Gerd Kastenmeier (36), Koch und Gastronom

Der Wirt unter den Linden

Madonna sah ihm schon beim Kochen über die Schulter, Otto Walkes malte einen Ottifanten auf seine Kochjacke, er stellt Riesencaterings wie für den Börsengang der Kamps-Gruppe in acht Städten für 10000 Personen und hat den großen Traum zum 40. Geburtstag an der Rallye Paris-Dakar teilzunehmen – Gerd Kastenmeier.

Mit der Hotelgruppe „Raffael“ lernte Kastenmeier viele Hotels weltweit kennen, wurde danach Küchenchef im „Amadeus“ in Hamburg (bekam während der Zeit einen Michelin-Stern), wechselte dann ins Landhaus Scherrer, wo auf dem Niveau von zwei Michelin-Sternen gekocht wurde.

Als Küchenchef und Geschäftsführer der „Fischküche“ in Berlin sprach ihn eines Tages ein Gast an, der oft in Dresden war und ein gutes Fischrestaurant hier vermisste. „Also fuhr ich nach Dresden, futterte mich durch die Restaurants der Stadt und bemerkte, dass es in Sachen Fisch keine Konkurrenz gab.“

Also eröffnete Kastenmeier 1995 die „Fischgalerie“, die sehr erfolgreich lief und 2002 im Hochwasser Totalschaden erlitt. „Es ist mein Traum, eine neue Fischgalerie zu eröffnen, wenn ich ein entsprechendes Objekt und Zeit dafür finde“, erklärt er. Erstmal hielt der Zufall ein anderes Objekt für ihn bereit.

„Auf dem Weg zur Metro bin ich an diesem denkmalgeschützten Gebäude vorbeigekommen“, erinnert er sich und deutet auf die gemütliche Gaststube in seiner „Lindenschänke“.

Er kaufte, sanierte und eröffnete 1998 das sächsisch-bayrische Wirtshaus mit dem Biergarten unter 100-jährigen Linden, Spielplatz und Blick auf die Elbe. „Für die Einrichtung haben wir handgeschmiedete Lampen, alte Fichtendielen und Kachelöfen verwendet“, so der Wahldresdner.

Im Untergeschoss der Lindenschänke hat Kastenmeier die Kühl- und Lagerflächen für seine Cateringveranstaltungen eingerichtet. „Wir haben von Dresden aus zum Beispiel den Börsengang der Kamps-Gruppe in acht Städten mit 10 000 Personen oder die Großveranstaltungen der Firma Eon gecatert.“

In Dresden findet man Buffets, die Kastenmeier neuerdings oft mit seinem Freund Mario Trepte von der „Sonderbar“ ausrichtet, bei vielen wichtigen Veranstaltungen. Demnächst auch bei Sarrasani.

„André Sarrasani ist wie ich. Wir haben ein Ziel, gehen nach vorn und stellen uns in unserem Laden selbst in die vorderste Reihe.“

Immer wieder kochen Kastenmeier und Co auch für Prominente. Früher waren es Madonna, Billy Idol, Ralf Möller und Otto Walkes („Der hat mir sogar einen Ottifanten auf meine Kochjacke gemalt“), später in Dresden Genscher, Kohl, Merkel und Schröder. „Prominente sind anspruchsvollere Gäste, wollen oft genau wissen, was in den Speisen drin ist.“

Privat isst der immer freundliche, strahlende Kastenmeier selbst gern deftige Pasta oder Sushi, trinkt am liebsten einen guten italienischen Wein oder ein Weißbier und isst schon auch mal „fremd“ bei seinen Kollegen im „Schmitz“, „Cuchi“ oder in der „Villa Marie“.

Der leger gekleidete Chef („Am liebsten Jeans von Joop! oder Polokleidung.“) verbringt seine wenige Freizeit am liebsten mit Frau Annette (38) und seinen Kindern Maximilian (10) und Katharina (8) auf dem Golfplatz in Ullersdorf oder Possendorf. „Beim Golf muss ich mich konzentrieren, kann abschalten und frische Luft genießen.“

Ganz selten kommt er mal dazu, ein Buch zu lesen. „Wenn, dann Romane.“ Das hat auch damit zu tun, dass er bis zum letzten Jahr mit dem Bau seines neuen Hauses beschäftigt war. „Selbst gebaut“, berichtet er stolz und schwärmt von dem modernen Gebäude aus Glas und Stahl mit großer Bulthaupt-Küche. „Da koche ich gern Rezepte von Melzer nach“, gesteht er.

Und was ist nun mit der Rallye? „Der Motorsport ist mein Steckenpferd. Ich bastle gern an meinem Jeep und an meiner alten BMW 100 RS herum, die mir mein Vater geschenkt hat. Außerdem nehme ich regelmäßig an offiziellen Rallyes teil.“

Na dann, viel Glück für Paris-Dakar.

 

(Anja K. Fließbach, Disy Herbst 2005)