• Dezember 08, 2022
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Ach, das Stresa! Wir sind uns da seit vielen Jahren uneins. Manche von uns lieben es und manche gar nicht. Unsere Chefredakteurin @disy_fliessi (Instagram)ist auf der Befürworter-Seite. Sie ist manchmal am Abend zu Gast. Aber insgesamt sind alle unsere Erfahrungen und Erlebnisse im Stresa mal so mal so. Wir haben es nun nach mehreren Jahren mal wieder getestet. Letzten Mittwoch waren wir zur Mittagszeit da.

Wir begegneten zwei widersprüchlichen Eindrücken. Einem überaus versierten und zuvorkommendem Kellner und einem Gastraum, in dem die Tische nicht eingedeckt waren.

Gäste waren auch keine da. Außer unserem Tisch drinnen war noch ein anderer auf der Terrasse von einem jungen Pärchen besetzt. Aber wir müssen auch dazu sagen, dass wir 13.40 Uhr ankamen und mittags die Küche bis 14 Uhr arbeitet. Der nette Kellner meinte: Kein Problem!
Wir kennen auch Lokale, wie das La Torre in Striesen, wo man 20 Minuten vor Küchenschluss mittags schon abgewiesen wird. Wir verstehen das übrigens., das Team braucht seine Pause. Dieses Mal jedenfalls wurden wir sehr zuvorkommend begrüßt und bedient. Die Mittagskarte war sehr überschaubar: Eine Vorspeise, drei Hauptgänge, ein Klassiker und ein Dessert. Pech natürlich, wenn man gerade bei diesen Gerichten nichts für sich findet. Mehr gibt es nicht. 

Offiziell zumindest. Der super Kellner machte es möglich, dass ein Gast in unserer Gruppe trotzdem Spaghetti mit Tomatensoße essen konnte, obwohl das nicht auf der Karte stand und - wie gesagt - fast Küchenschluss war. Das war alles super!

 

Das Essen? Naja! Schaut Euch die Fotos an und den Eindruck, den Ihr dann habt - so hat es geschmeckt.  Es waren sehr einfache Gerichte mit eindimensionalem Geschmack. Aber was will man an Süßkartoffel-Pommes auch besonders machen. Wobei - wir haben auch schon ausgefallene Varianten mit Chili etc. gegessen. Diese hier waren ganz normal. Auch das Hühnerfrikassee war solide gut. Alles waren Gerichte, die dem erstklassigen Service in der Wahrnehmung entgegenstanden: Der Kellner wie aus einem Sternerestaurant, das Essen eher wie in einer gut geführten Kantine. Was soll man sagen. Hier zeigen wir Euch die Hauptspeisen der Karte, auf dem auch die von uns gewählten Gerichte extravaganter klingen, als wir sie in der Realität wahrnahmen.

Sellerieschnitzel gefüllt mit Cheddar und getrockneten Tomaten, dazu Süßkartoffel-Pommes und Paprika-Mayonnaise
11,9 Euro

Stresa's , Klassiker der Woche"
Hühnerfrikassee mit Risotto
9,9 Euro

Eine kleine Portion Pasta 5,5 Euro

 

Die Mittagskarte wechselt wöchentlich. 

Als Getränk wollten wir einen Aperol Spritz bestellen. Den gab es nicht. Das Stresa hat auf Deja Vu umgestellt. Den trinken wir manchmal auch in anderen Dresdner Restaurants. Dort schmeckt er viel kräftiger, die Farbe ist intensiver. Hier im Stresa hatte er einen seltsamen Beigeschmack. Irgendwas war komisch. Aber da war wieder der fantastische Kellner, der merkte wie wir mit gewissem Widerwillen am Strohhalm zogen. Wir sagten, dass der Drink uns nicht schmeckt und unkompliziert war er bereit, den Deja Vu zurückzunehmen. Als Alternative nahmen wir ein Glas Weißwein. Einen Stresari. Was für ein schönes Wortspiel! Das fanden wir toll. Den Wein auch. Ein Cuvée von Tim Strasser aus Meißen. Der Wein schmeckt uns von allem am besten. Der aufmerksame Kellner brachte geschickt eine Kaufoption unter und nannte den verminderten Preis pro Flasche zum normalen Verlaufspreis. Zum Essen kosten 0,1l 6,50 Euro.

Bei unserem Besuch hat das Stresa mit Service und Wein überzeugt. Die Mittagskarte, die angerichteten Teller, die Kreativität und der Geschmack dagegen nicht. Auch in einem Gastraum zu sitzen, in dem die Tische nicht eingedeckt sind, war atmosphärisch nicht so schön. Es wirkt dadurch ein wenig provisorisch.

Was aber blieb war Neugier auf einen Besuch am Abend. Die Menü-Karten lesen sich sehr gut. Außerdem gibt es begleitend zu den Gängen eine Weinreise - korrespondierende Weine ab drei Gängen für 6,50 Euro pro 0,1l.

Wenn man sich mit Phantasie ein paar Gäste, ein paar Kerzen und einen warmen Abend auf der Terrasse vorstellt - dazu die aufgelisteten Weine (z.B vom Weingut Schuh, vom Martin Schwarz, von Tim Strasser etc.) dann könnte das eventuell ein schönes Erlebnis werden.

An diesem Mittag war es das nicht.