50. Beitrag: "Der Schatz der Amadea" (24. Februar)

"Schau mal Mama, so viel Geld", jubelte Louisa und hielt den Umschlag in den Händen. Ein ganzes Bündel Banknoten fiel heraus. Viele bunte Scheine mit vielen Nullen und alles war echt. Da hatte uns einer ein tolles Geschenk gemacht...
Der Absender hieß Paul Osenda und konnte leicht ein paar Millionen-Scheine abgeben. Paul ist Chief Purser auf der "MS Amadea" und verwaltet in seinem kleinen Büro den Schatz des Schiffes: Geld in allen Währungen und Größen. Der riesige feuerresistente Tresor nimmt fast die Hälfte seines Büros ein. Nur er kennt den Zugangscode, nur er hat den Schlüssel. Ein wichtiger Mann, der Paul.

Einmal hatte er uns in sein wertvolles Reich eingeladen. Neben allerlei süßen Schokoladenschätzen offenbarte er uns seine Zuständigkeiten: Das ganze Schiff war von ihm abhängig. Er verwaltete sämtliche Gelder des Schiffes, Rechnungen und Konten. Er war verantwortlich für die Bezahlung der Crew, Trinkgelder und selbst die Bingoscheine lagerten bei ihm. Was Paul neben seinem ausgesprochen guten Geschmack für Wein besonders beliebt machte, war eine heiß begehrte Ware, die es nur bei ihm gab. Keine Sorge Paul - ich erzähle nur von den Telefon- und Internetkarten. Aller fünf Minuten kam ein anderes Crewmitglied und fragte ehrerbietig nach diesen Tickets: "Sir Paul…", "Thank you, Mister." Es hätte nicht viel gefehlt und die Leute hätten ihn mit "Eure Eminenz" oder "Hoheit" angesprochen. Paul war offensichtlich wichtig.

Nun, Louisa und ich hatten jedenfalls die Ehre einer Audienz. Paul erklärte Louisa das Infrarot-Gerät für das Erkennen von falschen Scheinen und zeigte ihr den Unterschied zu echtem Geld. Sie bekam Mathematikunterricht der besonderen Art ("Hallo, Herr Schuldirektor. Sie denken an meine Bitte...!"). Gemeinsam zählten die beiden nicht die Geldscheine, sondern die Geldbündel. "Darf ich auch mal anfassen?", fragte ich fasziniert und hielt zaghaft den Bar-Betrag eines Autos in den Händen. Ja, das fühlte sich gut an. Dann half Louisa die Zählmaschine zu bedienen und Banderolen um die Geldscheinpakete zu binden. Besonderen Spaß hatte sie beim "Kleingeld- in -Papier- Rollen". Krach, Bumm. Einmal mit der einen Seite auf den Tisch hauen und die Rolle war zu, einmal mit der anderen - fertig.

Ich registrierte, dass Louisa Spaß am Geld hatte und versprach Paul, falls sie nun in der Richtung motiviert mal aus eigenen Stücken Multimillionärin werden würde, wir ihn auf jeden Fall zum Essen einladen. Das mit den Tantiemen verkniff ich mir mal sicherheitshalber.
Zum Schluss zeigte uns Paul verschiedene Geldscheine aus fast allen Ländern der Erde. Kleine und große, bunte und zweifarbige, wertvolle Scheine und solche, die höchstens Cent-Beträge wert waren. Ein Bündel dieser ausländischen Scheine schickte er uns ein paar Tage später auf die Kabine und Louisa rief: "Mama, jetzt sind wir reich."

Anja Fließbach: Samstag, 24 Februar 2007, 6:18 Uhr

Kommentare zum 50. Beitrag

Was ist los? Deine Beiträge sind wie immer klasse. Aber wo bist du dabei? Versteckst du dich gerade? S.

Kommentiert von: Simone | Samstag, 24 Februar 2007, 20:30 Uhr

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(Letzte Aktualisierung: 25.02.2007)