte der nächste Schritt folgen: Elektroautos sollten zu einem attraktiven Preis für den Endkunden auf dem Markt positioniert werden. Neben der allgemeinen Kundenakzeptanz für E-Fahrzeuge ist aber vor allem die Schaffung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur wichtig. Und dies erfordert ein geschlossenes Konzept von Industrie und Politik.

Und natürlich sind die einzelnen Marken-Vertreter stolz auf ihre Innovationen. Dr.-Ing. Peter Gebhard von der Audi AG: "Der A3 e-tron ist, wie jeder Audi, in jeglicher Hinsicht alltagstauglich: Ob Sie lokal emissionsfrei zum Einkaufen oder in die Arbeit fahren wollen, oder spontan eine weite Überlandstecke - das kann Ihnen der A3 e-tron unkompliziert bieten. Und das bei einem CO2-Ausstoß von nur 35 g nach ECE-Norm." Markus Krieg von der BMW AG meint: "Elektromobilität ist für die meisten Menschen etwas vollkommen neues und wirft daher viele Fragen auf. Um den Kunden für die Elektromobilität zu gewinnen, sind diese Fragen zu adressieren. Daher vereint BMW i unter dem Dach von 360°ELECTRIC eine Vielzahl innovativer Produkte und Services, die das elektrische Fahren zu einem komfortablen Erlebnis und absolut alltagstauglichen Vergnügen machen: vom einfachen Aufladen zu Hause über die komfortable Nutzung einer stetig wachsenden Ladesäuleninfrastruktur unterwegs bis hin zur vernetzten Navigation und der Möglichkeit, mit BMW Add-on Mobility konventionelle Fahrzeuge für Urlaubsfahrten zu nutzen. Krieg: "Außerdem unterstützt BMW i die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen und stellt in Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern unterschiedliche Grünstromprodukte zur Wahl." Dr. Christine Haller von der Daimler AG ergänzt: "Elektromobiliät ist mehr als nur Autofahren. Nur wer dem Kunden auch ein überzeugendes Servicepaket anbietet, wird langfrisitig am Markt erfolgreich sein. Deshalb haben wir diesen Faktor schon sehr früh in unserer Produktplanung verankert." Und Dr. Christian Kunstmann von der Adam Opel AG meint: "Über den Erfolg der Elektromobilität entscheidet letztlich der Kunde."

Und Volkswagen lädt das Modellspektrum mit dem ersten Elektrofahrzeug der Marke auflädt - dem neuen e-up! Als Doppelschlag in Sachen Elektromobilität wird dem viersitzigen City- Spezialisten ein weiterer Zero-Emission Volkswagen folgen. Volkswagen elektrisiert das erfolgreichste europäische Auto aller Zeiten: den Golf. Der mehr als 30 Millionen Mal verkaufte Bestseller avanciert so zum e-Golf. "Dank innovativer Detaillösungen gehen beide e-Fahrzeuge besonders sparsam mit der eingesetzten Energie um", verspricht Thomas Lieber von der Volkswagen AG.