Gut zu kaufen muss gelernt sein

Foto: Daniel Scholz

Arturo Prisco, Stoffhändler und Investor - einst verkaufte er Bücher in Italien, heute edle Stoffe für hochkarätige Modeschöpfer in München. Seit 1982 wird zweimal im Jahr im Prisco-Haus (wo auch die Disy-Redaktion ist) eine private Stoffmesse veranstaltet. Renommierte internationale Firmen aus der Stoffindustrie treffen sich zu diesem Anlass mit der deutschen Konfektionselite. Wie Arturo Prisco so erfolgreich wurde, wie es mit ihm und dem Prisco-Haus weiter gehen soll, lesen Sie hier!


Stoffkönig, Immobilienmagnat, Millionär - was ist Ihr Job?
Prisco: Ich bin ein Kommunikator. Kommunikation ist das Wichtigste. Außerdem versuche ich, die Menschen zu motivieren.

Wieso hatten Sie so viel Erfolg. Was machen Sie anders?
Prisco: Erfolg ist relativ. Ich habe eine Spürnase und mache immer gerade das, was die anderen nicht erwarten. Ich verlasse mich stets auf mein Bauchgefühl.

Auch bei der Wahl Ihrer Geschäftspartner?

Prisco: Unbedingt. Wenn jemand sagt: "Der Mann ist gut.", will ich das gar nicht wissen. Wenn mir die Person unangenehm ist, stehe ich auch in einer wichtigen Verhandlung nach zwei Minuten auf und gehe.

Woher wissen Sie, wann der Zeitpunkt für neue Wege gekommen ist?

Prisco: Wenn sich mir eine neue Herausforderung stellte, war es Zeit für Veränderungen. Es ist etwas dran an dem Spruch: "Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören."

Wie viel Platz nimmt die Arbeit in Ihrem Leben ein?
Prisco: Arbeit ist für mich fast ein Hobby. Ich arbeite hart, aber ich bin kein Streber. Meist merke ich nicht, dass meine Energie in die Arbeit geht, weil ich nicht nur auf den Gewinn ausgerichtet bin. Oft verwirkliche ich durch die Arbeit meine Träume, die ich schon als kleiner Junge hatte.

Gewinn ist bei Ihnen zweitrangig?

Prisco: Ich bin nie hinter dem Geld hergelaufen. Ohne Geld kann man nicht investieren, aber für mich haben Qualität und Zufriedenheit Vorrang. Viel in meinem Leben beruht auf Zufällen. Wenn ich eine Idee habe, lasse ich nicht locker.

Wie viel Geld haben Sie?

Prisco:
Da muss ich meinen Steuerberater und die Bank fragen.

Haben Sie Menschen, denen Sie vertrauen?
Prisco: Meiner Familie und meinen Mitarbeitern. Mit einigen arbeite ich seit über 20 Jahren zusammen. Ich bin ein Emotionsmensch mit einem Spontangefühl.

Wenn Sie an Ihren Projekten so emotional beteiligt sind, fällt Ihnen bestimmt das Abschalten schwer.
Prisco:
Stimmt. Wenn man an einem neuen Projekt arbeitet, kann man nicht abschalten. Aber wenn ich nachts Ruhe habe, kommen auch die besten Ideen. Dann fügen sich die Details zusammen.

Wäre Nachtschlaf nicht gesünder?

Prisco:
Sie meinen negativen Stress. Mich begleitet täglich aber viel mehr positiver Stress und der hält fit.

Wie sieht es denn mit Sport aus?

Prisco:
Ich bin ziemlich faul geworden. Früher habe ich Diskus geworfen, war Bergsteigen und bei den Pfadfindern. Heute finde ich die totale Entspannung nur noch beim Tauchen. Die Stille unter Wasser ist herrlich.

Gönnen Sie sich wenigstens ab und zu einen Urlaub?
Prisco: Ich bin jedes Jahr eine Woche auf Capri und zehn Tage auf Sylt. Wie gesagt, Arbeit ist für mich Hobby. Einen Teil meiner Arbeit kann ich auf Sylt wirklich nicht machen. Der Handy-Empfang am Strand ist extrem schlecht, sehr zur Freude meiner Frau. Meine Kinder sind bereits erwachsen und haben ihre eigenen Familien.

Mögen Sie Kinder?
Prisco: Sehr. Kindergeschrei ist für mich Musik. Herrlich. Kinderlose Menschen sind mir zu steril.

Kindergeschrei ist wie Musik? Da habe Sie gute Nerven. Was bringt Sie denn auf die Palme?
Prisco:
Ignoranz, Idioten, Gauner, Lügner, Arroganz und 08/15-Leute. Sonst bin ich sehr für das Menschliche. Auch bei der Arbeit. Statt Streit und Problemen bin ich an Konfliktlösungen und Ergebnissen interessiert. Alles andere ist Energieverschwendung. Eigentlich bin ich wie ein Airbag, federe auch viel zwischen meinen Mitarbeitern ab.

Sie wirken so sicher. Haben Sie überhaupt vor etwas Angst?

Prisco: Angst ist menschlich. Neue Herausforderungen sind der Reiz. Was könnte passieren? Ich könnte alles Materielle verlieren. Na und?

