Viszeralmedizin 2017 in Dresden

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Fokus von Gastroenterologen, Endoskopikern und Viszeralchirurgen 

 

Die Auswirkungen des demografischen Wandels stellen Mediziner in Deutschland vor neue Herausforderungen. Bei gleichzeitigem medizinischem Fortschritt und wachsendem Kostendruck durch das Gesundheitssystem steigt in der alternden Bevölkerung das Risiko für altersbedingte Erkrankungen sowie schwerwiegende Mehrfacherkrankungen. Anspruchsvolle, fachübergreifende und kostenintensive Therapiekonzepte in der medizinischen Versorgung älterer, multimorbider Patienten sind deshalb erforderlich. „Patienten ändern sich – wir uns auch“ – unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Kongress Viszeralmedizin 2017. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), ihre Sektion Endoskopie und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) richteten den Kongress gemeinsam aus. In Dresden diskutierten Gastroenterologen, Endoskopiker und Viszeralchirurgen über aktuelle Erkenntnisse und Fortschritte bei der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Bauchraums und Verdauungstrakts. Partnerland war in diesem Jahr Polen. 

 

„Unsere Patienten ändern sich, da sie älter und kränker werden und ihre Betreuung zunehmend anspruchsvoller wird. Die demografische Entwicklung macht immer
stärker die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den Fächern erforderlich“, umfasst DGVS-Kongresspräsident Professor Dr. med. Markus M. Lerch die Intention des diesjährigen Kongress-Mottos. Neben den Folgen der demografischen Entwicklung nahmen die Mediziner auch generelle Veränderungsprozesse bei Therapiestandards in den Fokus. „Während bei Erkrankungen wie Divertikulitis, Appendizitis und auf die Schleimhaut begrenzten Tumoren die Chirurgie zugunsten der konservativen Therapie zunehmend in den Hintergrund rückt, ist etwa für eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung der morbiden Adipositas inzwischen der chirurgische Eingriff das Mittel der Wahl“, so DGAV- Präsident Professor Dr. med. Albrecht Stier. Gastroenterologen, Endoskopiker und Chirurgen seien deshalb gefordert, Behandlungsstandards künftig noch stärker gemeinsam zu definieren.

 

Die Kongressteilnehmer konnten sich in diesem Jahr auf eine noch größere Anzahl interdisziplinärer Sitzungen freuen. Im Vordergrund standen viszeralmedizinische Bereiche, bei denen die Entwicklungsschritte in den letzten Jahren besonders schnell und die Überschneidungen der Fachgebiete Gastroenterologie, Viszeralchirurgie und Endoskopie besonders stark waren. Die gemeinsamen Probleme der Infektionsmedizin, die organübergreifenden Entzündungsmechanismen und die Behandlung von Tumorerkrankungen gehörten zu den Schwerpunkten des Kongresses. Fachübergreifende Veranstaltungen wie „Multiresistente Erreger und Antimicrobial Stewardship“, „Neue Konzepte und Therapieansätze bei Adipositas und Morbus Crohn“ sowie „Multimodale Therapie bei Oligometastasierung gastrointestinaler Karzinome“ trugen diesem Fokus Rechnung.

 

Die Mediziner diskutierten auch darüber, wie angesichts der Ökonomisierung und des Kostendrucks in der Medizin eine angemessene Versorgung weiterhin aufrechterhalten werden kann.


Mit Dr. med. Albin Lütke, Vorsitzender der Sektion Endoskopie, gestaltete zum zweiten Mal in der 104-jährigen Geschichte der DGVS ein in der Praxis niedergelassener Gastroenterologe das endoskopische Programm des Kongresses. „Der Großteil und die Basis gastroenterologischer Diagnostik und Behandlung finden in den Facharztpraxen statt“, so Dr. Lütke. „Deshalb war es mir ein wichtiges Anliegen, in diesem Jahr verstärkt Impulse aus der Praxis in das Kongressprogramm einzubinden und zu thematisieren, wie wir die Zusammenarbeit zwischen Klinikern und niedergelassenen Gastroenterologen im Sinne unserer Patienten noch besser gestalten können.“

 

Im Wettbewerb um den medizinischen Nachwuchs sind die Fachgesellschaften gefordert, kreative und praktikable Lösungen zur gewünschten Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie von ambulanter und stationärer Krankenversorgung zu initiieren. Damit die Zukunft des Fachs vom Nachwuchs wirksam mitgestaltet werden kann, waren in diesem Jahr bewusst junge Viszeralmediziner als Redner und bei der Präsentation klinischer und grundlagenwissenschaftlicher Forschungsergebnisse vertreten. 

 

Der Kongress Viszeralmedizin 2017 bot auch Patienten ein attraktives Programm. Das Arzt-Patienten-Seminar der Deutschen Leberhilfe e.V. informierte dabei über verschiedene Lebererkrankungen und stellte aktuelle Behandlungsmethoden vor. Grundlegendes und Neues aus Diagnostik und Therapie erfuhren Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beim Seminar der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V. Beim Arzt- Patienten-Seminar zum Reizdarmsyndrom von MAGDA ging es um die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung des Reizdarmsyndroms sowie um Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Über aktuelle Erkenntnisse zu Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse informierte die Deutsche Pankreashilfe e.V.