38. Beitrag: "Was soll ich lernen?" (9. Februar)

Ich bin mir sicher, dass Menschen aus einem bestimmten Grund auf einem Schiff sind. Hier, mitten auf dem Ozean, kreuzen sich plötzlich Lebenslinien der unterschiedlichsten Personen und laufen eine Weile parallel. "Alles was du erlebst, jeden den du triffst - alles hat einen Sinn", hatte die Esotherikerin erklärt, die ich auf unserer ersten Weltreise kennengelernt hatte. Alles hat einen Sinn. Okay. Und welchen, bitte? ...
Immer nachts, wenn das Schiff scheinbar mir gehört und ich allein ganz oben auf Deck 10 stehe, das Rauschen des Meeres und das gleichmäßige Brummen des Schiffes höre oder "meine Musik" aus dem iPod, stelle ich mir diese Frage. Ich resümiere die Gespräche des Tages, lasse den Film der Erlebnisse noch einmal ablaufen und versuche Erkenntnisse zu erlangen. Manchmal frage ich auch laut: "Was bitte soll ich lernen?" Keiner da, der mir antworten kann. Nur ich selbst. Wie immer.

Die Schiene mit dem Lernen ist eigentlich ziemlich cool. Wenn der Tag schwierig war, hatte zumindest auch das einen Sinn. Es war zwar nicht schön, aber wir haben etwas gelernt.
Was also sind die Erkenntnisse, die ich bisher erlangt habe?
Lektion 1: Wenn der Himmel wolkig ist, so wie in den letzten Tagen hier in der Südsee, kann man die Farben  nicht sehen. Aber sie sind trotzdem da.
Lektion 2: Was mich vor zwei Jahren so begeisterte, ist bei dieser Reise oft uninteressant. Offensichtlich gibt es für alles seine Zeit.
Lektion 3: Die meisten Inseln hier kenne ich schon. Jeder Ort wirkt unterschiedlich abhängig davon, mit wem man unterwegs ist und was man erlebt. Die Menschen sind das entscheidende Element, nicht der Platz.
Lektion 4: Der Mensch lernt nichts. Eine provokante These, schon klar. Man häuft Wissen an und sammelt Erfahrungen. Wird man dadurch klüger? Einige sicher. Ich mache viele Fehler immer wieder.
Lektion 5: Man kann nicht alles selbst bestimmen. Normalerweise bin ich der größte Verfechter der These: "Geht nicht, gibt es nicht." Meine Mitarbeiter zu Hause können den Spruch schon singen. Auf dem Schiff lernt man seine Grenzen kennen obwohl gerade hier alles grenzenlos scheint.
Lektion 6: Das Leben hier ist nicht echt. Es ist wunderschön, aber zum großen Teil nur Schein. Alles wird einem abgenommen. Man braucht sich nicht um sein Essen kümmern, die Kabine wird aufgeräumt, sogar die Wäsche kann man waschen lassen.
Lektion 7: Es ist schwer, nur den Augenblick zu genießen und dabei nicht zu hoffen, dass es immer so weiter gehen könnte.
Lektion 8: Die Sonne geht jeden Morgen neu auf.
Das tut sie nämlich gerade jetzt. Ich mache schnell ein Foto für euch. Sieht das nicht wieder wunderschön aus. Gestern Regen und Wolken, dann eine gedankenschwere Nacht und nun? Nun endlich einer dieser Sonnenaufgänge in der Südsee. So wie ich es kenne, so wie ich es liebe und alles ist wieder gut. Ihr Lieben, ich muss an Deck und genießen. Dann kommt die eine oder andere Erkenntnis sicher ganz von selbst.
Lektion 9: Das Leben ist klasse und das Glück liegt nur in uns selbst.
PS: Wer das Schlafen erfunden hat, war noch nie in der Südsee.

Musiktipp zur Stimmung: Juli, Album: "Ein neuer Tag", Titel: "Wen soll ich suchen, was soll ich finden"
Anja Fließbach: Freitag, 9 Februar 2007, 18:36 Uhr

Kommentare zum 38. Beitrag

Meine liebe Anja. Jeder deiner Artikel haut mich um. Es ist unglaublich, was du schreibst und wie du es schreibst. Wenn ich deine Zeilen lese, ist es als ob ich genau mit dir fühlen kann. Wie du da nachts stehst und versuchst einen Sinn in allem zu finden, sehe ich fast vor mir. Am Anfang deiner Reise hatte ich gedacht, es erwartet dich und uns Leser nur so eine Jubel-Schicki-Micki-Sache. Ich finde es bewundernswert, wie intensiv du diese Zeit für dich nutzt und deinen ganz eigenen Weg findest. Bei deinen Thesen ist mir so schwer um das Herz geworden, weil du den Nagel auf den Kopf triffst. Wir Menschen sind dumm und die Sache mit den selben Fehlern ist genau wie du es beschreibst. Ich finde deinen kritischen und manchmal sarkastischen Blick auf dich selbst sehr cool und wunderschön zu lesen. Vorallem ehrlich. Danke dafür. Man.