War Ihr Leben immer so sonnig oder waren Sie auch mal ganz unten?
Prisco:
Das habe ich auch kennen gelernt, natürlich. Wenn man im Leben etwas erreichen will, muss man Verluste in Kauf nehmen. Die echten Siegertypen gibt es nicht. Schattenseiten gehören zum Leben.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Prisco: Ich hasse es, eine Regel zu finden. Ich will frei sein.

Presse und Insider nennen das Prisco-Haus "II salotto buono della Moda - den guten Salon der Mode".

Ist es das?

Prisco:
Das Haus mit dem Blick auf den herrschaftlichen Prinzregentenplatz und den Friedensengel ist eben ein echter Geheimtipp. Die Münchner haben Erfahrung mit den teuren Marken und viel Gespür für Qualität. Das Prisco-Haus ist keine Messe, sondern eine Plattform für Präsentationen, Meeting-Points, privater Showroom, Geschmack und Qualität.

Sie suchen immer noch persönlich die Mieter aus?
Prisco: Ja. Ich suche immer selbst die Mieter aus. Ich will nämlich im Prisco-Haus bestimmte, hochwertige Marken haben, Qualität, Stil und Neuigkeiten.

Welche?
Prisco: Unter anderem die Fashion Week Woman mit ausgewählten Kollektionen aus der DOB (z.B. Odeeh, Iris von Arnim, MCM Lederwaren, Fabiana Filippi, Bruno Manetti) sowie die Fashion Week Men mit namhaften Marken der HAKA wie Brioni, Stile Latino, Attolini oder Neri Firenze. Die Organisatoren der Munich Fabric Start präsentieren immer erste Stoff-Tendenzen. Zudem werden Presse- und Produktpräsentationen von weltbekannten Labels wie Louis Vuitton, Longchamp, Pomellato, Hanro, Luxottica, Armani, Versace und Siemens durchgeführt.

Wie stehen Sie selbst zu bestimmten Marken und guter Qualität?

Prisco: Ich kaufe persönlich lieber etwas Hochwertiges als viel Ramsch. Gut zu kaufen, muss gelernt sein.

Sind Sie ein Kämpfer?
Prisco: Man versucht ständig, sich zu verbessern, um Ziele zu erreichen. Und Sie sind ein guter Verkäufer... Prisco: Ja, im Alter von 18 Jahren begann ich zu jobben, um meine Frau, die ich am Gardasee kennengerlernt hatte, in München zu besuchen. Sechs Jahre lang erarbeitete ich mein Startkapital und merkte, wie leicht es mir fiel, mit Menschen zu reden und Dinge wie ein Buch zu vermarkten. Ich war der jüngste Verkäufer und bekam sofort angeboten, die Filiale zu leiten.

Was ist das Geheimnis eines Top-Verkäufers?
Prisco:
Das Gegenüber muss merken, dass ein einfacher, natürlicher Mensch vor ihm steht und kein Verkäufer. Ein Top-Verkäufer hört zu und erfährt, was benötigt wird und redet wenig.

Warum waren Sie erfolgreicher als andere?

Prisco:
Wenn man das Interesse des Käufers verstanden hat, ist der Verkauf schon gemacht.

Worauf sind Sie im Leben richtig stolz?
Prisco: Auf meine vier Enkel Mila, Felix, Luk und Yuna.

Was hat Sie das Leben gelehrt?

Prisco: Bleib so, wie Du auf die Welt gekommen bist! Mache das, was Dir Spaß macht und teile diese Freude mit anderen.

Arturo Prisco

  • 1943 Geburt in Apulien - Aufgewachsen nahe von Mailand
  • 1962 lernt Prisco seine heutige Frau Helga kennen Während des Studiums verkauft er Bücher in Italien
  • 1980 Einstieg in das Tuchgeschäft in München Seitdem zweimal jährlich Tuchmesse im Prisco-Haus
  • 2006 Eröffnung des QF Quartier an der Frauenkirche
  • 2009 'L'Ordine al Merito della Repubblica Italiana' Verdienstorden in der Kategorie "Komtur"

Das Prisco-Haus

Hinter der Jugendstil-Fassade des Gebäudes am Münchner Prinzregentenplatz 23 direkt gegenüber dem Prinzregententheater verbergen sich aufwändig und stilgerecht renovierte Räume, die die Firma Prisco Exklusive Textilien ganzjährig vermietet. Es stehen vier ganze Etagen und einzelne Räume für Veranstaltungen zur Verfügung. Vom puristischen Keller bis zum dritten Obergeschoss, von dem man einen wunderschönen Ausblick auf das Theater bis zum Friedensengel hat. Die drei oberen Geschosse mit dem originalen Parkettboden, hohen Decken mit Stuckverzierungen und großen Fenstern werden zum idealen Schauplatz für Messen, Tagungen, Seminare, Empfänge, Fotoshootings, Filmaufnahmen, Presse- oder Produktpräsentationen. Alle Räume sind dezent und geschmackvoll ausgestattet, können aber auch im Rahmen des Events umgestaltet und dekoriert werden. Auch die Disy-Redaktion ist hier zu Hause.