Bean & Beluga - Bautzner Landstraße 32

Also ganz ehrlich, man sollte es sich schon regelmäßig mal gönnen: einen Besuch im bean&beluga - da auf der anderen Elbseite. Für uns von der Striesener Redaktion aus praktisch ein Katzensprung, doch gefühlt durch die Trennung von Blauem Wunder und Schillerstraße kommt es uns fast wie ein Ausflug vor. Ein Sonntagsausflug, zugegeben.

 

Nach dem Trubel des Tages empfängt uns aufgeräumte Ruhe in minimalistischem Ambiente, und ein stets charmanter (wenn es gäbe) mindestens Zwölfsterne-Restaurantleiter Jens Pietzonka ist der perfekte Gastgeber – stilvoll, aber nicht peinlich penibel, unterhaltsam, aber nicht aufdringlich, serviceorientiert, aber nicht unterwürfig. Ein kurzes, ebenso minimalistisches, trotzdem herzliches „Hallo“ des Chefgastgebers und Michelin-Sterne-Koches Stefan Herrmann, und dann geht es nach oben in den Gastraum. Die dunkleren Tapeten sind edel, aber dezent mit Swarowski-Steinen besetzt. Die Tische dafür sind an diesem Abend nicht besetzt. Die Atmosphäre im leeren Gastraum wirkt am Anfang etwas angespannt. Doch es ist nur eine Art „Reset“ – Phase, bevor die Sinne von Alltag auf Genuss-Urlaub gesetzt werden.

Zuerst sind es die Weine, die uns in den Gourmethimmel entführen. Ein 2010er Weißburgunder von Arndt Köbelin aus Baden zu den Jakobsmuscheln mit Petersilienwurzel und Weißem Trüffel. Ja, so haben wir uns das vorgestellt. Die Stimmung steigt. Die fundierte Einführung zum nächsten edlen Tropfen schmückt Jens Pietzinka mit einer netten Geschichte. Schön. Der 2009er Chenin Blanc von David de Trafford aus Stellenbosch – he, der hat es nicht nur „in sich“, der hat es auch „drauf“. Dazu Hummer mit Schwein, Erbsen und Minze. Yes, he can! Stefan Herrmann, you are super! Es folgt: Taube. Orientalisch mit Feigen und Grünem Pfeffer. Tja, hier scheiden sich für gewöhnlich die Geister, und auch bei unserem Testessen geht hier die Genießer-Gemeinschaft auch kurzzeitig getrennte Wege. Der weibliche Geschmack genießt tapfer, der männliche schwelgt in vollen Zügen. Taube ist halt, naja, eben Taube. Die meisten Köche selbst schwärmen davon, auch Stefan Hermann würde dieses Gericht aus seiner eigenen Karte zu seinem persönlichen Lieblingsgericht küren. Wir sind wie immer ehrlich: Wir nicht! Dafür fast alle anderen. Der Wein, ein 2006er

Chateau Mangot Grand Cru. St. Emilion, schmeckt königlich distanziert. Irgendwie erhaben, als ob er genau weiß, was er wert ist. Die Nachspeise, Quitte mit Frischkäse und Karamell, hat ebenfalls eine gewisse Distance, schmeckt fein, eher kernig als süß, unerwartet. Man lernt sich kennen und steigert den Genuss. Mit bean&beluga sollten Sie es ebenso halten: Kennenlernen und den Genuss steigern. Falls Sie nicht schon Stammgast sind.

 

Fazit: Ein Besuch im bean&beluga ist ohne Frage „ein Muss“ in Sachen Gourmet in Dresden. Es ist ein guter Anwärter auf Platz 1 der Gesamtwertung des Disy-Restaurant-Kritikers, zumindest solange Mario Pattis nicht wieder zurück ist.