Tino Utassy (40), GF von BCS "Broadcast Sachsen"

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt" 

Glück bedeutet für ihn die Familie. Klar: Job ist wichtig, Freunde auch. Aber wenn Tino Utassy von seinem Sohn Willy redet, scheint alles andere in seiner Umgebung in den Hintergrund zu treten. Die Augen leuchten, das Lächeln verzaubert und die Wärme in seiner Stimme bringt Sonne in sein modernes Chefbüro. Neben der Hauptrolle als Familienpapa ist der gebürtige Chemnitzer Chef der BCS „Broadcast Sachsen“, die Hitradio RTL Sachsen, Radio Dresden 103 Punkt 5 und die Lokalsender vereint.

Der gelernte Elektromonteur hat eine zielstrebige und klare Karriere hingelegt: Studium der Kommunikationswissenschaften in Leipzig, war später Programmchef bei Radio Chemnitz, dann Zwickau und Leipzig. Mit 27 Jahren wurde er Geschäftsführer der Sender, übernahm dann auch Dresden, Radio Lausitz und letztlich Hitradio RTL. Bei all seiner Arbeit vertritt er das Motto: „Das Ziel ist der Weg. Andersherum ist das doch Quatsch. Man muss Spaß haben, während man vorankommt. Das  Ziel allein füllt die wenigsten aus.“

Auch wenn er bei seiner Arbeit glücklich ist. Entspannt schlendert er durch die schicken neuen Büros der Sender. Alles toll designt in gedecktem Grau gehalten, Glas, halbhohe Trennwände, viel Platz. Als Farbtupfer treten immer wieder das Logo-Blau von Radio Dresden und das Rot aus dem Namenszug von Hitradio RTL auf. Sogar das Geschirr gibt es in den Original-Senderfarben. „Ja, wir wollen es ein bisschen schön um uns herum“, lacht Utassy stolz.

Schön hat er es auch zu Hause in Gornau (ca. 4000 Einwohner), wo er mit seiner Frau Katja (30, Betriebswirtin) in ein 170-qm-Eigenheim gezogen ist. „Bei uns zu Hause sagen sich die Füchse gute Nacht“, witzelt der Radiochef und fügt hinzu: „Im Ernst. Im Wald hinter unserem Haus leben viele Füchse. Da kommt schon mal einer bis zu unserem Zaun.“ Kennen gelernt haben sich Utassys im Hotel Chemnitzer Hof, wo Katja arbeitete. „Auf meine Familie bin ich sehr stolz“, schwärmt er.

Im Übrigen bezeichnet er auch seine Mitarbeiter als Familie. „Bei uns ist das DU verordnet“, erklärt der Geschäftsführer. Mit Görlitz und Zwickau zählt seine „Truppe“ 102 Mitarbeiter. „Wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um, aber es ist klar, wenn ich die Fahne hoch- hebe, laufen alle hinterher.“ Für Utassy ist es wichtig, Menschen zu finden, die „.. bestimmt Sachen besser können als ich“.

Der Fußballfan (spielt seit 1974 beim SV Rapid Chemnitz als Verteidiger) liest in seiner Freizeit gern ein gutes Buch, fotografiert und mag Uhren. „Ich liebe Uhren. Bei dem Thema streikt manchmal die Haushaltskasse und der normale Menschenverstand“, gesteht er grienend. „Das Zifferblatt, die Zeiger, die Mechanik, die Präzision …“ Er ist gut drauf, der Herr Utassy. Bis das Thema Politik aufkommt. Da schlägt die Stimmung um: „Dieser Staat ist einfach zu teuer und wir alle müssen das teuer bezahlen“, schimpft er und steigert sich temperamentvoll in eine Debatte hinein. „Das hat nichts mit Parteien zu tun. Meine Einstellung wechselt. Mal CDU, mal FDP, mal gar nichts“.

Nur die Einstellung zum Leben, die wechsle er nicht. Trotz eines Zwölfstundentages darf das Genießen nicht zu kurz kommen. Ab und zu gönnt sich der Lexus-Geländewagen-Fahrer (Dienstwagen) eine Auszeit. Mal Singapur, dann Mauritius oder Kenia. „Ich bin auch gern in Ungarn, weil da mein Vater herkommt.“  Dresden findet er auch gut, die Altehrwürdigkeit der Stadt und die Frauenkirche. Gern trinkt er mal ein Hefe im Waldschlößchen oder im Kempinski Taschenbergpalais, geht zum Shoppen in die Altmarkt-Galerie, holt Schuhe bei „Zum Norde“, Hemden bei P&C und geht zu Alexander Seidel zum Friseur.

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, behauptet er. Doch läuft alles nur über Glück? „Das alte Sprichwort ist das Geheimnis: Jeder ist seines Glückes Schmied“, erklärt er. Es sei seine Sache zu verhindern, dass er im Geschäftsleben falsche Entscheidungen trifft. Auch privat muss man am Glück arbeiten. „Beziehungen brauchen Raum“, meint er und gesteht, dass zu Hause seine Frau Katja die Hosen anhat. Und eben Willy, der „.. beste Sohn der Welt“. Wieder kommt Utassy ins Schwärmen: „So ein kleiner Mensch bringt ganz neue Erkentnisse über das Leben. Plötzlich kümmert man sich auch um andere Kinder auf der Straße, hält die Augen auf, dass ihnen nichts passiert. Ich leide mit wie ein Tier, wenn ich im Fernsehen Bilder von Katastrophen sehen, wo Kinder beteiligt sind. Da krampft sich alles zusammen, muss ich manchmal weinen.“

Umso mehr weiß er sein Glück zu schätzen mit seinen Freunden Thomas Neumann (Saxocom) oder Sabine Ludwig (Mode-Team), mit Uwe Töpfer (Immobilien) oder Veranstalter Klaus Dieter Lindeck, mit seiner Radiofamilie in den Studios im Ammonhof und natürlich in Gornau bei Chemnitz mit Katja und Klein Willy.

 

(Anja K. Fließbach, Disy Winter 2005)