Blind Date auf dem Meer - oder wie gut es ist, sich überraschen zu

Eine Blind-Date-Segeltörn mit lauter fremden Singles? Vier Tage auf der Ostsee? Ich war mehr als skeptisch, zumal ich den festen Boden unter meinen Füßen sehr schätze und überhaupt keinen Small-Talk kann. Dazu kam der kürzlich erlittene Schiffbruch in der Liebe. Doch Martina, die vor einem Jahr bereits die gleiche Tour über die Kontaktbörse Datingcafe.de gebucht hatte, klingt einfach nur begeistert. Also gebe ich mir doch einen Ruck und fahre nach Kiel. Raus aus dem Alltag, rauf aufs Schiff, rein ins Abenteuer.

In den folgenden vier Tagen kann ich meine Meinung über schwankende Planken und schleppende Gespräche mit anderen ‚suchenden’ Singles dann glücklich über Bord werfen – es wird überraschend großartig. Nicht, dass mir bei viel Seegang nicht auch mal mulmig wird – aber das geht fast allen so. Wie ich sind die meisten anderen Teilnehmer am Anfang ein wenig unsicher, bis Reiseleiter Michael mit einer witzigen und richtig netten Kennenlernrunde den Bann brechen kann. Schlafen werden wir in Vier-Bett-Kabinen, Frauen und Männer getrennt. Als uns Steuermann Frans gleich an die Arbeit schickt und wir gemeinsam die sieben Segel des wunderschönen Dreimasters setzen, fühlen wir uns schon so wohl, dass sich kleine Gruppen bilden, in denen geschwatzt und gelacht wird. Eine Crew übernimmt den wechselnden Küchendienst (gar nicht so leicht, für 35 Leute zu kochen). Andere arbeiten weiter an Deck und wieder andere bereiten die Zutaten für den geplanten Cocktail-Abend vor.

Dänische Südsee wird der Teil der Ostsee genannt, den wir auf der Regina Maris in den nächsten Tagen durchkreuzen wollen. Bis auf einen Tag mit Regenschauern und rauer See bleibt uns das sonnige Wetter dabei treu und die gute Stimmung innerhalb der Gruppe hält tatsächlich die ganze Zeit über an. Obwohl die Zusammensetzung unserer kleinen Gruppen sich immer wieder ändert, wird niemand ausgeschlossen. Zwei Pärchen scheinen sich am nächsten Tag gefunden zu haben. Und trotzdem fühlt sich das Zusammensein mit den anderen hier nicht nach Verkuppelt-werden an. Es ist einfach nett, Leute kennen zu lernen, mit denen gearbeitet, gelacht, gespielt und gefeiert wird. Wir unternehmen Landgänge, singen in einer kleinen Kneipe laute Lieder mit den Einheimischen und hüpfen bei der Abschiedsparty tanzend übers Deck.

Vier Tage lang kann sich kaum jemand konsequent verstellen – so wusste ich von Anfang an, dass ich mit Paul eine Menge Spaß haben würde, sicherlich auch eine Liebelei, aber keine lebenslange Partnerschaft. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall – es war eine unvergessliche Reise, die ich bei Gelegenheit bestimmt wiederholen werde.