Kommentiert von: Man. | Samstag, 10 Februar 2007, 4:03 Uhr

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Dachte mir schon, dass es dir nicht gut geht. Es ist aber immer wieder faszinierend, wie du in schwierigen Situationen immer noch das Gute findest. Erst ging es dir nicht so gut, dann hast du dich selbst aufgerafft. Übung? S.

Kommentiert von: S. | Samstag, 10 Februar 2007, 6:19 Uhr

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Sehr geehrte Frau Fließbach,

erlauben Sie mir einmal wieder ein paar Zeilen an Sie. Zu Ihrem Artikel: Für Ihr Alter haben Sie offensichtlich schon viel erlebt und offensichtlich nicht nur gute Dinge. Auch ich schließe mich meinem Vorredner/Vorrednerin Man. an. Der Mensch neigt dazu, Fehler zu wiederholen. In meinen Augen könnte Ihr Fehler sein, zu selbstkritisch mit sich umzugehen. So wie ich Sie durch Ihre Worte und durch Ihre Bilder kennengelernt habe, sind Sie ein sehr guter Mensch, der das von sich selbst nicht weiß oder gelernt hat, es zu verbergen. Verzeihen Sie die klaren Worte. Aber im Alter sieht man die Dinge oft weniger verschleiert. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Sie für Ihr Alter sehr viel über das Leben wissen. Es verwundert mich, bei einer so jungen Frau solche tiefgründigen Gedanken zu erfahren. Wenn es Sie interessiert, teile ich Ihnen gern in einem nächsten Wortbeitrag meine Gedanken zu Ihren Thesen mit.
Herzlichst Ihre Emilie Nathnöger

Kommentiert von: enath | Samstag, 10 Februar 2007, 11:38 Uhr

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Hallo Anja,
Ueber Gott und die Welt nachdenken... in der richtigen Umgebung und mit der richtigen Musik ganz laut aufgedreht... das sind die schoensten Momente im Leben, da findet man so richtig zu sich. Jedes Leben sollte voll von solchen Momenten sein, auch mein's ist es, aber leider haben es die Menschen im Allgemeinen verlernt, so zu geniessen. So simple yet so powerful.
Mir kribbelt's im Bauch bei deinen Berichten ueber die Naechte auf dem leeren Deck. Vielleicht sollst du ja gar nichts lernen, sondern nur geniessen. Dies sind die Momente, von denen du mal deinen Enkelkindern erzaehlen wirst...
Lieben Gruss,
Susanne

Kommentiert von: Jutta | Samstag, 10 Februar 2007, 11:52 Uhr

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Liebe Anja. Schön ist die Sache mit dem Sonnenaufgang. Ich bin mir ganz sicher, dass die Sonne für dich scheinen wird. Das hast du dir verdient. Manchmal bin ich nicht sicher, ob deine Beiträge eher traurig oder glücklich klingen. Bist du happy da auf dem Schiff? Sascha

Kommentiert von: Sascha | Samstag, 10 Februar 2007, 11:56 Uhr

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Huch! Was den zweiten und dritten Kommentar hier anbelangt (gerade gelesen)... kann man diesen unterschwellig beleidigenden Neidhammeln nicht endlich mal den Mund stopfen?? Was habt ihr denn jetzt schon wieder herausgelesen, ihr sauren, verknoecherten... Mir fehlen im Moment die Worte. Ich werde mich nochmal melden.
Susanne

Kommentiert von: Jutta | Samstag, 10 Februar 2007, 12:03 Uhr

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Liebe Emilie. Warum wollen Sie Ihre Thesen nur für Anja schreiben? Das hier ist doch da, damit alle was davon haben. Man.

