Belugawale und Eisbären zum Greifen nah

Churchill - ein Safariparadies im Norden Kanadas

Wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung gehören zu den faszinierendsten Anblicken auf unserer Erde. Einen Eisbären schwimmen sehen, Belugawale auf der Jagd beobachten oder einfach die atemberaubende Schönheit der Natur genießen - das können Sie in Churchill in Kanada. Lesen Sie über ein Abenteuer am anderen Ende der Welt.

Text und Bild: Jörg Ehrlich


Nanook – der Eisbär

Unvergesslich ist er, der Anblick der schneeweißen Eisbären im tiefroten Feuerlilienmeer, so wie ich ihn in der Nähe der kleinen Stadt Churchill an der Hudson-Bucht erleben durfte. In aller Ruhe trottete der gewaltige Eisbär durch das doch so untypische Umfeld. Normalerweise stellen wir Menschen uns diese gewaltigen Tiere ja eher auf Eisschollen oder in Winterlandschaften vor. Nicht so im Sommer in Ostkanada. Hier im Reiche der Eisbären findet man die Tiere im Juli gern mal an Land. Oder beim Schwimmen und Fischen im offenen und eisfreien Wasser der Bucht. Ideal für mich, um mit einem kleinen Beobachtungsboot auf Pirschfahrt entlang der Ufer zu gehen. Eine Woche lang hatte ich so das Glück, fast jeden Tag Eisbären zu erspähen. Mal im Wasser schwimmend, mal am Ufer rumtollend, oft auch mit den Jungtieren gemeinsam beim Spielen. Die Polarbärenhauptstadt trägt ihren Namen - wie ich meine, zu Recht. Bis zu durchaus zehn Meter Abstand lassen uns die Eisbären heran, wenn sie im Wasser schwimmend, sich fortbewegen. Das sind die besten Beobachtungserlebnisse, die Churchill im Sommer bieten kann. Pure Begeisterung auf Polarbärensafari.

Belugas – weiße Wale…

Doch nicht nur die Eisbären konnte ich in Churchill aus der Nähe beobachten, es gibt hier auch noch andere sagenhaft schöne Tiere, ebenso ganz in Weiß: Belugas, wie die Weißwale genannt werden, sind tatsächlich reinweiß und im Sommer zu tausenden in der Bucht der Hudsonbay anzutreffen. Ob aus dem Zodiak auf dem offenen Meer oder gar beim Schnorcheln, diese teilweise recht neugierigen Meeressäuger sind faszinierend. Und atemberaubend nah zu beobachten. Bei einem Schnorchelausflug gelang es mir, eines der Tiere sogar zu berühren. Ich brauchte mich nur mit meiner kleinen Unterwasserkamera ruhig zu verhalten und siehe da - ein neugieriges Tier stupste mich am Bein. Unvergesslich. Noch beeindruckender sind für mich die Neugeborenen, die man auf Grund der grauen Farbe sofort von den anderen Tieren unterscheiden kann. So lange die Jungtiere noch von der Muttermilch leben, ist die Hautfarbe noch grau, später ändert sich die Färbung und die Tiere sind reinweiß, was für ein majestätischer Anblick. Nur auf rasante Sprünge aus dem Wasser wartete ich vergebens, doch auch ein weißer Rücken kann entzücken.... Plötzlich musste es schnell gehen: Eine Gruppe aktiver Belugas tollte miteinander und siehe da, ab und zu sprang auch mal einer aus dem Wasser. Federleicht schienen sich die Tiere im Ozean zu bewegen. Beeindruckend.

Idyllische Blockhütte & Nordlichter

Als "home away from home" erwies sich mir die "Lazy Bear Lodge" inmitten der Kleinstadt Churchill gelegen. Der Besitzer Walter Daudrich begrüßt tatsächlich alle seine Gäste höchstpersönlich und sogar auf Deutsch. Die gemütliche Lodge wurde von Hand aus Baumstämmen des angrenzenden borealen Waldes gefertigt und ist damit einzigartig in der Gegend um Churchill. In dem gemütlichen Speisesaal werden hausgemachte nordische Speisen serviert, wie Roastbeef vom Moschusochsen oder gebratene Bachsaiblinge aus der Hudson Bay. Im Juli ist es mehr als 18 Stunden hell, so ist es schon ein wenig außergewöhnlich, in dieser Jahreszeit auch Nordlichter erspähen zu können. Kurz nach Mitternacht hatte ich doch tatsächlich das Glück des Ausdauernden: Mehrere Minuten hüpften zart grüne Schweife über den nächtlichen Himmel - Nordlichter...

Kalt, kälter, Kanada – im Winter

Noch bessere Gelegenheiten, Nordlichter am abendlichen Himmel zu sehen, bietet natürlich der kalte und schneereiche kanadische Winter. Bereits im Oktober ist die Hudsonbucht zugefroren, die Eisbären fühlen sich dann erst so richtig wohl. Immer wieder jagen sie Robben, die an den wenigen offenen Meeresstellen zu finden sind. Als Besucher kann man den "König der Arktis" im Winter mit einem geländegängigen hochbockigen Allradfahrzeug in der schneebedeckten Tundra beobachten. Mit etwas Glück kommen die dann neugierigen Bären sogar direkt bis an das Beobachtungsfahrzeug heran. So nah kann man Eisbären nicht einmal im Zoo erleben... Und im bis zu minus 40 Grad kalten Winter sind die Sitzplätze in unmittelbarer Nähe des knackenden Kaminofens der "Lazy Bear Lodge" eigenartigerweise besonders beliebt... Herzlich Willkommen im Eisbären- und Belugaland!