Coronavirus: Was Reisende jetzt beachten sollten

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Berlin/Düsseldorf – Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 ist in Deutschland angekommen. Inzwischen lassen sich nicht mehr alle Infektionsketten nachvollziehen. Die Mehrzahl der Betroffenen hat das Virus nicht importiert, sondern sich im Land selbst angesteckt. Ein reines Reisephänomen sind Sars-CoV-2 und die von ihm verursachte Erkrankung COVID-19 somit nicht mehr. Dennoch stellt die Reisesituation immer eine besondere Herausforderung dar, wenn es darum geht, Keime zu vermeiden, betont das CRM Centrum für Reisemedizin. Auf einer Pressekonferenz, zu der das CRM am Freitag, den 6. März 2020 in Berlin einlädt, werden Experten unter anderem diskutieren, was das neue Virus speziell für Reisende und Geschäftsreisende bedeutet.


Nach wie vor liegt der Schwerpunkt der Sars-CoV-2-Epidemie in der chinesischen Provinz Hubei, in der der Erreger im Dezember 2019 zuerst aufgetreten ist. Dort wurde das Virus mittlerweile bei über 67 000 Menschen nachgewiesen (Stand 03.03.20), in ganz China liegt die Zahl bei rund 80 000. Etwas mehr als 10 000 weitere Infektionsfälle gibt es in 71 weiteren Ländern weltweit, davon 165 in Deutschland.

 

„In den meisten Weltgegenden ist das Risiko einer Ansteckung noch immer gering“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Die Situation entwickle sich jedoch sehr dynamisch. Wer vorhabe zu verreisen, solle sich daher stets über die aktuelle Lage im Zielland informieren – etwa auf den Seiten des Auswärtigen Amtes (Link siehe unten), das für Reisewarnungen zuständig ist. Dort wird derzeit nur vor Reisen in das schwer betroffene Hubei gewarnt. Von nicht notwendigen Reisen in andere Regionen mit erhöhten Infektionszahlen – darunter eine Stadt und eine Provinz in Norditalien – wird lediglich abgeraten. Ebenfalls informieren sollte man sich über die aktuellen Reiseverbindungen zu oder aus den betroffenen Regionen: Viele Fluggesellschaften streichen derzeit Flüge, manche Länder verweigern Passagieren aus Risikogebieten die Einreise.

 

Wer sich in einem Risikogebiet aufhält oder in den vergangenen 14 Tagen von dort zurückgekehrt ist, sollte umgehend einen Arzt konsultieren, sobald er die erkältungsähnlichen Symptome einer COVID-19-Erkrankung an sich bemerkt. „Am häufigsten treten Fieber, ein trockener Husten und Kurzatmigkeit auf“, erläutert Jelinek. Bei rund 80 Prozent der Patienten verlaufe die Erkrankung mild mit nur leichten bis mittleren Erkältungssymptomen. Bei rund 20 Prozent komme es zu einer heftigeren Lungenentzündung, die bei rund jedem Vierten (6 Prozent aller Erkrankten) einen schweren bis kritischen Verlauf nehme.

 

Eine Impfung gegen Sars-CoV-2 gibt es bislang nicht. Wer in eine Region mit erhöhtem Ansteckungsrisiko reist, muss sich daher auf die allgemeinen Regeln zum Infektionsschutz verlassen. „Die mit Abstand wirksamste Maßnahme ist das häufige und sorgfältige Händewaschen“, sagt Jelinek. „Dieses sollte man prinzipiell auf Reisen beachten.“ Hierfür reichten im Prinzip Wasser und Seife aus, auf Reisen mit womöglich eingeschränktem Zugang zu Waschgelegenheiten seien jedoch alkohol-basierte Desinfektionssprays zu empfehlen. Mit den Händen sollte zudem nicht ins Gesicht gefasst werden, denn über die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund gelangen die Viren leicht in den Körper. Zu offensichtlich erkälteten Personen sollte Abstand gehalten werden. „Eine Gesichtsmaske empfiehlt sich dann, wenn man sich selbst nicht ganz gesund fühlt“, so Jelinek. Der Mundschutz helfe dabei, den beim Husten oder Niesen entstehenden virushaltigen Sprühnebel zurückzuhalten. Die handelsüblichen Produkte schützten jedoch nicht vor einer Infektion. Hierzu wären sogenannte partikeldichte Masken notwendig, durch die das Atmen jedoch langfristig sehr anstrengend wird. Selbstverständlich sollte zudem die sogenannte Niesetikette sein: Beim Husten oder Niesen den Mund mit der Ellenbeuge oder einem Taschentuch bedecken, das Tuch sofort entsorgen und die Hände waschen.

 

Da eine Sars-CoV-2-Infektion manchmal auch mit Durchfall einhergeht, ist auch eine Übertragung per Schmierinfektion vermutlich nicht ausgeschlossen. „Gerade auf Reisen, wenn man sich sein Essen häufig nicht selbst zubereiten kann, sollte daher auf eine gute Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene geachtet werden“, sagt Jelinek.

 

Trotz der fortschreitenden Ausbreitung von Sars-CoV-2 mahnt das CRM dazu, andere Gesundheitsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren: Das Erkrankungs- und Komplikationsrisiko durch eine Influenza ist immer noch deutlich höher als durch das neue Virus, heißt es auf der Website des CRM (Link siehe unten). Es wäre daher viel gewonnen, wenn möglichst viele Reisende, aber auch Nicht-Reisende, gegen Influenza geimpft wären. Dann ließen sich auch Doppelinfektionen und unnötige COVID-19-Verdachtsfälle vermeiden.