Dr. Wilhelm Zörgiebel (52), Chef der Grundbesitz Hellerau GmbH

Möbel, Gene und Abenteuer

Man muss sich gut organisieren, Aufgaben delegieren und mit einem starken Team effizient arbeiten, so seine Einstellung. „Vor allem mit Spaß bei der Arbeit ist wichtig.“ Das hierzulande viel zu viel diskutiert wird, eher Probleme gesehen als Aufgaben gelöst werden, ärgert ihn manchmal. Viel lieber wäre ihm, wenn gute Ideen unter offenen Rahmenbedingungen selbstständiger und unbürokratischer umgesetzt werden könnten.

Selbst furchtlos angepackt hat der promovierte Wirtschaftsingenieur, der zuvor in Stuttgart und München arbeitete, einiges. „Seit 1977 besuchte ich regelmäßig Freunde in Zittau, habe die Situation hier ziemlich genau verfolgen können, und als dann Helmut Kohl in Dresden auf dem Theaterplatz seine Rede hielt, war mir klar: Wenn im Osten was passiert, muss ich dabei sein“, erinnerte er sich.

Im Dezember kündigte er seinen Job in einem Werkzeugmaschinenbau-Unternehmen in München, um nach Dresden zu gehen. Drei Jahre lang bietet er Unternehmen die das Stahlwerk in Riesa oder Lacufa (Lacke und Farben) in Berlin bei Privatisierung, bevor er selbst mit drei Kollegen die Hellerauer Werkstätten privat übernehmen. Das für seine anspruchsvollen Möbel bekannte Unternehmen wurde „erstmal auf den Kopf gestellt“.

Inzwischen ist der hochwertige feine Innenausbau zum Markenzeichen geworden. Außerdem profilierte er das Gebäude-Ensemble Deutsche Werkstätten Hellerau zu einem Standort für technologieorientierte Unternehmen, für kreative Berufe, zu einem Tagungsstandort sowie als Veranstaltungszentrum mit internationaler Plattform.

Im Jahr 1996 gründete er mit dem Biotechnologen Jörg Gabert das Unternehmen Labor Diagnostik GmbH Leipzig, das veterinärmedizinische Tests entwickelt, unter anderem für den Nachweis von BSE am lebenden Tier. Das weltweit einmalige Verfahren soll im Herbst bei der EU-Kommission in Brüssel erstmals zugelassen werden.

1999 folgt die molekularbiologische Firma Biotype AG, in der u. a. Nachweise über den genetischen Fingerabdruck entwickelt wurde. Mit diesem Verfahren konnten z. B. im Fall Mooshammer und im so genannten Kofferbombenprozess von Dresden Beweise erbracht werden.

Dr. Wilhelm Zörgiebel investierte in vier weitere Unternehmen im Bereich Biotechnologie, in denen er aktiv im Management tätig ist. An die erste Zeit, als eine ausgediente Werkstatt als Bleibe fungierte, denkt er schmunzelnd zurück. „Für meine Frau war der Umzug aus unserem Haus in Oberhaching in diese Werkstatt eine totale Umstellung, für die Kinder, damals fünf, neun und elf Jahre alt, der reinste Abenteuerspielplatz“, erzählt er.

Aktiv ist er neben seiner Tätigkeit außerdem im Lions Club Dresden-Semper, im Förderkreis des Festspielhauses in Hellerau und in der Hoflößnitz in Radebeul. Zeitgenössische Kunst, wie Malerei und Musik, haben es ihm besonders angetan.

Gern geht er zum Konzert in die Oper, ins Schauspielhaus, zum Ballett. Um all den Verpflichtungen gerecht werden zu können, hält sich der frühere Handballspieler mit Sport fit: Am liebsten an der frischen Luft mit Fahrrad fahren im Dresdner Umland und der Sächsischen Schweiz, mit Ski fahren im Winter und im Sportclub.

 

(Heike Wendt, Disy Herbst 2005)