Kommentiert von: Man. | Samstag, 10 Februar 2007, 12:30 Uhr

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Hallo an alle. Nun melde ich mich doch kurz. Sascha, glücklich oder traurig. Gute Frage. Ich denke, sie ist beides. Die vielen wechselnden Eindrücke auf einem Schiff, die Berg- und Talfahrten und Emotionen sind schwer zu verarbeiten. Man ist schnell einsam auf einem Schiff. Sie braucht Kraft und gute Freunde. Aber da die richtigen zu finden... Dazu habe ich mich schon geäußert. Bei Problemen auf dem Schiff kann man nicht weg. Als Passagier schon. Aber für die Crew ist es schlimmer. Keine Möglichkeit zum Rückzug, alles auf engstem Raum und alle wissen alles. Liebe Anja, wie du es schreibst - du kannst nur lernen. Dein Manus

Kommentiert von: Manus | Samstag, 10 Februar 2007, 13:00 Uhr

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Sehr geehrte Frau Fließbach,
gestatten Sie mir nun meine Anmerkungen zu Ihren Thesen.
These „Es gibt für alles seine Zeit.“: Das haben Sie gut erkannt. Was noch vor einem Jahr oder vielleicht einem Monat richtig für das eigene Leben war, ist es nun nicht mehr. Man muss nur gut auf Signale achten und die Menschen beachten, denen man begegnet. Das haben Sie schon wunderbar zu Beginn Ihres Artikels formuliert. Ich bin mir sicher, dass Sie bereits solche Menschen auf diesem Schiff getroffen haben. Sonst würden Sie nicht so denken.
These: „Man wiederholt Fehler“: Das geht jedem Menschen so, allerdings gelangen die wenigsten zu diesem Eingeständnis. Das geflügelt Wort „Aus Fehlern wird man klug“ trifft selten zu. Aber gestatten Sie mir meine Frage: Sind es wirklich Fehler, die Sie bei Ihren Worten im Sinn haben? Ich gehe davon aus, dass Sie Ihren Wortbeitrag in einer bestimmten Situation geschrieben haben. Ich kann mir gut vorstellen – und beziehe mich auf Ihren Artikel über Ihre Freunde an Bord – dass Sie Angst haben, verletzt zu werden. Gehe ich richtig in der Annahme, wir sprechen immer noch über Vertrauen?
These „Die Sonne geht immer wieder auf“: Ehrlich gesagt - verzeihen Sie mir - klingen Ihre Worte hier nicht, als glaubten Sie, die Sonne würde wieder aufgehen. Sonst schätze ich Ihre Artikel für die Authentizität, aber an dieser Stelle nehme ich Ihnen Ihre Überzeugung leider nicht ab. Es klingt mehr danach, als glaubten Sie, es würde für Sie immer dunkel bleiben. Mein Rat mit dem Vorsprung an Jahren: Sie brauchen Liebe!
Jetzt bin ich wieder zu weit gegangen. Verzeihen Sie einer älteren Dame, die mehr Zeit hat über das Leben nachzudenken als Sie.
Wie immer verbleibe ich hochachtungsvoll
Ihre
Emilie Nathnöger

Kommentiert von: enath | Samstag, 10 Februar 2007, 13:02 Uhr

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Irgendwie werde ich das Gefuehl nicht los, dass es sich bei diesem Emilie-Troll um einen Mann handelt.
Moeglicherweise sogar um einen, den Anja im RL kennt, dem sie vielleicht mal das Herz gebrochen hat, und der sich hier auf seine impotente Weise ein bischen raechen will... :)

Kommentiert von: edie | Samstag, 10 Februar 2007, 15:45 Uhr

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@edie
nicht wahr? die emilien-kommentare scheinen irgendeinen code zu beinhalten, eine verschlüßelte nachricht an anja. sonst kann ich sie mir auch nicht erklären. sie machen nämlich überhaupt keinen sinn. ein stalker??? iris

Kommentiert von: iris d. | Samstag, 10 Februar 2007, 17:01 Uhr

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liebe anja. hoffen, der augenblick geht nicht zu ende. das kannst du doch. vielleicht endet er nie. ich wuerde dir dabei gern helfen. dein cornelius

Kommentiert von: Cornelius T. | Samstag, 10 Februar 2007, 19:48 Uhr

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Hallo Anja. Emilie ist wirklich eigenartig. Kannst du ihre Kommentare nicht blocken? Man.

