Das Haus im Jahr 2050

Foto: OKAL Haus GmbH

So modern wird unser Lebensraum

An unser Zuhause stellen wir heute vielfältige Anforderungen. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns mit vier Wänden, dem Dach und ein paar Fenstern zufrieden gegeben haben. Ein Haus produziert heute seinen eigenen Strom, filtert unser Trinkwasser, muss fast nicht mehr geheizt werden und ist im besten Fall aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt. Doch wie werden wir in 40 Jahren leben? Disy sprach mit André Findeisen von OKAL Dresden über das Haus 2050.

Was könnte man den am Haus überhaupt noch verbessern?
Findeisen: Unsere heutigen Häuser sind tolle Produkte, das stimmt. Doch der Hausbau ist eine wahre Innovationsschatzkiste. Eine große Herausforderung liegt zum Beispiel darin, auf wenig Raum viel Platz zu schaffen. Bisher hat man vor allem in die Höhe gebaut. Da gibt es eine Reihe von ideenreichen Konzepten wie man auch auf einer Ebene mehr Raum schaffen kann.

Zum Beispiel?
Findeisen: Das Projekt CUBITY ist in dieser Hinsicht sehr innovativ. Das Konzept nennt sich "Dorf im Haus" und das ist eine treffende Beschreibung. Es ist ein Haus-im-Haus-Prinzip. In einer großen Halle stehen zwölf Wohnmodule, so genannte Cubes. In der Mitte befindet sich ein Gemeinschaftsbereich. Außerdem gibt es einen Kochbereich und Terrassenbereiche als Rückzugsmöglichkeit. Der einzelne Bewohner hat einen kleineren persönlichen Quadratmeteranteil für Schlafen, Arbeiten u.a.. Gerade für Städte mit Universitäten ist das ein interessantes Konzept.

„In Zukunft wird es flexible Wände geben.“

Foto: Jens Kirchschläger

Was sind weitere Möglichkeiten, den wenigen Raum, den wir zur Verfügung haben, effektiver zu nutzen?
Findeisen: In Zukunft wird es flexible Wände geben. Das bedeutet nicht, dass man eine Trennwand hin und her schiebt. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Haus und erwarten Besuch. Ihr Wohnzimmer hat normalerweise 20 Quadratmeter. Doch um alle Gäste unterzubringen, wären zehn Quadratmeter mehr schön. Mit dieser Technik versetzt sich die Wand selbstständig, so dass die Größe des Raumes dynamisch verändert wird. Brauchen Sie gerade mehr Platz in der Küche? Kein Problem, einfach die Wand verschieben.

Funktioniert das über Schienen?
Findeisen: Nein, das wird über kleine Raupen gelöst, die die Wände fahren.

Immer wieder hört man auch von moderner Haussteuerung mit Tablet-Computern und Smartphones. Was erwartet uns da?
Findeisen:
In unseren Häusern bieten wir jetzt schon das myGEKKO System an. Das wird bald die komplette Energiesteuerung übernehmen. Zum Beispiel wird es dann nicht nur möglich sein, der Waschmaschine zu sagen, dass sie bis 16 Uhr fertig sein soll. Das Haus wird sie auch erst dann anmachen, wenn das Waschen gerade besonders günstig ist.

Wann wird sich das Haus selbst versorgen können?
Findeisen: Auch daran arbeiten wir. Häuser werden bald selbst so viel Energie produzieren, dass sie sie an die Umgebung abgeben können. Diese Aktiv-Häuser reagieren auf Veränderungen in der Umgebung, stellen also Solarpanel richtig auf, gleichen ihren kompletten Energieverbrauch auf nachhaltige Weise aus und messen kontinuierlich alle Energieströme.

Wie funktioniert das?
Findeisen:
Zum Beispiel, in dem man Photovoltaikanlagen nicht mehr nur auf dem Dach platziert, sondern auch die Fassade nutzt. Außerdem werden Häuser weniger Energie benötigen, weil sie intelligenter gedämmt sind. Sie sind mit den Häusern in der Umgebung vernetzt und geben zu viel erzeugte Energie ab. Interessant ist auch ein Projekt, bei dem Elektroautos Energie, die sie während der Fahrt gesammelt haben, an das Haus abgeben. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Auto zwei Batterien hat, eine zum Fahren und eine, die aufgeladen wird.

Stichwort Nachhaltigkeit: Was erwartet Kunden hier?

Findeisen: Schon heute ist das Hauptmaterial unserer Häuser Holz - ein nachwachsender, recyclbarer Rohstoff. Ab 2015 bekommt jedes Haus ein Zertifikat für Nachhaltigkeit gemäß des DGNB e.V.. Das berücksichtigt neben den genutzten Materialien auch Faktoren wie die umweltfreundliche Herstellung, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und das soziale Engagement des Unternehmens. Kunden können mit diesem Argument auf geringere Zinsen bei der Bank hoffen.