Das Gold der Schotten

Sprichwörter haben meist zweifelhafte Deutungen. „Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps.“ Wirklich? Auf jeden Fall ist Whisky nicht gleich Whisky und schlechte Vertreter ein Frevel. Guter Malt dagegen ist für Kenner von höchstem Genuss. Traditionen, die meist mehrere hundert Jahre zurückreichen, sind fester Bestandteil der Destillerien. Disy men ist dem Mythos des goldenen Schotten-Wassers nachgegangen.

Es kann nur einen geben

Unzählige Versuche sind gescheitert, schottischen Malt Whisky außerhalb des Heimatlandes zu brennen. Die Japaner haben sogar eine Stadt in Aberdeen umbenannt, damit wenigstens auf dem Etikett ein schottischer Name steht. Aber nur schottischer Whisky ist schottischer Whisky, weil Schottland ist, wie es ist. Wissenschaftliche Analysen haben ergeben, dass bis zu 800 chemische Bestandteile in dem rauen Wasser enthalten sind. Wie die einzelnen Komponenten aufeinander wirken, konnte nicht ermittelt werden. Somit bleibt Whisky eine magische Substanz.

Von den Anfängen
Mehr als 700 legale Malt-Destillerien zählte Schottland am Anfang des 18. Jahrhunderts, heute sind es weniger als neunzig. Der große Erfolg des schottischen Malt ist Verdienst der William Grant & Sons Ltd., die zu Beginn der 1960er-Jahre die Marke Glenfiddich in die Welt außerhalb der Highlands exportierte. Für Marketingstrategen ist der schottische Malt ein Selbstläufer, bei einer Geschichte von zwei Jahrhunderten voller Geheimnisse, Schwarzbrennerei und Schwarzhandel auch kein Wunder.

Wer hat‘s erfunden?
Die Chinesen. Was unglaublich klingt, ist Realität. Wie das Papier und das Schießpulver, so geht auch das Destillieren auf das Konto der Asiaten. Bereits 800 v. Chr. haben sie aus Reis einen hochprozentigen Alkohol und Likör hergestellt. Aber nicht nur beim Gewinnen von Alkohol kam das Verfahren zum Einsatz. Hippokrates wandte um 400 vor unserer Zeitrechnung diese Methode an, um Medizin herzustellen. Die Asiaten übernahmen das Destillieren sogar für die Produktion von Parfüm. Sie waren es auch, die die Kunst mit nach Europa brachten. Irische Missionsmönche nahmen schließlich das Verfahren mit auf die Inseln.

Helden der ersten Stunde
Als „The big five“ werden heute noch andächtig Peter Mackie, John Haig und vor allem James Buchanan, John Dewar und Johnnie Walker genannt. Diese fünf Männer haben besonders der Branche auf den Weg zu ihrem heutigen Erfolg verholfen. Sie haben sozusagen den Whisky aus den Fässern der Händler herausgeholt, in Flaschen abgefüllt und damit Marken geschaffen, die in der ganzen Welt bekannt sind.

Aus drei mach eins
Für die Herstellung von Whisky braucht man nur drei Grundstoffe: Gerste, Wasser und Hefe. Um guten Malt zu produzieren, ist eine Gerste mit ausreichend Kohlenhydrat-Anteil und niedrigem Stickstoffgehalt sowie das richtige Verhältnis von Stärke und Proteinen notwendig. Beim Wasser behauptet eigentlich jede Destillerie, das beste zu haben. Unterschiede im Endprodukt ergeben sich beispielsweise aus dem Härtegrad des Wassers oder aus der jeweils verarbeiteten Wassertemperatur. Die Hefe vermehrt sich im Zuge des Prozesses schlagartig, ernährt sich vom Zucker in der Würze und wird am Ende durch den dabei produzierten Alkohol abgetötet. Was so einfach klingt, ist natürlich ein hoch komplizierter Vorgang, bei dem sich keine Destillerie Schottlands in die Karten schauen lässt. Das Ergebnis ist Whisky Malt, mit einer individuellen Charakteristik und unverwechselbarem Geschmack.

Ausgesuchte Destillerien

Lagavulin
Der Name stammt aus dem Gällischen und bedeutet so viel wie „Mühle in der Senke“. Der Malt ist typisch für den Charakter Islays, der Heimatinsel Lagavulins. Geschmack und Note werden den Bächen zugeschrieben, aus welchen das Wasser für die Zubereitung gewonnen wird. Er ist nachhaltig, scharf und wird nach 16 Jahren abgefüllt.

 

The Glenlivet
Offiziell reicht die Geschichte bis ins Jahr 1815 zurück, aber es wurde sicherlich schon lange vorher Whisky gebrannt. Glenlivet gilt als Premier Malt Whisky und Klassiker. Dabei ist der erste Schluck eher enttäuschend, seine Tiefe eröffnet sich erst mit der Zeit. Heute ist The Glenlivet der meistverkaufte Single Malt in Amerika und wird als Zwölf- und 18-Jähriger abgefüllt.

Glen Grant
Eine der erfolgreichsten Destillerien in Schottland. Gründer John Grant begann seine Karriere mit dem Schmuggel von schwarz gebrannten Highland-Whiskys. Heute werden bis zu 90.000 Hektoliter jährlich erzeugt. Dabei ist der fünfjährige Malt der Exportschlager. Sogar 50-jähriger Malt ist in der Produktpalette zu finden.

 

 

 

 

The Glenlivet
Offiziell reicht die Geschichte bis ins Jahr 1815 zurück, aber es wurde sicherlich schon lange vorher Whisky gebrannt. Glenlivet gilt als Premier Malt Whisky und Klassiker. Dabei ist der erste Schluck eher enttäuschend, seine Tiefe eröffnet sich erst mit der Zeit. Heute ist The Glenlivet der meistverkaufte Single Malt in Amerika und wird als Zwölf- und 18-Jähriger abgefüllt.

Fotos: Buch "Malt Whisky", Delius Klasing Verlag, PR Charbay Whiskey