Kommentiert von: Man. | Sonntag, 11 Februar 2007, 1:31 Uhr

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Hallo Man., erst forderst du Emilie auf, ihre Meinung zu sagen und dann soll Anja die Kommentare blocken. Noch alles klar? Sascha

Kommentiert von: Sascha | Sonntag, 11 Februar 2007, 10:29 Uhr

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Ihre Berichte sind wunderbar, egal, worüber Sie schreiben! Das Glück liegt in einem selbst, das wollte ich nur bestätigen. Herzliche Grüße

Kommentiert von: Brigitte | Sonntag, 11 Februar 2007, 15:30 Uhr

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Hallo
hier ist immer wieder die Rede von bloggen oder löschen: sind wir nun in einer Demokratie oder nicht. Solange es sachliche Kritik ist, ist dagegen wohl nichts einzuwenden. Ich wünsche mir mehr Berichte über die Reise und nicht über das Seelenleben der Verfasserin.
Viele Grüße
Gerd

Kommentiert von: Gerd | Sonntag, 11 Februar 2007, 19:35 Uhr

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Lieber Sascha. Ich hatte das ironisch gemeint. Verrate du uns doch deine Meinung zu Anjas Thesen... Man.

Kommentiert von: Man. | Sonntag, 11 Februar 2007, 21:59 Uhr

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Liebe Anja,
genau solche Gedanken gehen mir jetzt auch oefter durch den Kopf, wo meine Beziehung zum 2. Mal in der Krise steckt. Ich weiss fuer mich nur, man muss die Staerke und Kraft in sich selbst finden, aber auch einmal schwach sein duerfen (wenn das mit dem Partner nicht geht, dann eben mit Freunden). Freunde sind das Wichtigste fuer mich. Aber trotzdem fuehle ich mich manchmal einsam. Sogar IN einer Beziehung. Ich denke, im Grunde ist jeder Mensch irgendwie allein. Was sagen die anderen dazu?

Kommentiert von: Emma | Montag, 12 Februar 2007, 10:12 Uhr

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@emma: du sprichst mir aus der seele!

Kommentiert von: Anne | Montag, 12 Februar 2007, 10:40 Uhr

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Emma, Anja: Nur selten findet man einen anderen Menschen, der den Teil ausfüllt, der leer ist. Es gibt ganz sicher den einen Seelenpartner mit dem man sich nicht mehr allein, sondern verstanden und erfüllt fühlt. Aber den zu finden... Selbst wenn man ihn gefunden hat, bedeutet das noch nicht, man erkennt ihn oder kann ihn halten.
Gerd: Ich lese gerade die Berichte gern, die über einen faden Reiseartikel hinaus gehen und das Besondere an so einer Weltreise zeigen. Die Veränderung, die Anja durch das Schiff erlebt, ist doch Wahnsinn. Ist euch das aufgefallen? Bei jedem Artikel spürt man, wie es ihr geht und ist dadurch voll dabei.
Man: Mir gefallen Emilies Worte.
Sascha: Deinen Ton finde ich nicht gut.
Anja: Weiter so.

Kommentiert von: M. | Montag, 12 Februar 2007, 13:45 Uhr

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Ich habe mir Anja's Bericht jetzt noch mal durchgelesen, und, sagt mir doch bitte: WORAUS LEST IHR HERAUS, DASS DIE EINSAM SEI, DASS SIE LIEBER EINEN PARTNER HAETTE, DASS SIE 1. UNGLUECKLICH IST UND 2. UNGLUECKLICH IST WEIL SIE KEINEN PARTNER HAT.
Bitte, irgendjemand zitiere mir doch den Teil dieses (oder auch eines frueheren) Blogeintrags, wo das auch nur angedeutet wird???
Ihr projeziert Euren -- und den gesellschaftlichen -- Standard auf Anja: Alleine mit Kind? NATUERLICH sehnt sie sich nach einer neuen Partnerschaft! Und ALLES, worueber sie so nachdenkt, wird durch diese Linse gesehen, verzerrt. Ihr seid solche Kleingeister. Guckt doch mal ueber den Tellerrand. Anja bringt oben so viele interessante Ansaetze zum Nachdenken, Dinge die ABSOLUT NICHTS mit Wunsch nach Partnerschaft zu tun haben, und auf nichts wird richtig eingegangen. Nur so allgemeines Geschwafel das immer davon ausgeht, dass sie einsam weil partnerlos sein muss. Kleingeister und Neidhammel. Anja verschwendet hier ihre Zeit. Sie ist zu gut fuer das Publikum hier, zu wertvoll und kompliziert. Ich hab's ja am Anfang des Blogs gleich vorausgesagt.

Kommentiert von: Susa | Montag, 12 Februar 2007, 17:33 Uhr

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(Letzte Aktualisierung: 18.02.2007)