Beste Freundinnen - Wem Frauen ihr Herz ausschütten

Zwei beste Freundinnen: Hildegard und Ingrid 1964 in Warnemünde (Foto: Privatbesitz)

Bekanntschaften, Zweckbündnisse, Netzwerke, Kumpelrunden – sie alle sind wichtige soziale Beziehungsbörsen, doch der Geselligkeitsfaktor allein macht sie noch nicht zu Freundschaften. Was also macht zwei Frauen zu besten Freundinnen?


Durch das Fenster des Café Central sieht man eine blonde und eine dunkelhaarige Frau, die sich gegenübersitzen. Beide sind Anfang dreißig. Während die eine erzählt, hört die andere aufmerksam zu. Am Gesicht der blonden Frau kann man ablesen, welche Gefühle der Bericht der dunkelhaarigen in ihr auslöst. Erstaunen, Unglauben und Freude wechseln sich ab. Gelegentlich, wenn sie etwas sagen will, ergreift die blonde die Hand der anderen Frau. Unschwer kann man erkennen: Diese beiden Menschen verbindet etwas Besonderes. Sind sie beste Freundinnen?
Bekanntschaften, Zweckbündnisse, Netzwerke, Kumpelrunden – sie alle sind wichtige soziale Beziehungsbörsen, doch der Geselligkeitsfaktor allein macht sie noch nicht zu Freundschaften. Auch verbindet die beiden Frauen im Café mehr als der Gedanke an den beiderseitigen Nutzen. Was aber macht zwei Frauen zu besten Freundinnen?
„Wenn ich Zeit mit Sara verbringe“, erklärt Christiane (27) aus Bad Doberan, „dann geht es mir nicht nur um Unterhaltung und Spaß, sondern vor allem um Beistand und Unterstützung.“ „Für mich ist Anne der Mensch, der mir ohne Vorbehalte sagt, was er wirklich über mich denkt. Wer sonst würde das tun, wenn nicht meine beste Freundin?“ Für Dana (45) aus Rostock ist Anne (44) der untrügliche Spiegel, den sie für ihre persönliche Weiterentwicklung braucht. Nicht einmal ihr Mann darf ihr auf diese schonungslose Weise die Wahrheit sagen, egal ob es sich um eine missglückte Kleiderwahl oder um eine Entgleisung auf einer Party handelt.
„Mir ist wichtig“, überlegt Simone (47), „dass Beate und ich uns ungefähr gleich viel anstrengen, um uns zu verstehen. Ich hatte mal eine Freundin – sie war nicht meine beste, und ich war auch noch sehr jung –, die hat immer nur ja, ja gesagt, wenn ich ihr von mir erzählt habe. Die hat überhaupt nicht zugehört. Dafür hat sie aber von mir umso mehr Aufmerksamkeit gefordert. Das ist bei Beate anders.“ Simone legt wert darauf, dass ein Gleichgewicht im beiderseitigen Bemühen um die Freundschaft herrscht. Für sie ist liebevolle Anteilnahme an den Alltagsproblemen wie an den großen Schicksalsschlägen das entscheidende Kriterium.
Es tut gut, gemeinsam mit der vertrauten Freundin etwas zu unternehmen. Das kann ein Theaterbesuch oder ein Shopping-Nachmittag, ein gemeinsames Frühstück oder auch ein zusammen verbrachtes Wellness-Wochenende sein. „Doch um solche Unternehmungen und den damit verbundenen Spaß geht es nur auf den ersten Blick“, gibt Sara (27) zu bedenken. „In Wahrheit sind das nur immer neue Konstellationen, auf deren Basis ich versuche, Christiane noch besser zu verstehen.“ Freundschaft als Selbstzweck.
Ob die beiden Frauen, die wir durch die Scheibe des Café Central beobachten, ihre Freundschaft wohl so erleben? Ist sie eine innige Beziehung, die auf wechselseitigem Verständnis beruht? Ist sie ausgewogen und erfüllt von aktivem Bemühen? Besteht sie allein um der Person des anderen willen?
Freundschaften, ob zwischen Frauen oder Männern oder gemischt, sind bei uns Deutschen so gefragt wie seit langem nicht mehr. Die starke Individualisierung der Gesellschaft hat traditionelle Gemeinschaften wie Gemeinde, Familie und Ehe in die Ecke gedrängt. Keins dieser sozialen Gefüge scheint mehr auf Dauer sicher. Einsamkeit und soziale Entwurzelung machen uns immer mehr zu schaffen. Kein Wunder, dass vier von fünf Deutschen heute angeben, dass sie enge Freunde haben, im Schnitt sogar drei davon, mit denen jeder Zweite mindestens einmal pro Woche, jeder Vierte sogar täglich Kontakt hat. Die Erwartungen, die wir an unsere Freundschaften knüpfen, sind äußerst vielfältig. Sie entwickeln sich aus den individuellen Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens im Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen machen. Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft. Männer suchen öfter einen Squash-Partner, Frauen eher eine Seelenverwandte.
Männerfreundschaften gehen häufiger durch räumliche Trennung auseinander. Bei Frauen ist nicht selten eine dritte Person Ursache eines Bruchs. Ostdeutsche legen mehr Wert auf Hilfsbereitschaft und Loyalität, während Westdeutsche Offenheit und emotionale Anteilnahme schätzen. Für Männer sind Frauenfreundschaften ein geheimnisvolles Terrain, zu dem sie kaum Zugang haben. „Wenn Simones beste Freundin Beate zu Besuch ist, dann sitzen sie zusammen in der Küche, und ich ziehe mich ins Wohnzimmer zurück“, sagt Thomas (50). „Ich höre das Murmeln ihrer Stimmen und ihr Lachen. Manchmal kichern sie zusammen wie kleine Mädchen. Oder es ist eine ganze Weile still. Dann frage ich mich immer, was sie machen.“
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(Autorin: Diane Winkler, Disy Rostock Herbst 2006)


Zwei Teile eines Ganzen: Patricia und Jenny auf der Wiese vor der Uni Rostock (Foto: TextGestalt Verlag).