83. Beitrag: "Okinawa - schon wieder Japan" (3. April)

Als Weltreisender bleibt es nicht aus, dass man manchmal etwas verwirrt "rüber kommt". An multinationalen Plätzen wie Shoppingcentern oder Cafés ist es fast schon normal, zu fragen: "In welchem Land sind wir gerade?" Schwierig wird es dann, wenn sich Länder wiederholen. Nun hatten wir schon über eine Woche zuvor Japan verlassen, waren in Korea und China unterwegs gewesen und kamen auf die Insel Okinawa - wieder Japan...

Doch auch für die Japaner selbst liegt Okinawa irgendwo in der Ferne. Die japanische Präfektur ist immerhin 2000 km von Tokio entfernt. Taiwan ist mit weniger als 200 km viel näher dran. Wir merkten trotzdem, dass wir in Japan waren. Es war sauberer als in den anderen asiatischen Ländern, ging im Straßenverkehr geordneter zu und die Menschen inklusive Taxifahrer waren hilfsbereit und höflich.

Eigentlich hatte ich gar nicht an Land gehen wollen. Wir hatte nur von 10 bis 14 Uhr Zeit und ich hatte sehr viel Arbeit auf meinem Schreibtisch in unserer Kabine 133 liegen. Doch zwei Bekannte, die auf der Amadea unterwegs sind, um für´s Internetfernsehen zu filmen, haben uns überredet. Es ist auf Schiffen immer so: Mal geht man allein raus, mal zusammen und oft mit unterschiedlichen Personen. Man trifft sich vielleicht gerade beim Frühstück, auf der Gangway oder bei den Verhandlungen mit dem Taxifahrer. Abgesehen, dass es in manchen Ländern sicherer ist, zusammen raus zu gehen und auch mehr Spaß machen kann, spiegelt es sich in den Fahrtkosten wieder, die sich aufteilen.

Mit Weldes, wie das Ehepaar heißt, waren wir das erste Mal unterwegs und wir wollten herausfinden, wie wir zusammen klar kamen. Gut.

Sie wollten zur Shuri-Burg und da wir keine Pläne hatten, gingen wir einfach mit. Die ehemalige Residenz der Herrscher von Ryukyu und Hauptquartier der kaiserlichen Armee wurde im Jahr 1945 total zerstört. So friedlich und harmonisch, wie uns die Insel heute in sanftem Sommerlicht und endlich  wieder frühlingshaften Temperaturen vorkommt, ist ihre Geschichte nicht. Im April wurde die blutigste Schlacht gegen Japan im 2. Weltkrieg gekämpft und über 230000 Menschen starben allein auf der Seite von Japan. Eine traurige Geschichte, die die Harmonie der Burg und der Insel scheinbar versucht, zu überspielen. Wir schauen auf die ruhige Stadt bis zum Meer. Nicht weit von hier starben damals 4000 japanische Soldaten durch kollektiven Selbstmord, ließen Lehrer 200 Schülerinnen von einer Klippe in den Tod springen, damit die Amerikaner sie nicht erwischten. Furchtbar!

Nach dem Krieg besetzte die USA die Insel und blieb 27 Jahre. Heute gehört sie wieder zu Japan, trotzdem befinden sich hier noch rund 75 Prozent der in Japan stationierten US-Militärbasen.

Wir sehen nichts davon, nur friedliche Menschen. Wir lassen uns in die Stadt auf die Hauptgeschäftsstraße Heiwa-dori bringen. Dori heißt Straße. In einem noblen Einkaufscenter probieren wir Hüte und Sonnenbrillen für mehrere Hundert Dollar, schlendern durch die Shops und landen in einem typisch japanischen – „Starbucks“ (na ja). Die amerikanische Kette gehört heute bei den jungen Leuten zum alltäglichen Leben, mehr als andere internationale oder gar einheimische Ketten. Trotzdem haben wir uns nach den vielen Stationen in Kälte und Winter eine Heiße Schokolade auf der Terrasse verdient. Einen Tag Frühling! Das genießen wir, bevor es in Taiwan schon wieder gen Sommer geht.

Mehr über Taiwan – morgen.

Spruch des Tages: „Liebst du das Leben, dann verschwende keine Zeit. Denn daraus ist das Leben gemacht!“ (Benjamin Franklin)

Musiktipp zur Stimmung: Sarrabande (Arr. Hale), The Academy of St. Martin In The Field, Album: Classical Legends Disc 2

Anja Fließbach: Dienstag, 3 April 2007, 14:50 Uhr