74. Beitrag: "Noch nicht Seoul" (24. März)

Noch nicht Seoul. Gebt mir noch einen Tag Zeit, mich zu fangen. Seoul kommt morgen. Heute? Tja. Würde ich Party sagen, würde es wieder alle Kritiker auf den Plan rufen. Was sage ich dann? Eigenartige Dinge an Bord. Overwhelming - kennt ihr das Wort...

Endlich ein Seetag. Ich habe den ganzen Tag am Computer gesessen und gearbeitet. Viel. Ohne Pause.

Dann ergab sich plötzlich eine Party. Wieder mal. Lange ist es her. Auf dem Deck kam plötzlich Leben in die Passagiere und Crewmembers. Der Chefkoch übernahm die DJ-Funktion und schon war die Party im Gange. Schön. Wild. Sexy.

Aber was war die Konsequenz aus allem? "Nie mehr wieder." Ich möchte euch nicht damit langweilen und ich verspreche, morgen kommt Seoul. Aber - heute ist heute. Heute war toll. Heute ist morgen gestern und lange vorbei. Wie wird es weitergehen? Einige haben die Wege für mich schon geplant, ohne mich. Bin ich ein Staffelstab, den man weitergeben kann? Bin ich so hilfsbedürftig, dass man mich weitergibt in die Obhut des Nächsten?

Ich kann nicht mal sagen, ich bin böse darüber. Es ist ja lieb und aufmerksam, aber... Gebt mir Zeit, ihr Lieben. Einmal pro Weltreise darf jeder ein Tief haben. Bei den meisten Passagieren kommt es in der Mitte der Weltreise. Am anderen Ende der Welt.

Bei mir kommt die Krise mit Verzögerung. Heute, morgen, die nächsten Tage. Es dauert nicht lange und ich verspreche, ich bin bald wieder die alte Anja. War ich bisher immer. Muss ja sein! Geht nicht anders! Zähne zusammenbeißen und durch. Ich weiß, dass ich es schaffen werde. Ich habe es immer geschafft. Das bin ich. Das ist meine Natur. Schwach sein? Gern, aber nur wenn´s keiner merkt.

Also. Gönnt mir das kurze Tief und die nächsten Reiseberichte werden klasse. Aber so eine Weltreise hat es wirklich in sich...

Musiktipp zur Stimmung: Album "A girl like me", Emma Bunton, Titel: "Sunshine on a rainy day"

Anja Fließbach: Samstag, 24 März 2007, 23:03 Uhr