69. Beitrag: "Heimliche Bestimmung" (17. März)

Eigentlich würde ich mich als eine intelligente Frau bezeichnen. Aber die Dinge auf diesem Schiff erschließen sich mir auch nach nunmehr 12 Wochen noch nicht wirklich. Ich habe Einblick in alles? Von wegen...

  Ehrlich gesagt dachte ich schon öfter, jetzt kenne ich die Zusammenhänge oder diese Menschen hier auf der "MS Amadea". Aber vielleicht erinnert ihr euch an meinen Beitrag "Achterbahn der Gefühle" (Es lohnt sich nochmal nachzulesen. Es war für mich selbst nach der ganzen Zeit sehr spannend.) Da schrieb ich über das Netz und das alle Menschen mit irgendwas oder irgendwem hier verbandelt sind. Nun, heute sollte ich genau 85 Tage schlauer sein als zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Beitrag geschrieben habe. Und? Nichts! Ich kenne mehr Fakten, mehr Zahlen und Lebensgeschichten, weiß von geschlossenen und gerade getrennten Beziehungen (obwohl das wohl generell auf Schiffen noch schneller geht als die Gerüchte) und habe Funktionen und Dienstgrade erfasst. Aber die Menschen, ihr Wesen, ihr Charakter und ihr Verhalten gibt mir immer wieder Rätsel auf.

Sagt man nicht immer: Hunde gleichen ihren Herrchen oder andersrum? Menschen, die auf See arbeiten oder sich längere Zeit aufhalten, gleichen dem Meer. Sie verändern sich ständig, oft unerwartet. Manchmal sind sie ruhig und sanft, dann freundlich, funkelnd und glitzernd, dann tosen sie wie vom Sturm gepeitscht und plötzlich ist absolute Windstille und das Meer sieht aus, als wäre nie etwas gewesen. Und das soll einer vom Land verstehen? Vielleicht versteht das einer, ich bin der jedenfalls nicht!

Ich erzählte euch schon einmal von diesen Hochs und Tiefs und dass die Stimmung hier ist wie die Wellen. Verrückt: Es geht offensichtlich allen so, Crew wie Passagieren. Eben noch die stimmungsvolle Party, dann drei Tage Tristesse. Eben noch tief greifende Gespräche, die tiefer gehen als die persönliche Selbstkenntnis, dann kühle Fremde und Distanz. Eben noch der König der Welt, dann der fatalistische Bettler. Eben noch schlau, dann dumm wie frisch auf die Welt gekommen. Und keiner beantwortet einem die Frage - warum?

Das wirklich Verrückte ist, dass diese Wellenbewegung des Meeres durch diesen blog auf euch im wahrsten Sinn des Wortes "überzuschwappen" scheint. Wenn man die Zahl eurer Kommentare als Kurven zeichnet, gehen sie wellenförmig hoch und runter. Wenn man die positiven und kritischen Meinungen verfolgt, wechseln sie sich wellenförmig ab. Und oft stellt sich mir auch hier die Frage - warum? Ich schreibe über "Positive Energie" und ihr regt euch auf. Ich schreibe über die Militärbasis von Iwo -Jima und ihr bleibt stumm.

Eins ist sicher: In den Berichten ist nichts geplant, konstruiert oder übertrieben. Warum auch? Ich schreibe es genau so wie es für mich ist. Und für mich ist es eine Art Traumschiff - Story. Nicht was ich schreibe, sondern das reale Leben hier. Ich erlebe es so. Vielleicht liegt es daran, dass ich manchmal noch wie ein staunendes Kind bin. Ungläubig über das Glück, hier sein zu dürfen. Ein Kind, das froh ist über all diese Erlebnisse (ihr hättet mich mal am ersten Tag mit offenem Mund, großen Augen und ohne Pause "Wahnsinn, Wahnsinn" - murmelnd durch die Straßen von Yokohama laufen sehen sollen). Ein Kind, das den Menschen dankbar ist, die liebevoll und aufmerksam ihm gegenüber sind. Ein Kind, das viele Dinge nicht begreift und immer wieder fragt: "Warum?"

"Warum bin ich hier? Was soll ich lernen?" (Ihr erinnert euch?) Hier ist die Stelle, an der ich mal den Schreiber oder die Schreiberin unseres Tagesprogramms ins Spiel bringen möchte (wer das ist, bekomme ich für euch noch raus). Das Programm mit allen Ausflugs-, Essens-, Show- und Kurszeiten für den folgenden Tag, das wir abends auf die Kabine bekommen, beinhaltet auch immer einen "Spruch des Tages". Ich werde mir angewöhnen, euch ab und zu diesen Spruch weiter zu geben. Der ist oft wirklich gut gewählt. Heute: "Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt." Aber zumindest schon mal ein kleiner Hinweis wäre wirklich gut...

Musiktipp zur Stimmung: Titel "Weil wir Anfänger sind", Virginia Jetzt!, Album "Anfänger"

PS: Hier folgen nun also bald die Antworten auf eure Fragen. Wenn ich welche übersehen haben sollte,  stellt sie bitte nochmals. Generell nehmt es mir nicht übel, wenn ich nicht immer gleich antworten kann. Auf dem Schiff von Stress zu reden, wäre nicht angebracht. Aber in - nennen wir es mal "intensiven Zeiten", komme ich kaum dazu, alle Kommentare überhaupt täglich zu lesen und hole das oft später an Seetagen nach. Aber ich versuche, alles zu beantworten.

Anja Fließbach: Samstag, 17 März 2007, 23:16 Uhr

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